Bundestrainer der U18/19 und Co-Trainer bei den Männern – Erik Wudtke kennt sich aus im Handball. Sein Wissen wird der ehemalige MT-Kapitän bei einer Trainerfortbildung in Melsungen an die Teilnehmer vermitteln.
Die MT Melsungen bietet am 6./7. Juni eine Trainerfortbildung an mit namhaften Referenten. Einer von ihnen: Erik Wudtke, bestens bekannt in Nordhessen als Kapitän jener MT-Mannschaft, die vor knapp 21 Jahren den Aufstieg in die Handball-Bundesliga schaffte. Wir sprachen mit ihm über den anstehenden Lehrgang an seiner alten Wirkungsstätte.
Informationen zur Fortbildung plus Anmeldeformular gibt es hier: mt-melsungen.de/herzenssache/trainerfortbildung
Erik, du bist als Kapitän der Aufstiegshelden 2005 untrennbar mit der MT verbunden. Ist es etwas Besonderes für dich, jetzt in deiner alten Heimat an einem Trainerlehrgang mitzuwirken?
Natürlich ist das etwas Besonderes, an diesen Ort zurückzukommen. Der Aufstieg damals mit der MT bleibt mir für immer in sehr guter Erinnerung. Und dann komme ich jetzt noch in genau die Halle, in der ich bei Training und Spielen so viel Schweiß gelassen habe. Überhaupt hat ganz Nordhessen für mich Bedeutung. Nicht zuletzt, weil mein Sohn damals in Kassel geboren wurde. Es fühlt sich also wirklich so an, wie nach Hause zu kommen.
Das Team der Referenten ist erlesen: Co-Trainer Männer und U18/19-Bundestrainer Erik Wudtke, Weltmeister und HBL-Rekordspieler Carsten Lichtlein, Olympiasieger Georgi Sviridenko, Europameister Finn Lemke – wie oft erlebst du Fortbildungen dieser Güte?
Ohne euer Engagement zu schmälern – das ist gar nicht so selten. Ich finde, dass wir in Deutschland allgemein ein großes Engagement von Trainern haben, die bereit sind, ihre Erfahrungen und ihr Wissen an andere Trainer weiterzugeben. Insofern freue ich mich über eine so erlesene Runde wie jetzt in Melsungen und bin auch stolz, ein Teil davon zu sein.
Wie wichtig ist Strahlkraft für solch eine Fortbildung?
Strahlkraft kann helfen, wenn man sie mit der Authentizität des Referenten verbindet. Es ist eine wichtige Eigenschaft, immer bei sich selbst zu bleiben und die Inhalte, die man transportieren möchte, auf möglichst unterschiedlichen Kanälen an die Teilnehmer und Zuhörer zu bringen.
Machen es bekannte Namen per se leichter, Trainer im Amateur- und Jugendbereich zu erreichen?
Bekannte Namen machen es natürlich leichter, überhaupt das Interesse zu wecken. Wenn das geschehen ist, muss man aber mit Inhalten und mit Leistung überzeugen. Da ist dann Kompetenz wichtiger als der Name. Spätestens da trennt sich auch die Spreu vom Weizen.
Die Spanne der Teilnehmer reicht von Trainer-Neulingen bin hin zu solchen, die schon viele Jahre ihre B-Lizenz haben und diese auffrischen und verlängern wollen. Wie gestaltet man als Referent sein Thema so, dass niemand über- oder unterfordert wird?
Je spezifischer ein Thema ist, umso kleiner wird der Kreis, für den eine Umsetzung möglich ist. Deshalb muss man einen guten Mittelweg finden im Spagat zwischen der Spezialisierung auf der einen und der Verallgemeinerung auf der anderen Seite. Ich versuche, das so zu splitten, dass ich den Theoriebeitrag zum Thema Führung sehr allgemein halte. Das ist etwas, das für jeden umsetzbar ist, während vielleicht der Praxisteil einen etwas größeren Anteil an Spezifikation besitzt. So versuche ich zu gewährleiten, dass für alle etwas dabei ist. Wichtig ist immer, sich im Vorfeld Gedanken zu machen zu dem, was man an wen transportieren möchte.
Geht der Trend im Trainerhandwerk ganz allgemein eher zu spezialisierten Coaches oder zu Allroundern?
Ich hoffe der Trend geht beispielsweise dahin, dass mehr Torhütertrainer entwickelt werden und die Vereine die Bedeutung dieser Position zu schätzen wissen. Diese Position stellt sehr spezielle und komplexe Anforderungen an das Coaching und das Training. In meinen Augen ist es nötig, dass wir als Trainer zwischen Torhütern und Feldspielern unterscheiden. Wir verlangen von unseren Keepern unheimlich viel, sie haben eine sehr große Bedeutung für den Erfolg unseres Spiels. Da ist es dann mehr als richtig, wenn in diesem Bereich Spezialisierung und Fachkenntnis einziehen beziehungsweise vorherrschen. Daher bin ich immer wieder froh, in diesem Bereich mit Spezialisten zusammenarbeiten zu dürfen.
Dir ist der Jugendbereich besonders wichtig…
Ich bin davon überzeugt, dass wir in Deutschland auf eine sehr hochwertige Jugendarbeit blicken dürfen. Die Ergebnisse der Nationalmannschaften bei internationalen Turnieren im Jugend- und Juniorenbereich dokumentieren das. Mannschaftstitel und individuelle Auszeichnungen sind der Beweis für eine hohe Qualität in der Trainerausbildung und das Bewusstsein bei den Vereinen, wie wichtig Nachwuchsarbeit für die Zukunft des eigenen Klubs ist. Und wir benötigen diese Qualität, weil nach der Jugend die „stärkste Liga der Welt“ auf unsere jungen Handballer wartet – dort ist der Einstieg unheimlich schwierig.
Wie beurteilst du die Ausbildungsarbeit bei der MT?
Die MT Melsungen hat einen langen Atem bewiesen und gehört mit Sicherheit zu den Ausbildungsstätten in Deutschland, die verstanden haben, wie wichtig Nachwuchs ist. Und auch wie wichtig es ist, den einen oder anderen eigenen Jugendspieler in der Profimannschaft zu integrieren. Manchmal führt der Weg aber nicht direkt in die erste Mannschaft, sondern man muss Umwege gehen. Vielleicht auch erst über die zweite Liga, um in der Entwicklung voranzuschreiten. Da würde ich mir wünschen, dass Bundesligaklubs noch intensiver mit Zweitligisten kooperieren. Auf diese Art und Weise könnte man die Entwicklung der deutschen Nachwuchsspieler ebenfalls forcieren.
Was müsste für dich gegeben sein, damit du die anstehende Trainerfortbildung als gelungen und positiv im Sinne des Handballs einstufen würdest?
Ich hoffe einfach, dass die Inhalte unserer Trainerfortbildung zum Nachdenken anregen. Dass Trainer, die bei dieser Veranstaltung dabei sind, reflektieren, inwiefern sie die Inhalte auf ihre tägliche Arbeit transportieren können. Dass sie sich mit den Tipps, Hinweisen, Ideen, Konzepten der Referenten kritisch auseinandersetzen und so ihr eigenes Tun voranschreiten lassen. Wenn diese Form der Aktivierung bei den Trainern als Ergebnis dieser Fortbildung herauskommt, dann würde ich das als eine gelungene Veranstaltung sehen.
Zur Person
Erik Wudtke (53) wurde in Aachen geboren. Der gelernte Sportfachwirt spielte als aktiver Handballer unter anderem erstklassig in Belgien (Eynatten) und Frankreich (Dunkerque). Als Kapitän führte er die MT Melsungen (als Zweitligist MSG Melsungen/Böddiger) 2005 in die Handball-Bundesliga. Seit 2015 arbeitet er für den Deutschen Handballbund (DHB) und ist seit 2020 Co-Trainer der Männer-A-Nationalmannschaft unter Alfred Gislason. Im Juniorenbereich ist er Bundestrainer der U18/U19, mit der er 2025 den Weltmeistertitel holte. Bereits vorher verantwortete er deutsche Medaillengewinne mit anderen Juniorenauswahlen. Zudem war er beschäftigt in den Landesverbänden Mittelrhein und Hamburg. Den TuS Ferndorf führte er 2015 in die 2. Liga, war anschließend Jugendkoordinator und Sportlicher Leiter in Dormagen. Wudtke ist verheiratet, Vater zweier Söhne und lebt im deutsch-belgischen Grenzgebiet.
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