Zwar stehen die Handballer des HC Einheit Plauen nach dem 27:32 gegen den HV Rot-Weiß Staßfurt weiter auf dem zwölften Tabellenplatz der Regionalliga Mitteldeutschland, doch es war bereits die vierte Niederlage in Folge. Wieso trotz der stimmungsvollen Unterstützung der 310 Zuschauer die Füchse am Samstag dennoch die dritte Pleite vor eigenem Publikum hinnehmen mussten.
Wie angespannt die personelle Situation bei den Rot-Weißen ist, zeigte sich besonders deutlich im Tor: Obwohl Josef Pour nach der vorletzten Saison seine aktive Karriere als Schlussmann beendet hatte und seitdem als Co-Trainer an der Seitenlinie steht, erlebte der 40-Jährige den Anpfiff zwischen den Pfosten. „Mit sieben angeschlagenen Spielen konnten wir nicht unser Spiel machen und in der zweiten Halbzeit ließen dann die Kräfte nach“, sagt ein niedergeschlagener Einheit-Trainer Mario Schuldes: „Dann gewinnt man einfach nicht gegen einen formstarken Tabellenfünften, der soliden Handball spielt.“
Dazu kam, dass die Spitzenstädter schlecht in die Partie starteten, ohne gegnerischen Druck drei technische Fehler machten und die Salzländer so einluden, die Vogtländer eiskalt auszukontern. „Wir waren im Angriff zu harmlos und haben die Bälle leichtfertig weggegeben“, ärgert sich Schuldes: „Wir haben uns dann aber wieder rangearbeitet, weil Pepe stark gehalten hat, aber hatten über die ganze Partie das Problem, dass wir nicht so richtig ins Tempospiel gekommen sind – auch weil die Abläufe nicht so geklappt haben.“ So konnten zwar die Füchse nach einer frühen Auszeit in der siebten Minute und einem anschließenden 3:0-Lauf binnen fünf Zeigerumdrehungen durch Petr Linhart zum 4:4 ausgleichen, allerdings nicht selbst in Führung gehen – auch weil die Rot-Weißen Pech im Abschluss hatten und allein im ersten Durchgang fünf Mal das gegnerische Gebälk trafen. „Es war nicht so, dass Staßfurt ein super Spiel gemacht hat und wir keine Chance hatten, sondern die Salzländer haben ihr Zeug gut gespielt, waren aber absolut schlagbar – nur wir leider einfach nicht gut genug“, sah der Übungsleiter eine wechselhafte Begegnung, in der sich die Sachsen-Anhalter sowohl beim 9:6 in der 19. Minute als auch beim 19:16 in der 37. Minute jeweils mit drei Toren absetzten, aber die Spitzenstädter in der Folge wieder ausglichen: „Wir haben Staßfurt zu Abschlüssen aus schlechteren Positionen gebracht und erzielten selbst Kontertore, aber konnten das leider nicht konsequent durchziehen – und dann hat es Staßfurt mit den erfahrenen Spielern eiskalt ausgenutzt, wenn wir trotz unserer höheren Wurfeffektivität einen Fehler gemacht haben.“
Dennoch gelang es den Vogtländern, nach 41 Minuten beim 21:20 durch Petr Jahn erstmals selbst in Führung zu gehen – es sollte allerdings die einzige bleiben. „Wir hatten es wieder in der eigenen Hand, das Aufeinandertreffen erfolgreich zu gestalten, aber schafften es dann nicht, das Spiel zu unseren Gunsten zu kippen, weil wir einfache Fehler im Angriff oder in der Abwehr machten“, bedauert Mario Schuldes, der in der Schlussviertelstunde den erkrankten Matèj Brychlec ins Tor einwechseln musste: „Im Angriff haben wir dann auch nicht immer das gemacht, was wir uns vorgenommen hatten.“ Zwar gleichen die Füchse nach gut 48 Minuten zum 23:23 aus, doch es sollte das letzte Unentschieden in der Partie sein – auch weil die Rot-Weißen erneut in der entscheidenden Phase gegen die routinierten Salzländer zu einfache Fehler machten. „Wir hatten die Chance, mit einer gut gespielten Überzahl nochmal ranzukommen, aber dann machen wir zwei schlechte Angriffe und geben die Punkte endgültig weg“, kritisiert der Einheit-Trainer, der mit ansehen musste, wie die Sachsen-Anhalter beim 27:23 in der 56. Minute erstmals einen Vier-Tore-Vorsprung hatten: „Wir haben wieder schlechte Entscheidungen in unserem Überzahlspiel getroffen, was uns schon einige Begegnungen begleitet.“ In der Schlussphase versuchten dann die Spitzenstädter, mit einer offensiven 4:2-Abwehr nochmal irgendwie Ballgewinne zu erzwingen, was allerdings auch nicht gelingen sollte, weil Staßfurts Kreisläufer und mit sieben Toren zweitbester Werfer Niklas Danowski – der jüngere Bruder des ehemaligen Einheit-Kreisläufers Martin Danowski – die Lücken eiskalt nutzte. „Wir hielten bis dahin ihn sowie die anderen starken Werfer gut im Schach, weil die Deckung über weite Strecken wieder gut gearbeitet hatte und so Staßfurt immer wieder ins Zeitspiel zwang, aber dann machte Malvin Haeske mit dem letzten Wurf noch das Tor“, erklärt Schuldes die elf Treffer des ehemaligen Zweitbundesligaspielers: „Wir haben ihn nicht in den Griff bekommen, wussten zwar, dass er der gefährlichste Werfer ist, aber er hatte zu viel Freiraum und gerade in der zweiten Halbzeit erzielte er viele Tore, die uns sehr weh getan haben.“ Damit war die 27:32-Niederlage besiegelt und somit kassierten die Vogtländer erstmals seit April 2022 wieder vier Pleiten in Folge.
„Die Zuschauer haben uns über das ganze Spiel angefeuert“, freut sich Schuldes über die dennoch „gute Unterstützung“ von den Rängen, die allerdings auch nicht den dritten punktlosen Auftritt vor eigenem Publikum verhindern konnte: „Es ist sehr schade, wenn es am Ende dann leider doch nicht reicht.“ Mit 4:12 Zählern steht der HC Einheit Plauen weiterhin auf dem zwölften Tabellenplatz der Regionalliga Mitteldeutschland. „Wir haben zwar nicht so gut gespielt, aber auch in diesem Spiel war es absolut möglich, dass wir gewinnen und am Ende ist es wie in den letzten Partien, dass wir es nicht schaffen, den letzten Schritt noch zu gehen oder das letzte Tor noch zu machen, um uns mit einem Erfolgserlebnis zu belohnen“, resümiert ein enttäuschter Mario Schuldes: „Es ist sehr bitter, weil wir auch wieder ähnliche Fehler wie in den vergangenen Begegnungen gemacht haben und das ist sehr ärgerlich, weil wir wieder ohne Punkte dastehen – und dass wir langsam den Anschluss ans Tabellenmittelfeld verlieren, ist sehr schlecht.“
HC Einheit Plauen: Misar, Brychlec, Pour – Corda (2), Wokan (2), Janàsek, Krüger, Linhart (7/1), Kotesovec, Bednarík (1), Machacek (4), Kacin (2), Jahn (4), Zbiral, Stegner (4), Sira (1); Trainer Mario Schuldes, Mannschaftsverantwortlicher Bernd Grimm, Physio Antonia Weller
HV Rot-Weiß Staßfurt: Cieszynski (3), Kluge (3), Niklas Danowski (7), Schliwa, Steffen (1), Heinrichs (1), Geckert, Haeske (11), Hähnel (1), Lück (1), Vehse (2), Osterloh (2), Kleineidam, Danneberg; Trainer Svajunas Kairis, Mannschaftsverantwortlicher Steffen Siebert
Verwarnungen: 1 für HC Einheit Plauen, keine für HV Rot-Weiß Staßfurt
Zeitstrafen: 1 für HC Einheit Plauen, 3 für HV Rot-Weiß Staßfurt
Siebenmeter: 1 für HC Einheit Plauen, keinen für HV Rot-Weiß Staßfurt
Zuschauer: 310
Von Florian Wißgott (flow)


