Wieder einmal war die Schlussphase der Handballer des HC Einheit Plauen an Dramatik kaum zu überbieten, doch am Samstagabend konnten die Füchse einen enorm wichtigen 28:27-Erfolg bei der SG Pirna/Heidenau bejubeln. Wie den Rot-Weißen der 9:0-Siegeslauf gegen den Tabellenvierten der Regionalliga Mitteldeutschland gelang.
Als Einheits Trainer Mario Schuldes zwölf Sekunden vor dem Abpfiff beim Stand von 28:27 für die Spitzenstädter die dritte und damit letzte Auszeit nahm, da war der so wichtige Sieg bei der SG Pirna/Heidenau zum Greifen nahe: Führung, eigener Ballbesitz und die Zeit, die für die Vogtländer lief. „Es ist ganz normal, wenn jemand frei am Kreis ist, dass der sich dann auch den Wurf nimmt, aber wir müssen den Ball nur reinmachen – dann ist alles entschieden“, so Schuldes, der damit David Zbiral gleichzeitig in Schutz und aber auch in die Pflicht nimmt, der sich den letzten Abschluss nahm – und an den Pfosten setzte: „Aber uns war eigentlich in der Auszeit klar, wenn wir den Ball zuvor noch paar Mal spielen können, dass es ausreicht, um einfach die Punkte zu holen und das haben wir am Ende auch geschafft.“ Doch bis dahin mussten auch die zahlreich mitgereisten Einheit-Fans nochmal richtig zittern, denn sofort nach dem Pfostentreffer nahmen die Eisenbahner ihre letzte Auszeit und hatten noch drei Sekunden, um den Ausgleich zu erzielen. „Es wurde dann zwar nochmal bisschen hektisch, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es so gefährlich wird, dass wir vielleicht doch noch den Zähler abgeben – aber natürlich könnten wir das noch ein bisschen besser spielen“, gesteht der Übungsleiter: „Wir wussten, dass wir Pirnas weiten Pass verhindern müssen und dann war uns klar, das sie in drei Sekunden den Ball nicht weit genug nach vorne bekommen und nur von der Mittellinie werfen können – und dann war der Abschluss kein Problem für Felix.“
So hielt der wieder glänzend aufgelegte Torhüter Neef den Erfolg fest und belohnte die Füchse für eine starke Leistung, die bereits in der ersten Halbzeit mit einem ausgeglichenen Beginn zeigten, dass beim Tabellenvierten ein doppelter Punktgewinn möglich ist. „Im Angriff haben die Jungs das über weite Strecken wirklich so gelöst, wie wir uns das vorgenommen hatten und haben auch konsequent abgeschlossen“, zeigt sich Mario Schuldes mit dem 8:8 nach 20 Minuten zufrieden: „Man hat gemerkt, dass Pirna gewisse taktische Sachen vorbereitet hatte, die auch teilweise geklappt haben, indem sie Lino mit einer relativ offensiven Abwehr auf der Halben ganz gut aus dem Spiel genommen haben – aber das hat dann beispielsweise Pedro immer wieder genutzt.“ Doch dann häuften sich bei den Rot-Weißen in der Offensive die technischen Fehler, die die konterstarken Eisenbahner zu Tempogegenstößen einluden und sich so die Hausherren bis zum 14:10 nach knapp 29 Minuten mit vier Toren absetzen konnten – auch weil die Elbstädter ihre Defensive auf eine sehr offensive 5+1-Formation umgestellt hatten. „Da haben wir unseren Spielverlust ein bisschen verloren, weil wir dann zu oft in Einzelaktionen gegangen sind und hatten dann den einen oder anderen Ballverlust gehabt“, ärgert sich der Einheit-Trainer über insgesamt acht technische Fehler im ersten Durchgang: „Wir haben bis zur Pause nur elf Treffer erzielt, weil wir zu viele technische Fehler gemacht haben und das hat uns sehr wehgetan – auch wenn wir die Großchancen zum größten Teil genutzt haben.“ Auch nach dem Seitenwechsel blieb der Rückstand der Spitzenstädter zwar bis zum 16:19 nach knapp 39 Minuten konstant bei drei Toren, die Vogtländer bleiben aber dadurch in Schlagdistanz. „In den letzten Partien haben wir eigentlich gegen Pirna ganz gut gespielt, deshalb haben wir schon gehofft, dass wir ein gutes Spiel machen und wussten, wenn uns das gelingt, dann haben wir auch die Chance, da etwas zu holen“, verrät Schuldes: „Allerdings hatte dann unsere offensive Deckung nicht mehr so gut geklappt und dann hatten wir auch bisschen Glück, was man braucht, um so ein Spiel zu gewinnen.“ Denn als die Elbstädter gegen die teilweise über die Mittellinie verteidigenden Füchse immer bessere Lösungen fanden, stellte der Plauener Übungsleiter auf eine defensivere 6:0-Formation um und das sollte der Wendepunkt im Duell werden. „Die Jungs haben das wirklich stark gemacht und Felix hat richtig gut gehalten, freie Würfe weggenommen sowie mit seinem guten Stellungsspiel es den Pirnaern schwer gemacht, zum Torerfolg zu kommen“, lobt Mario Schuldes: „Im Angriff haben wir eiskalt abgeschlossen, haben die Überzahlsituationen gut genutzt und dann war die Begegnung zwar noch nicht entschieden, aber es war vielleicht die entscheidende Phase für uns.“ Es war vor allem ein überragender und im Handball äußerst seltener 9:0-Lauf der Rot-Weißen, die in den nächsten 13 Zeigerumdrehungen nicht nur selbst neun Treffer erzielten, sondern auch kein einziges Gegentor zuließen – der Lohn war die 25:19-Führung nach knapp 52 Minuten. „Egal in welcher Abwehrformation wir standen, egal was die Pirnaer gemacht haben, egal wie der Spielstand war, die Jungs haben richtig gekämpft, sind als Team aufgetreten und haben sich dafür belohnt“, sieht der Einheit-Trainer die Einstellung der Mannschaft als Schlüssel zum Erfolg: „Die Emotionen von der Bank waren da, von den Spielern selber, die auf der Platte standen und dann sind wir auch erfolgreich – und das ist das, was die Mannschaft gerade wirklich super macht.“ Dennoch sollte es nochmal richtig spannend im Lokschuppen werden, denn in der Schlussphase hatten die Eisenbahner angefeuert vom heimischen Publikum nun paar Kohlen mehr zu verfeuern und ließen sich trotz eines 24:28-Rückstandes nach über 57 Minuten nicht den Druck aus dem Kessel nahmen. „Pirna ist eine gute Mannschaft, sie haben gut gewechselt und wir kassierten dann paar sehr schnelle, einfache Tore aus der zweiten Welle“, erklärt Schuldes den 3:0-Lauf zum 27:28 der Hausherren: „Wir haben vorne leider dann wieder ein paar technische Fehler gemacht und noch zweimal den Pfosten sowie die Latte getroffen und das hat sich dann gerecht.“ Zwar kamen die Spitzenstädter so nochmal ins Wanken, fielen aber nicht. „Wir haben ein vernünftiges Spiel gemacht und hatten dann auch ein bisschen Glück, dass wir es so gut verteidigt haben, um es über die Zeit zu bekommen – und gegen Pirna 28 Tore zu machen, ist gut“, ist der Übungsleiter froh: „Wir wussten, dass in der Liga jeder gegen jeden gewinnen kann, was auch die Ergebnisse am Wochenende wieder zeigen und deshalb müssen wir auch Punkte gegen Mannschaften holen, die weiter oben stehen – und gegen den Tabellenvierten zu gewinnen, ist schon stark.“ Denn mit nun 15:27 Zählern klettern die Vogtländer auf den elften Rang, der gleichzeitig das rettende Ufer bedeutet. „Ich hatte den Jungs vor dem Duell nochmal gesagt, dass wir jede Partie so angehen wollen, als wäre es das entscheidende Spiel und dass wir die letzten zehn Begegnungen eben so spielen wollen, um so viele Punkte zu holen, wie möglich“, freut sich Mario Schuldes: „Das war das erste Endspiel, das haben wir gewonnen und nächste Woche kommt wieder ein extrem wichtiges Aufeinandertreffen.“
HC Einheit Plauen: Misar, Brychlec, Neef – Corda, Wokan (6), Janàsek, Krüger (1), Linhart (5/4), Kotesovec, Bednarík (3), Machacek (2), Kacin (6), Jahn (4), Zbiral (1), Stegner, Sira; Trainer Mario Schuldes, Co-Trainer Josef Pour, Mannschaftsverantwortlicher Bernd Grimm
SG Pirna/Heidenau: Ihl, Willkommen – Möbius, Radny (4), Talevski (2), Punte (3), Tempel (1), Brucker (2), Schneider, Zinke (2), Wilga (2), Jacob, Milenkovic (6), Kucharik (5/1); Trainer Dusan Milicevic, Co-Trainer Srdan Gavrilovic und Robert Kurz, Mannschaftsverantwortlicher Jochen Müller, Physio Christoph Winkler
Verwarnungen: keine für HC Einheit Plauen, 3 für SG Pirna/Heidenau
Zeitstrafen: 4 für HC Einheit Plauen, 3 für SG Pirna/Heidenau
Siebenmeter: 4 für HC Einheit Plauen, 1 für SG Pirna/Heidenau
Von Florian Wißgott (flow)


