Dank des überragenden Torhüters Felix Neef bejubeln die Handballer des HC Einheit Plauen am Samstag ein sensationelles 27:27-Unentschieden gegen den Tabellenzweiten SV Anhalt Bernburg. Wieso sich Trainer Mario Schuldes mit dem „Punktgewinn“ schwer tut, der bedeutet, dass die Füchse trotz des überraschenden Erfolgs weiterhin auf dem zwölften Platz in der Regionalliga Mitteldeutschland bleiben.
Es war die Partie des Torhüters Felix Neef: Erst hält der Schlussmann mit seinen Paraden die Rot-Weißen im Spiel, dann leitete der 36-Jährige die bärenstarke Aufholjagd der Plauener ein und belohnt sich sogar selbst mit einem Treffer in den verwaisten Kasten des Drittliga-Absteigers – und hatte so einen riesigen Anteil daran, dass die Spitzenstädter am Ende vor 325 Zuschauern einen ganz wichtigen Zähler für den Klassenerhalt einfahren konnten. „Felix hat das heute sehr gut gemacht, eine ganz starke Leistung gezeigt und uns damit enorm geholfen“, schwärmt Einheit-Trainer Mario Schuldes, der weiterhin auf den etatmäßigen zweiten Torhüter Matej Brychlec und auf den angeschlagenen Jan Misar verzichten musste, der zwar im Kader stand, aber nicht spielen sollte: „Von daher war es umso wichtiger, dass Felix diese Leistung gebracht hat, gerade auch viele freie Würfe parierte und auch so den Gegner verunsicherte, dass er vier Konter am Tor vorbeiwarf, weil er ein super Stellungsspiel hat.“ Dass die Vogtländer sogar den Sieg gegen den Tabellenzweiten in der eigenen Hand hatten, hatten sie ihrem Schlussmann zu verdanken, der gleich zu Beginn der Begegnung zeigte, wie entscheidend sein Torhüterspiel für den Ausgang des Aufeinandertreffens wird: Während die Füchse in der Anfangsphase mit ihrer Abschlussschwäche sowie Pech zu kämpfen hatten und beispielsweise drei Mal am Gebälk scheiterten, führten die Sachsen-Anhalter bereits nach fünf Minuten mit 3:0 – und konnten die Vorsprung bis Mitte der ersten Halbzeit sogar beim 8:3 sowie 9:4 auf fünf Tore ausbauen. „Wir haben leider zu viel liegen gelassen, obwohl wir gegen die 6:0-Abwehr gute Lösungen gefunden hatten und deshalb sind wir auch schwer in die Partie gekommen – und dann hat uns Felix ins Spiel gebracht“, so Schuldes: „Die Abwehr hat über die kompletten 60 Minuten gut gearbeitet und dass, obwohl wir die 3:2:1-Formation nur einmal trainiert hatten – und diese offensive Deckung hat es auch Bernburg schwer gemacht, zu guten Abschlüssen zu kommen.“ Wie stark die Defensive der Rot-Weißen war, zeigte sich in den nächsten sieben Zeigerumdrehungen, als den Gästen kein Tor mehr gelang und die Spitzenstädter einen 6:0-Lauf aufs Parkett legten – und beim 10:9 erstmals selbst in Führung gingen. „Wir standen in der Verteidigung richtig gut, hatten uns Ballgewinne erkämpft und kamen auch ins Tempospiel – das war super“, strahlt der Einheit-Trainer: „Die Jungs haben sowohl in der Offensive als auch Defensive um jeden Ball gekämpft und wir hatten aber auch Glück, dass der Abpraller mal bei uns gelandet ist, aber das Glück hatten wir uns auch erarbeitet.“ Das war besonders wichtig, nachdem sich Bernburgs dänischer Trainer Dan Jürgensen gezwungen sah, im eigenen Angriff den Torhüter für einen siebten Feldspieler auszuwechseln. „Wir haben das dann in der 6:0-Formation auch gut gelöst, waren sehr beweglich und haben auch mit viel Beinarbeit den starken Kreisläufer Villads Jensen zugestellt – und deshalb sind wir auch verdient mit der 15:13-Führung in die Pause gegangen“, freut sich Mario Schuldes auch über den Treffer von Neef ins verwaiste Tor des Drittliga-Absteigers zum 14:13, der fast noch die Führung zur Halbzeit auf drei Treffer ausbauen hätte können, doch der Ball landete erst nach dem Ertönen der Sirene in den gegnerischen Maschen: „Die Jungs haben viele Eins-gegen-eins-Duelle gewonnen und dass wir nur 13 Gegentore zuließen, war wirklich gut – und lag vor allem an der guten Abwehr-Torhüter-Kooperation.“ Daran knüpften die Vogtländer auch nach dem Seitenwechsel an, erhöhten durch Mittelmann David Zbiral auf 16:13 und hielten den Vorsprung bis zum 18:15 nach gut 38 Minuten – auch zur Freude der rot-weißen Anhänger. „Wenn wir auf dem Parkett kämpfen, die Zweikämpfe annehmen und Emotionen zeigen, dann springt das auch aufs Publikum über – und dann haben wir die lautstarke Unterstützung der Zuschauer, denn die Plauener sind leidenschaftlich“, bedankt sich der Übungsleiter bei den Fans: „Dann macht das auch ganz viel Spaß, Handball zu spielen und auch das hat die Jungs zusätzlich motiviert, sich durchzubeissen – und so eine super starke Mannschaftsleistung zu zeigen.“ Doch dann überschlugen sich die Geschehnisse auf dem Parkett: Erst pariert der für den Siebenmeter eingewechselte Jan Misar den Strafwurf gegen den mit zehn Toren besten Werfer Nico Richter, der vor allem die Füchse immer wieder über Rechtsaußen und in Kontern unter Druck setzte, dann begann das Torhüter-Duo einen Wechselfehler, der zur doppelten Unterzahl führte, nachdem zuvor bereits Zbiral für sein Siebenmeter-Foul eine Zeitstrafe kassierte. „Das hat uns am Ende den Sieg gekostet, aber ich kann den Jungs nichts vorwerfen“, bedauert Schuldes die Unachtsamkeit: „Es war sehr ärgerlich, denn wir waren dran, die zwei Punkte zu holen.“ Denn der Tabellenzweite konnte in der Folge zum 18:18 ausgleichen und auch wenn sich die Spitzenstädter immer wieder mit zwei Toren wie beim 20:18 Mitte des zweiten Durchgangs oder beim 24:22 in der Schlussphase absetzen konnten, gelang den Sachsen-Anhaltern der Ausgleich. „All das hat extrem viel Kraft gekostet und auch als wir in Unterzahl in der Verteidigung agieren mussten, da mussten die Jungs so unglaublich viel arbeiten – und am Ende waren dann auch deshalb die Beine sehr schwer“, erklärt der Einheit-Trainer: „Ich ziehe den Hut vor der Leistung, über 60 Minuten hat jeder alles reingehauen und wenn wir das machen, dann können wir auch so eine starke Mannschaft wie Bernburg mindestens einen Punkt abringen.“ Dass es nicht zum überraschenden wie ersehnten Heimsieg reichen sollte, lag auch an der dritten Schwächephase der Vogtländer, die in einer Überzahl zwei Bälle wegwarfen, statt sich deutlicher abzusetzen. „Es waren die einfachen Fehler in der zweiten Halbzeit, von denen wir zwei, drei zu viel gemacht hatten und beim letzten Gegentor waren wir vielleicht bisschen zu passiv gewesen, denn wir wenn ihn etwas offensiver annehmen sowie das Stoppfoul machen, dann gewinnen wir das Spiel“, fehlten Mario Schuldes ein, zwei Schritte zum gewinnen: „Nach dem Spiel war ich natürlich bisschen traurig, dass es nicht für zwei Punkte gereicht hat, weil wir auch in der Schlussphase mit zwei Toren geführt hatten, aber am Ende nehmen wir den Zähler mit – es war eine wahnsinnig starke Leistung, die belohnt wurde.“
HC Einheit Plauen: Misar, Neef (1) – Corda, Wokan (5), Krüger, Linhart (5/2), Kotesovec, Bednarík (5), Kacin (4), Jahn (5), Zbiral (2), Sira; Trainer Mario Schuldes, Co-Trainer Josef Pour und Joel Stegner, Mannschaftsverantwortlicher Bernd Grimm, Mannschaftsarzt Normann Haßler
SV Anhalt Bernburg: Hrkac, Hildenborg – Gühne (3), Jensen (7), Wardle (1), Klimaschewski, Froschauer (1), Grafenhorst (1), Rosenkranz, Steitmann (1), Herda, Richter (10/2), Zirkler, Kaaterud (1), Egsgaard (2); Trainer Dan Jürgensen, Co-Trainer Claus Luther und Felix Mohs, Mannschaftsverantwortlicher Bernd Müller, Physio Helge Geistlinger
Verwarnungen: 2 für HC Einheit Plauen, keine für SV Anhalt Bernburg
Zeitstrafen: 3 für HC Einheit Plauen, 3 für SV Anhalt Bernburg
Siebenmeter: 2 für HC Einheit Plauen, 3 für SV Anhalt Bernburg
Zuschauer: 325
Von Florian Wißgott (flow)


