Die knappe 32:34-Niederlage der Handballer des HC Einheit Plauen gegen die HSG Freiberg war nicht nur die erste Pleite gegen einen Aufsteiger in dieser Saison, sondern auch gegen einen Abstiegskandidaten der Regionalliga Mitteldeutschland. Wie schwer der Ausfall von Adam Janàsek für die weiterhin elftplatzierten Füchse wiegt, zeigte sich bereits am Samstag im Dachsbau.
Als Maurice Thiele in der letzten Minute beim Stand von 32:34 in der Abwehr einen Ball herausfängt und der ehemalige Freiberger David Machacek sich von Rechtsaußen den Wurf nimmt, hätte es der Tscheche noch einmal spannend machen können, doch HSG-Torhüter Benjamin Fernandez Urrutia machte mit seiner 17. Parade auch das letzte Fünkchen Hoffnung der zahlreich mitgereisten Einheit-Fans zunichte. „Am Ende hat auch der Kopf das Spiel zu unserem Nachteil entschieden“, bedauert Co-Trainer Josef Pour: „Wir haben zu viele freie Würfe nicht getroffen und viele technische Fehler gemacht.“ Dieses Manko zeigte sich bereits in den ersten gut acht Minuten, als die Spitzenstädter nach einem Gesichtstreffer von David Zbiral gleich im ersten Angriff reihenweise am stark haltenden Freiberger Schlussmann verzweifelten – und dieser einen 5:0-Lauf der Dachse einleitete. „Der Start war unser größtes Problem, denn nach so einem großen Rückstand noch zu gewinnen, ist gegen jede Mannschaft in der Liga extrem schwer, denn die Aufholjagd hat sehr viel Kraft gekostet“, berichtet Pour, der allerdings die kompakte 5:1-Abwehrformation der Hausherren nicht als Ursache dafür sah: „Unsere Defensive war zu schwach, nicht aggressiv genug und dann hatte es auch Torhüter Jan Misar sehr schwer, sich auszuzeichnen.“ Dazu kam, dass die Verteidigung bereits in den ersten Minuten noch zusätzlich geschwächt wurde, nachdem sich Adam Janàsek an seiner Wurfhand verletzt hatte, als er sich in der Deckung in einem Freiberger Trikot verhakte und den linken Zeigefinger auskugelte – für ihn rückte Michal Bednarik in die Defensive. Zwar fingen sich dann die Vogtländer und hielten zumindest bis zum 5:10 Mitte der ersten Halbzeit den Rückstand konstant, doch die besagte Aufholjagd startete erst mit dem eingewechselten Felix Neef, der mit seinen Paraden maßgeblichen Anteil daran hatte, dass Einheit bis zur 25. Minute beim 14:14 erstmals ausgleichen konnte. „In der Offensive waren wir nun auch deutlich effektiver und nutzten unsere Abschlussmöglichkeiten“, lobt der Co-Trainer. Nach knapp 26 konnten sogar die Füchse beim 15:14 durch Gian-Luca Corda erstmals selbst in Führung gehen – und von nun an entwickelte sich eine offene Begegnung, in der sich bis auf beim 25:23 nach 42 Minuten keine Auswahl mit mehr als einem Tor absetzen konnte. Doch nach dem 25:25 Mitte der zweiten Halbzeit erspielten sich die Bergstädter mit einem 3:0-Lauf binnen vier Minuten einen spielentscheidenden Vorsprung, den die Dachse bis zum Abpfiff verteidigten – auch weil sich die Hausherren immer wieder im Eins-gegen-Eins durchsetzten und so aus der Nahwurfzone abschlossen oder der nach seiner zweimonatigen Verletzungspause immer stärker zurückkommende HSG-Kapitän Adrian Kammlodt mit seiner Erfahrung nicht nur selbst fünf Tore erzielen konnte, sondern auch immer wieder seine Nebenleute in Szene setzte. „Man merkt, wenn Kammlodt mitspielt, dann ist die ganze Mannschaft besser“, so Josef Pour: „Er ist ein sehr guter Spieler wir haben in der Deckung zu viele individuelle Fehler gemacht.“ Dazu kam, dass aufgrund der vielen verletzungsbedingten Ausfälle nicht nur Thiele und Neef aus der zweiten Vertretung mitspielten, sondern fast jeder Akteur durchspielen musste. „Mit 32 Toren und 14 Paraden der Torhüter müssen wir eigentlich das Spiel gewinnen, aber dafür brauchen wir eine bessere Abwehr“, resümiert Pour, der mit dem HC Einheit Plauen weiter mit 10:18 Punkten auf dem elften Tabellenplatz steht: „Wir müssen weiter kämpfen, denn wenn wir in der Regionalliga Mitteldeutschland bleiben möchten, dann müssen wir solche Mannschaften wie Freiberg schlagen.“
HC Einheit Plauen: Misar, Brychlec, Neef – Corda (2), Wokan (3), Janàsek, Krüger (4), Linhart (11/4), Kotesovec, Bednarík (2), Machacek (1), Jahn (7), Zbiral (2), Thiele, Sira; Trainer Mario Schuldes, Mannschaftsverantwortlicher Bernd Grimm
HSG Freiberg: Fernandez Urrutia, Hensel – Chiriaco (3), Schreiber, Wolf, Tischendorf, Uhlemann (6), Neumann (5), Richter (7), Kammlodt (5), Gelnar (6/2), Riedel, Tieken (2), Mojzis; Trainer Uwe Lange, Co-Trainer Andreas Tietze, Mannschaftsverantwortlicher Felix Kempe, Physio Samantha Schliemann
Verwarnungen: keine für HC Einheit Plauen, 2 für HSG Freiberg
Zeitstrafen: 4 für HC Einheit Plauen, 1 für HSG Freiberg
Siebenmeter: 4 für HC Einheit Plauen, 2 für HSG Freiberg
Von Florian Wißgott (flow)


