Bitterer hätte es für die Handballer des HC Einheit Plauen am Samstagabend gegen den Tabellenzweiten HC Elbflorenz II nicht laufen können: Trotz einer 21:18-Führung zu Beginn der zweiten Halbzeit mussten sich die Füchse am Ende mit 36:40 geschlagen geben. Die Gründe für die Niederlage der Rot-Weißen, die damit auf den 13. Platz der Regionalliga Mitteldeutschland abgerutscht sind.
Es war die wahrscheinlich spielentscheidende Szene, als die Schiedsrichter Petr Jahn nach 25 Minuten die rote Karte zeigten, nachdem der Halblinke seinen Gegenspieler vermeintlich im Gesicht getroffen haben soll. „Der Dresdner geht voll in die Abwehr rein, Pedro schiebt nur die Lücke zu und dann kann er schlecht weggehen – und dafür eine rote Karte zu geben, da bin ich nicht dabei“, ärgert sich Einheit-Trainer Mario Schuldes über die Entscheidung der beiden Unparteiischen: „Selbst wenn Pedros Hand im Gesicht war, dann ist es eine Zwei-Minuten-Strafe, weil es weder Absicht noch eine Tätlichkeit war und dann gibt man in dieser Situation keine rote Karte.“ Denn diese Disqualifikation beim Stand von 17:16 für die Spitzenstädter war für den weiteren Verlauf der Partie sehr entscheidend. „Dadurch hatten uns dann zwei Spieler im Rückraum gefehlt, weil auch Petr Linhart nach kurzer Zeit bereits verletzungsbedingt ausgefallen war und wir deshalb mit einem Außenspieler als Mittelmann agieren mussten“, erklärt Schuldes: „Uns hat dann am Ende die Kraft gefehlt und es war eine Schiedsrichterentscheidung, die falsch war, was sehr ärgerlich ist, wenn diese dann uns die zwei Punkte kostet.“ Denn bis dahin lief es für die Vogtländer gut und dass, obwohl die Hausherren wieder Probleme hatten, vor allem in der Abwehr ins Spiel zu kommen. „Wir wollten mit einer stabilen 6:0-Formation gegen Elbfllorenz verteidigen, aber wir waren wieder zu passiv und haben die Zweikämpfe nicht gewonnen“, begründet der Übungsleiter den 5:8-Rückstand Mitte der ersten Halbzeit, der bis zum 10:13 nach knapp 20 Minuten an der Anzeigentafel leuchtete: „Mit der Umstellung auf eine offensivere Deckung hatten wir die Dresdner zu einigen Ballverlusten gezwungen, uns die defensive Sicherheit geholt und so konnten sich auch die Torhüter mit einigen Paraden auszeichnen.“ Und die Füchse konnten beim 14:14 nur knapp drei Zeigerumdrehungen später erstmals seit dem 4:4 in der siebten Minute wieder ausgleichen. „Im Angriff hatten wir über weite Strecken gute Lösungen, hatten auch das gut umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten und haben unsere Chancen konsequent genutzt“, lobt Mario Schuldes vor allem auch die starke Kooperation des Rückraums mit dem treffsicheren Kreisläufer Florian Wokan, der sogar den Gästen im Rückzug einmal clever den Ball abluchste und mit fünf Toren maßgeblich zur 18:16-Halbzeitführung beitrug: „Wir wussten, dass die Dresdner nach der Halbzeit extrem viel Gas geben und sehr viel Druck aus der zweiten Welle machen, aber leider haben wir dagegen kein Mittel gefunden.“
Das lag vor allem daran, dass die Rot-Weißen im Angriff auch bedingt durch die sehr offensive Deckung der Landeshauptstädter immer wieder einfache Ballverluste machten, die zu Kontergegentoren führten. „Wir wurden quasi überrannt, machten zu viele technische Fehler und dann machte sich auch die ungewohnte Aufstellung bemerkbar – und dadurch haben wir das Spiel aus der Hand gegeben“, bemängelt der Einheit-Trainer insgesamt 18 technische Fehler: „Wir hatten keinen guten Rückzug, müssen vom Kopf mehr da sein und hatten den Dresdenern die Überzahl gegeben, die sie eiskalt ausgenutzt hatten.“ So konnten die Elbstädter innerhalb von einer Viertelstunde den 18:21-Rückstand nach knapp 33 Minuten in eine 34:27-Führung umwandeln, die bis zum 36:29 nach 49 Minuten Bestand hatte. „Wir haben nicht mehr auf den Punkt gespielt, konnten keine klaren Situationen kreieren und haben die Halbchance zum Abschluss genommen, statt geduldig weiterzuspielen“, kritisiert Schuldes: „Wir standen in der Positionsabwehr nicht so gut, um die Bälle zu gewinnen oder die Dresdner zu schwierigen Würfen zu zwingen und konnten so auch den Torhütern nicht helfen.“ Dazu kam, dass das Perspektivteam des Zweitbundesligisten auch bisschen Glück im Abschluss hatte, als vor allem Maurice Kriegel seine Würfe aus dem rechten Rückraum in den oberen Winkel im Tor der Spitzenstädter einschweißte. „Dann stabilisierten wir uns wieder in der Offensive, mussten aber wegen des hohen Tempos viel wechseln und aufgrund der wenigen Optionen wieder Spieler auf Positionen spielen lassen, auf denen sie normalerweise nicht zum Einsatz kommen“, erklärt der Übungsleiter einige Abstimmungsfehler im Angriff: „Die Jungs haben nie aufgegeben, sich wieder ins Spiel zurück gekämpft und den Dresdnern gingen die Kräfte aus.“ Und so verkürzten die Vogtländer dank einiger Ballgewinne in der offensiven Abwehr und des konsequenten Nutzens der Überzahl bis zum 35:39 nach gut 57 Minuten den Rückstand auf nur noch vier Tore. „Dann pfeifen die Schiedsrichter wieder einen Freiwurf für den Gegner, weil er sich hinfallen lässt und das kann ich nicht nachvollziehen, denn es war ein Kampf um den Ball von beiden Spielern“, schüttelt Mario Schuldes mit dem Kopf, der sich für seinen Protest noch eine Zeitstrafe abholte: „Das wäre unser Kontertor gewesen und dann wäre noch alles drin gewesen.“ Zwar traf dann der mit insgesamt acht Toren beste Werfer der Begegnung noch zum 36:39, doch auch Florian Wokan konnte diese bittere 36:40-Niederlage nicht mehr verhindern. „Das tut mir unheimlich leid für die Jungs, weil sie so viel investiert hatten und dann hat man so eine Entscheidung, bei der ich dann auch nicht ruhig bleiben kann“, weiß der Einheit-Trainer, dass die berechtigte Zwei-Minuten-Strafe und damit einhergehende Unterzahl nichts mehr am Ausgang des emotionalen Aufeinandertreffens änderte: „In der Entwicklung des Spiels hätten wir noch einen oder vielleicht sogar zwei Punkte holen können.“ Doch so rutschen die Füchse mit nun 13:27 Punkten auf den 13. Tabellenplatz ab, da die HSG Freiberg überraschend gegen Drittliga-Absteiger HC Burgenland mit 32:26 gewann. „Hut ab vor der Mannschaft, wie sie über die ganzen 60 Minuten gekämpft hat und auch als wir Mitte der zweiten Halbzeit mit sieben Toren in Rückstand lagen, hat sie nochmal alles reingehauen – und konnte die Partie sogar fast noch drehen“, resümiert Schuldes: „Es war ein gutes Spiel, auf das wir aufbauen können und wenn wir so auftreten, dann werden wir die Zähler für den Klassenerhalt holen – und dann werden wir auch zurecht in der Liga verbleiben.“
HC Einheit Plauen: Misar, Brychlec (1), Neef – Corda (1), Wokan (8), Janàsek (2), Krüger (4), Linhart, Kotesovec (1), Bednarík (6), Machacek (5), Kacin (3), Jahn (4), Zbiral (1/1), Horky, Sira; Trainer Mario Schuldes, Co-Trainer Josef Pour, Mannschaftsverantwortlicher Bernd Grimm, Mannschaftsarzt Normann Haßler, Physio Antonia Weller
HC Elbflorenz 2006 II: Schwaiger (1), Wujczak, Kaubitzsch (3), Nitsche (3), Bilhastre (7/3), Richter, Sandin, Witt (1), Aktas (4), Hoffmann (7), Kryszon (6), Prager, Kriegel (7), Fraunholz (1); Trainer Gonzalo Tajuelo, Co-Trainer Cal Hennig und Eric Meinhardt, Mannschaftsverantwortlicher Stephan Laskowski, Physio Lisa Grundt
Verwarnungen: 1 für HC Einheit Plauen, 1 für HC Elbflorenz 2006 II
Zeitstrafen: 4 für HC Einheit Plauen, 4 für HC Elbflorenz 2006 II
Siebenmeter: 3 für HC Einheit Plauen, 4 für HC Elbflorenz 2006 II
Disqualifikationen: 1 für HC Einheit Plauen (ohne Bericht)
Zuschauer: 265
Von Florian Wißgott (flow)


