Nach der vierwöchigen Winterpause beginnt am Samstagnachmittag ab 17 Uhr gegen den Tabellenzweiten SV Anhalt Bernburg auch für die Handballer des HC Einheit Plauen die Rest-Rückrunde in der Regionalliga Mitteldeutschland. Wie die Füchse das Minimalziel Klassenerhalt erreichen wollen.
Dass es nach der zweitbesten Saison der Vereinsgeschichte wahrscheinlich nicht so erfolgreich auch in dieser Spielzeit für die Rot-Weißen weitergehen würde, befürchteten schon viele Anhänger der Spitzenstädter nach der letzten Partie im Frühjahr 2025 beim abgestiegenen HSV Apolda, denn nach der schweren Verletzung und des damit einhergehenden langen Ausfalls des Abwehrchefs Lukas Horky fehlt der defensive Stabilisator der Vogtländer. „Es ist ein wichtiger Faktor, Lukas zählt zu den besten Abwehrspielern der Liga und er hat die Defensive sehr geprägt – er ist aber auch jemand, der in der Deckung Emotionen reinbringt und seine Nebenmänner besser macht“, sagt Einheit-Trainer Mario Schuldes: „In der letzten Saison war das Abwehr-Torhüter-Spiel unsere Konstante und die Basis für den Tempohandball – und wenn das nicht da ist, dann fehlen uns auch die einfachen Tore, was man sehr deutlich merkt.“ Auch, weil der Übungsleiter erst die Abwehr personell umbauen und dann auch noch seit der Partie gegen die SG Pirna/Heidenau verletzungsbedingt auf Schlussmann Matej Brychlec verzichten musste. „Wir arbeiten daran und versuchen, nach vorne zu kommen, doch durch die verletzungsbedingten Ausfälle können wir auch in den Einheiten zu selten im Sechs-gegen-Sechs auf dem Vorjahresniveau trainieren, was ein großes Problem ist, da wir so nicht gezielt genug arbeiten können – und das macht es umso schwerer“, erklärt Schuldes die im Durchschnitt 32,31 kassierten Gegentore, die nach dem SV Oebisfelde (33,33) und ThSV Eisenach II (33,5) der dritthöchste Wert der Liga sind: „Die größte Baustelle ist ganz klar die Abwehr, weil wir in der Deckung immer noch nicht so stabil sind, wie wir es in den letzten zwei Saisons waren und es uns in den Spielen oft noch nicht gelungen ist, kompakter im Verbund zu verteidigen.“ Deshalb beorderte der Einheit-Trainer Kreisläufer Jakub Sira und Mittelmann David Zbiral in den Innenblock, die das Hauptaugenmerk nun auf die Defensive legen – auf Kosten der Offensive, die sich während der Saison neu finden musste. „Wir können nicht über einen längeren Zeitraum in einem Stamm spielen und das merkt man einfach, auch wenn die Spieler auf dem Parkett natürlich alles versuchen“, zeigt sich Mario Schuldes dennoch zufrieden mit der Offensive, die mit durchschnittlich 30,88 Treffern immerhin auf dem sechsten Platz rangiert – auch dank des wurfstarken Kreisläufers Florian Wokan, der im Sommer nach einem Jahr beim Stadtrivalen SV 04 Oberlosa wieder zu den Füchsen zurückkehrte: „Gerade im Angriff hilft er uns sehr, ist da sehr aktiv und hat eine hohe Trefferquote – und macht viel Platz für seine Rückraumspieler.“
Die wurden im Saisonverlauf immer wieder rar und so fielen erst Petr Linhart (rechter Rückraum) sowie Petr Jahn (linker Rückraum) für einige Partien aus oder konnten nur angeschlagen spielen, bevor sich Mittelmann Joel Stegner schwer am rechten Fuß verletzte und seitdem ausfällt. „All das führte dazu, dass die Ergebnisse noch nicht so da waren“, bedauert der Übungsleiter, der sich der Schwere der Aufgabe in der Rest-Rückrunde bewusst ist: „Dass es in dieser Saison keine schwachen Mannschaften gibt, war uns klar und das zeigen auch die Ergebnisse wie das 27:27-Unentschieden von Freiberg gegen Bernburg am vergangenen Wochenende.“ Den Drittliga-Absteiger SV Anhalt Bernburg empfangen die Spitzenstädter auch am Samstag ab 17 Uhr in der heimischen Einheit-Arena – und ein gelungener Auftakt ins neue Jahr wäre sehr wichtig. „Wir haben noch 14 Spiele vor uns und wollen viele Partien gewinnen – und natürlich erfolgreich starten, um auch ein Erfolgserlebnis gegen eine gute Mannschaft zu haben, damit die Jungs möglichst schnell ein gutes Gefühl aufbauen können“, hofft Schuldes auf einen Überraschungssieg, der die Vogtländer wieder einen Schritt näher ans Minimalziel Klassenerhalt bringt: „Auf unserem zwölften Platz geht es erst einmal nur darum, Punkte zu sammeln, um aus dem Tabellenkeller rauszukommen und nach Möglichkeit noch ins Mittelfeld zu kommen, aber es wird eine ganz spannende Saison werden, nach deren Ende einige Mannschaften in der Abstiegszone stehen werden – und da wollen wir nicht dabei sein.“ Dabei helfen werden allerdings keine Neuzugänge. „Es gab keinen Spieler, bei dem es Sinn ergeben hätte und wir wollen nicht irgendetwas machen, nur dass wir etwas machen“, begründet der Einheit-Trainer: „Wir vertrauen den Jungs, dass sie die Leistung bringen können und der Aufgabe gewachsen sind.“ Dazu gehört auch, keinen Gegner zu unterschätzen. „Ich denke, jeder weiß, worum es geht und dass es immer 100 Prozent bedarf, um zu gewinnen“, ist Mario Schuldes fest überzeugt, den Ligaverbleib zu schaffen: „Für eine erfolgreichere Rest-Rückrunde braucht es mehr Konstanz und paar Prozent mehr von jedem Einzelnen, dann werden wir auch die Spiele gewinnen.“ Und vielleicht können ja schon am Samstagabend mal wieder die Fans jubeln.
Von Florian Wißgott (flow)



