Deutlich die aktuellen Grenzen aufgezeigt bekamen die Handballer des HC Einheit Plauen am Samstag bei der 26:37-Niederlage beim NHV Concordia Delitzsch. Wieso die höchste Saisonniederlage der weiterhin elftplatzierten Füchse beim ungeschlagenen Spitzenreiter der Regionalliga Mitteldeutschland dennoch vermeidbar gewesen wäre.
Gegensätzlicher hätten die Gegebenheiten vor dem Duell zwischen dem amtierenden Meister und aktuellen Spitzenreiter NHV Concordia Delitzsch sowie dem Tabellenelften HC Einheit Plauen nicht sein können: Während die Nordsachsen ungeschlagen mit nur einem 29:29-Unentschieden zum Saisonauftakt und zehn Siegen in Serie ins Spiel gingen sowie seit mittlerweile 25 Partien unbesiegt sind, hinken die Rot-Weißen trotz zuletzt zweier Erfolge beim Vorjahres-Vizemeister Bad Blankenburg (30:26) und gegen Oebisfelde (36:31) ihren ambitionierten Ansprüchen hinterher. Während die Loberhaie die letzte Heimniederlage (24:27) am 23. November 2024 gegen die SG Pirna/Heidenau hinnehmen mussten, konnten die Spitzenstädter noch nie in der Vier-Türme-Stadt punkten oder gar siegen. Während die Concorden auf einen kompletten Kader und fitte Leistungsträger setzen konnten, musste Einheit-Trainer Mario Schuldes erneut vollständig auf fünf Spieler verletzungsbedingt verzichten und hatte zudem vier weitere angeschlagene Akteure. „Dass wir mit nur zehn Feldspielern und einem Torhüter gespielt haben, darf keine Ausrede sein“, so Schuldes: „Wir sind alle sehr enttäuscht von der Leistung, weil sie einfach nicht gut war und Delitzsch absolut auch in der Höhe verdient gewonnen hat – und das, obwohl sie noch nicht einmal gut gespielt haben, aber wir haben zu viele Fehler gemacht.“ Insgesamt waren es 22 Fehlwürfe und 15 technische Fehler. „So gewinnt man kein Spiel, das ist einfach zu schwach und da müssen wir uns an die eigene Nase fassen“, ärgert sich der Übungsleiter: „Das ärgerliche war, dass alles so kam, wie wir es vorher erwartet hatten und wir uns viele freie Abschlüsse rausspielen konnten, die wir dann aber nicht nutzten.“ Obwohl Jakub Sira nach knapp drei Minuten das 1:1 machte und für den einzigen Ausgleich in der Partie sorgte, zeigte sich direkt im Anschluss eines der sechs Probleme der Vogtländer: Während die Nordsachsen aufgrund der ersten Zwei-Minuten-Strafe in Unterzahl agieren mussten, gingen sie mit 3:1 in Führung. „Obwohl Delitzsch nur mit fünf Mann angreift, bekommen wir in den ersten neun Minuten acht Gegentore und da waren wir weder in der Abwehr noch im Tor da – und verwerfen auch drei freie Abschlüsse“, berichtet Mario Schuldes: „Wir hätten deutlich besser starten können, machen es nicht gut und rennen dem ganzen Spiel einen Rückstand hinterher – und das hat sich durch die ganze Partie gezogen.“ Denn nach knapp sechs Minuten beim Stand von 2:4 offenbarte sich das nächste Problem: Erst Petr Linhart, dann Petr Jahn beim 10:13 (20.), anschließend Kapitän Maximilian Krüger beim 12:17 (24.) und schließlich David Zbiral beim 22:28 (48.) scheiterten mit ihrem Siebenmeterwurf am überragenden Torwart Axel Ramos Schwitz – nur David Machacek beim 25:36 (56.) konnte den eigentlich nur dritten NHV-Schlussmann überwinden. „Das ist unterirdisch und das hat zum Gesamtbild gepasst, dass wir auch diese Chancen nicht nutzen“, verweist der Einheit-Trainer auf die Angriffseffektivität von nur 40 Prozent, während Concordia-Trainer Jan Jungandreas ein „dickes Lob“ an seinen Hüter verteilte und Stammtorhüter Max Neuhäuser gratulierte: „Er hat das richtig gut gemacht.“ Zwar kommen die Füchse nach einer frühen Auszeit nach gut neun Minuten beim Stand von 5:8 in den nächsten sieben Zeigerumdrehungen wieder auf 9:10 heran, weil in der Offensive die Chancen genutzt wurden und die Defensive sich paar Bälle erkämpfe. „Doch Delitzsch musste gar nicht gut spielen, um zu Toren zu kommen, weil wir es schlecht lösen und nach Einzelaktionen die Gegentore bekommen“, ärgert sich Schuldes: „Wir standen nie so richtig gut in der Abwehr, machten uns das Leben echt schwer und 37 Gegentore sind ein Beleg dafür.“ Und so konnten die Loberhaie in ihrer dritten Unterzahl den Vorsprung auf fünf Tore beim 15:10 nach gut 21 Minuten ausbauen. „Das ist sehr ärgerlich, aber wir machten zu viele Konzentrationsfehler und kein gutes Spiel“, nennt der Übungsleiter exemplarisch Pässe in die Hände der Hausherren: „In der Deckung waren wir unkonzentriert und gingen nicht konsequent auf den Ballführenden.“ Nachdem beim 15:21 die Seiten gewechselt wurden, die Vier-Türme-Städter durchwechselten und sich die Rot-Weißen einige Ballgewinne in der Verteidigung erkämpften sowie Schlussmann Jan Misar fünf freie Würfe parierte, „hätten wir nochmal rankommen können“, weiß Mario Schuldes über die Phase Mitte der zweiten Halbzeit bis zum 22:26 nach knapp 46 Minuten: „Doch dann lassen wir wieder zwei freie Abschlüsse liegen sowie machen zwei völlig sinnlose technische Fehler und dann war das Spiel eigentlich entschieden – und dann entwickelt sich der Spielverlauf so, dass es zweistellig wurde, was in der Höhe sehr wehtut.“ Denn vor allem den Halbrechten Tom Hanner mit neun Toren und den Halblinken Maximilian Amtsberg mit zehn Treffern „hatten wir nicht in den Griff bekommen und in den Unterzahlsituationen hatte Amtsberg auch aus zwölf Metern alles getroffen“, so der Einheit-Trainer: „Wir haben es Delitzsch zu einfach gemacht, haben im Kollektiv nicht gut verteidigt und in der ersten Halbzeit vier Abpraller nicht bekommen, was ich nicht verstehen kann.“ So konnte der Spitzenreiter „seinen Stiefel spielen“ – auch weil der NHV-Schlussmann Ramos Schwitz im zweiten Durchgang auf die überragende Quote von 60 Prozent gehaltener Bälle kam. „Wir haben es leider nie geschafft, mal einen kleinen Lauf zu starten“, resümiert Schuldes, der sich bei den zahlreich mitgereisten Fans bedankt: „Die Jungs haben nie aufgesteckt und immer gekämpft, deshalb mache ich ihnen da auch keinen Vorwurf.“
HC Einheit Plauen: Misar, Brychlec – Corda (2), Janàsek (1), Krüger (6), Linhart (1), Kotesovec (1), Bednarík (3), Machacek (1/1), Jahn (1), Zbiral (6), Sira (4); Trainer Mario Schuldes, Mannschaftsverantwortlicher Bernd Grimm
NHV Concordia Delitzsch: Neuhäuser, Ramos-Schwirtz – Eulitz (1), Seifert (3), Amtsberg (9), Prautzsch (1), Eckart (2), Bielicki, Birke (2), Schmidt (1), Oehlrich (4), Griehl (1), Hanner (10), Reinhardt (2), Teichert (1); Trainer Jan Jungandreas, Co-Trainer Sven Griehl und Vincent-Ciano Viehweger, Mannschaftsverantwortlicher Falk Fürstenberg, Physio Katharina Burkhardt
Verwarnungen: keine für HC Einheit Plauen, keine für NHV Concordia Delitzsch
Zeitstrafen: 3 für HC Einheit Plauen, 5 für NHV Concordia Delitzsch
Siebenmeter: 5 für HC Einheit Plauen, 1 für NHV Concordia Delitzsch
Disqualifikation: 1 für NHV Concordia Delitzsch (ohne Bericht)
Von Florian Wißgott (flow)


