50 Jahre Teamgeist, Herzblut, Leidenschaft und unzählige gemeinsame Erinnerungen. Dieses Jubiläum nehmen wir zum Anlass, zusammen mit euch zu feiern und einen Blick auf unsere bewegte Vereinsgeschichte zu werfen. Die Feier zum 50-jährigen Vereinsjubiläum beginnt am Samstag, den 12. September 2026 um 15:00 Uhr auf der Sportanlage Flockertsholzer Weg mit Programmpunkten wie einem Allstar & Basketball Game, einer Tombola und Kinderschminken. Im Anschluss geht das Fest ab 21:00 Uhr in eine Party mit DJ so:nke über.
Vom Paashauser Apfelbaumhof an die Spitze des deutschen Handballs – Eine Solinger Erfolgsgeschichte
1. Die Wiege in der Hofschaft Paashaus: Spaß an der Freude
Wer die faszinierende Erfolgsgeschichte des HSV Solingen-Gräfrath ’76 e. V. verstehen möchte, muss eine Zeitreise ins Ende der 1960er-Jahre unternehmen. Alles begann keineswegs mit einem großen Budget, professionellen Sponsorenverträgen oder dem Traum von der Bundesliga. Es war eine handballverrückte Teenagergemeinschaft im Alter zwischen 18 und 20 Jahren, die schlichtweg die Leidenschaft für das Harzleder teilte. Einige von ihnen entstammten der Jugend des damals so erfolgreichen BSV Solingen 98, den im deutschen Handball als „Oheios“ berühmten Helden, die 1965 vor über 30.000 Zuschauern im Wuppertaler Zoostadion im dramatischen Feldhandball-Finale gegen Grün-Weiß Dankersen (heute GWD Minden) den ersten Deutschen Meistertitel nach Solingen geholt hatten.
In den ersten Jahren ging es rein um die Freude am Sport: Völlig wettbewerbsneutral flog der Handball auf einem behelfsmäßigen Kleinfeldrasenplatz zwischen den Apfelbäumen des Baumhofs der Landwirtsfamilie Kramer in der Gräfrather Hofschaft Paashaus durch die Luft. Aus dieser freundschaftlichen Runde erwuchs bald der Wunsch nach geordneterem Spielbetrieb, woraufhin man sich dem Solinger Verein PSV Jahn Solingen (welcher sich in den letzten zwei Jahrzehnten schrittweise in die BHC-Herren verschmolzen hat) anschloss und als 5. Herrenmannschaft an den Meisterschaften teilnahm.
Doch der Drang dieser eingeschworenen Gemeinschaft nach eigener Handballselbständigkeit und dem Recht auf eine eigene Trainingshalle bei der Stadt Solingen war unaufhaltsam. Am 23.
September 1976 war es schließlich soweit: Der Handball Spielverein HSV Gräfrath ’76 e. V. wurde offiziell beim Amtsgericht Solingen eingetragen.
„Sinn und Grund der Gründung war eigentlich nur ein wenig mehr Spaß am Handball – wir wollten unter Freunden zusammen unseren Sport mit Freude betreiben. Dass daraus jemals eine deutsche Top-Adresse werden würde, lag damals außerhalb jeder Vorstellungskraft“, blickt Friedhelm Kramer, Mitgründer, langjähriger Funktionär und 50-jähriges Vereinsmitglied, auf die Anfangszeit zurück.
Als die sieben Gründerväter, Wolfgang Mattukat, Lothar Fink, Werner Doetlaff, Claus Detlef Rogall, Wolfgang Hechler, Michael Eicker und Friedhelm Kramer das Protokoll unterzeichneten, ahnte niemand, welche Dynamik sie entfesselt hatten. Friedhelm Kramer sollte dem Verein über die vollen fünf Jahrzehnte als treue Seele erhalten bleiben.
2. Der kometenhafte Aufstieg der Herrenmannschaften
Nachdem der Spielbetrieb in der premierengeprägten Saison 1976/77 noch außer Wertung in der 5. Kreisklasse beendet wurde, startete 1977/78 die erste reguläre Meisterschaft. Der Solinger Handballkreis umfasste damals vier Kreisligen sowie eine übergeordnete Kreisliga. Der HSV begann in der 4. Kreisklasse, löste jedoch sofort eine Welle der Begeisterung aus: Der Mitgliederzulauf war so enorm, dass bereits im ersten offiziellen Spieljahr zwei Herrenmannschaften gemeldet werden mussten.
Unter Trainer Axel Weyres (damals Regionalliga Wermelskirchen) marschierte die 1. Herrenmannschaft unaufhaltsam durch die Ligen: Vier Meisterschaften in Folge bedeuteten bereits 1981 den Aufstieg in die Kreisliga. Nach einem Jahr Pause übernahm Spielertrainer Peter Meuter, ein früherer Bundesliga-Akteur von Solingen 98 und TUSEM Essen, das Zepter. Es folgten weitere Meistertitel über die Bezirksliga und Landesliga bis hinein in die Verbandsliga.
In 9 Meisterschaftsjahren erkämpfte sich der HSV 76 sieben Meistertitel und stieg bis in die Verbandsliga auf. Damit war der Verein die unangefochtene Herrenmannschaft Nr. 1 im Solinger Handball. Ebenfalls stieg die 2. Herrenmannschaft bis 1982 vier Mal hintereinander bis in die Kreisliga auf.
Nach zehn Jahren konnte der HSV Gräfrath ’76 stolz auf 5 Herrenteams, 3 Damenteams und ca. 10 Jugendteams blicken. Das alles war nie durchgestylt geplant, sondern ergab sich aus einem ganz besonderen Vereinsleben, getragen rein von Ehrenamt und Freundschaft. Die Gründungs- und Pioniergeneration leistete über 17 Jahre lang unermüdliche Vorstandsarbeit und erwarb für den HSV höchste Anerkennung in der Sportstadt Solingen. Heute steht der Gesamtverein unter der umsichtigen Leitung von Jan Gebel (1. Vorsitzender) und Andrej Ern (Geschäftsführer) auf einem breiten, gesunden Fundament.
3. Konsolidierung und Fokus auf den Frauenhandball
Die Jahre danach wurden anspruchsvoller, da der Verein stets an den grandiosen Anfangserfolgen gemessen wurde. In dieser Phase erwiesen sich Funktionäre wie Gerd Brems, Michael Schlömer, Stefan Bögel, Gerd Butzek, Wolfgang Klein und Gerd Wegner nebst weiteren treuen Helfern als Stützen des Vereins. Von Ende der 1990er-Jahre bis etwa 2013 leisteten sie hervorragende Vorstandsarbeit und stellten sicher, dass der HSV im Damenbereich die Nummer 1 in Solingen blieb.
Das 1. Damenteam, welches bereits 1978 gegründet worden war, spielte 1987 in der Oberliga und schaffte einige Jahre später unter den Trainern Michael Schnitzker und Oliver Lau den Aufstieg in die Regionalliga (damals 3. Liga).
Um den stetig steigenden wirtschaftlichen und organisatorischen Anforderungen gerecht zu werden, wurde 2016 die Betreibergesellschaft „HSV Solingen-Gräfrath FrauenPower GmbH“ ins Leben gerufen.
Zu Beginn der Saison 2016/17 stand das Damenteam vor den Trümmern und umfasste zeitweise nur drei Spielerinnen. Mit sensationellem Teamgeist gelang der Klassenerhalt. Nur zwei Jahre später, in der Saison 2018/19, feierte der HSV unter Trainerin Kerstin Reckenthäler als Meister der 3. Liga den sensationellen Aufstieg in die 2. Bundesliga.
4. Aufstieg in das Oberhaus
Der Aufstieg in die 2. Bundesliga im Jahr 2019 markierte den Beginn der professionellen Neuzeit. Selbst die Turbulenzen der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 überstand das Team. Unter der Führung des heutigen GmbH-Geschäftsführers Stefan Bögel entwickelte sich die Profi-Sparte kontinuierlich weiter.
Der vorläufige Höhepunkt der Vereinsgeschichte folgte in der Saison 2022/23: Der HSV Solingen-Gräfrath sicherte sich die Meisterschaft in der 2. Bundesliga und stieg unter riesigem Jubel in die 1. Handball-Bundesliga auf! Auch wenn nach einer kräftezehrenden Erstliga-Saison 2023/24 der Gang zurück in die Zweitklassigkeit angetreten werden musste, hatte sich der Verein endgültig auf der Landkarte des deutschen Spitzenhandballs etabliert. Auszeichnungen wie die Wahl zur Solinger „Mannschaft des Jahres“ (1994 und 2023) sowie den Titeln „Sportlerin des Jahres 2023“ für Mandy Reinarz und 2025 für Hannah Gutzeit unterstrichen das hohe Ansehen.
5. Die Talentschmiede: Wie Gräfrath zur Frauenpower-Zentrale wurde
Der Erfolg, insbesondere der Frauen, ist untrennbar mit einer visionären Nachwuchsarbeit verbunden. Im Oktober 2009 wurde der Förderverein „Talentschmiede“ gegründet. Sein Ziel: Der Jugendabteilung eine dauerhaft sichere finanzielle und konzeptionelle Basis zu bieten. Mit einer klaren strategischen Ausrichtung auf den Mädchenhandball und zahlreichen Kooperationen mit Solinger Schulen setzte der HSV Maßstäbe.
● 2009/10: Start mit 5 Jugendteams im Bergischen Handballkreis.
● 2010/11: Bereits 11 Mädchen-Teams bis zur B-Jugend im Spielbetrieb.
● 2015/16: 19 Mannschaften mit rund 250 Kindern und Jugendlichen. Besonders im Grundschulbereich erlebte der HSV einen enormen Boom.
6. Das magische Jubiläumsjahr 2026: Ein Feuerwerk der Erfolge
Im 50. Jahr seines Bestehens machte sich der HSV Solingen-Gräfrath selbst die schönsten Geschenke. Sportlich wurde das Jubiläumsjahr 2026 zu einer einzigen Triumphfahrt auf allen Ebenen:
- 1. Damen in der 2. Bundesliga:
Nach der Rückkehr aus dem Oberhaus trat die 1. Damenmannschaft in der Saison mit einem stark verjüngten Kader an. Das neu formierte Team übertraf alle Erwartungen und sicherte sich mit begeistert vorgetragenem Tempohandball einen hervorragenden 5. Platz in der 2. Bundesliga.
- Deutscher B-Jugend-Meister:
Als allererste Jugendmannschaft des HSV in der Vereinshistorie hatte sich die weibliche B-Jugend für die eingleisige Bundesliga qualifiziert. Im Mai 2026 setzte das Team dem Märchen die Krone auf: Bei einem überragenden Final-Four-Turnier marschierte die B-Jugend souverän durch und krönte sich zum Deutschen Meister 2026!
- Hannah Gutzeit – Sportlerin des Jahres & Weltmeisterin:
Im Februar 2026 wurde HSV-Talent Hannah Gutzeit zur Sportlerin des Jahres in Solingen gewählt. Im Juli 2026 reiste sie mit der weiblichen U20-Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft nach China und kehrte als frischgebackene Weltmeisterin nach Solingen zurück!
- Luna Külker & Laura Schatton im Nationaltrikot:
Ebenfalls im Juli 2026 wurden Luna Külker und Laura Schatton aus der Meister-B-Jugend für die U18-Nationalmannschaft nominiert und vertraten Deutschland bei der U18-WM in Rumänien.
- Erstmalig hat der HSV Solingen-Gräfrath sowohl mit der weiblichen B-Jugend als auch mit der weiblichen A-Jugend ein Startrecht für die Bundesliga 2026/27.
Chronologie & Meilensteine (1976 – 2026)
| Jahr | Meilenstein / Ereignis |
| 1976 | Gründung des HSV Gräfrath ’76 e. V. am 23. September durch 7 Handballbegeisterte. |
| 1978 | Gründung der ersten Frauenmannschaft. |
| 1981 | Aufstieg der 1. Herren in die Kreisliga nach 4 Meisterschaften in Folge. |
| 1986 | 10-jähriges Bestehen: 5 Herren-, 3 Damen- und 10 Jugendteams im Spielbetrieb. |
| 2009 | Gründung der „Talentschmiede“ zur gezielten Förderung des Mädchenhandballs. |
| 2016 | Gründung der HSV Frauenpower GmbH zur wirtschaftlichen Sicherung des Leistungssports. |
| 2019 | Meisterschaft in Liga 3 und Aufstieg der 1. Damen in die 2. Bundesliga. |
| 2023 | Meister der 2. Bundesliga und Aufstieg in die 1. Handball-Bundesliga; Mannschaft des Jahres. |
| 2026 | 50 Jahre HSV: 5. Platz 2. Bundesliga (Damen), Deutscher B-Jugend-Meister, Hannah Gutzeit U20-Weltmeisterin & Sportlerin des Jahres, U18-WM-Nominierungen für Külker & Schatton. |



