Erstmals haben die Handballer des HC Einheit Plauen beim HSV Bad Blankenburg etwas Zählbares einfahren und konnten so die Niederlagenserie von fünf verlorenen Spielen in Folge in der Regionalliga Mitteldeutschland stoppen. Wie den Füchsen der 30:26-Sieg gelungen ist.
Trotz großer Personalsorgen mit sieben angeschlagenen beziehungsweise verletzten Spielern, dem kompletten Ausfall beider Linkshänder für den rechten Rückraum und einer roten Karte kurz vor der Pause sowie einer schweren Verletzung in der Mitte der zweiten Halbzeit konnten die Rot-Weißen am Sonntag mit den mitgereisten Fans ein besonderes Erfolgserlebnis bejubeln. „Der Sieg war extrem wichtig, nicht nur wegen der zwei Punkte, die wir geholt haben, sondern auch für den Kopf, denn hier haben absolut verdient gewonnen“, ist Einheit-Trainer Mario Schuldes sichtlich erleichtert: „Unerwartet insofern, dass die Vorzeichen überhaupt nicht gut standen, aber wie die Jungs das dann über die 60 Minuten gelöst haben, war eine ganz große Leistung.“ Den Grundstein dafür legten die Spitzenstädter bereits in den ersten neun Zeigerumdrehungen, als die Vogtländer mit 4:0 führten. „Die Abwehr hat sehr gut gearbeitet, sich dadurch Ballgewinne erkämpft und im Angriff haben wir den Ball gut laufen lassen, uns so gute Wurfsituationen erspielt sowie dann auch konsequent abgeschlossen“, freut sich Schuldes über den sehr konzentrierten Start: „Die Jungs haben das richtig gut gemacht, den Bad Blankenburgern nur schwierige Würfe zugelassen und von diesem Vorsprung zehrten wir bis in die Schlussphase.“ Denn Mitte des ersten Durchgangs konnten die Füchse die Führung beim Stand von 11:5 und 12:6 sogar auf sechs Tore ausbauen. „Egal wer auf dem Parkett steht, wir haben genug Qualität, wenn wir ein gutes Spiel machen und jeder seinen Job macht – und durch den guten Start haben die Jungs das natürlich noch bisschen mehr gespürt sowie daran geglaubt“, berichtet der Übungsleiter: „Der Hauptgrund war, dass wir sowohl in der Defensive als auch Offensive konsequent das umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen hatten.“ Die Thüringer stellten dann zwar um und fanden auch Lösungen, doch die Rot-Weißen agierten im Positionsangriff weiter unbeeindruckt – und spielten die Angriffe über den Kreis, aber vor allem über die beiden überragenden Außen Gian-Luca Corda (10) sowie David Machacek (6) erfolgreich bis zum Torabschluss. „Auch unser Überzahlspiel war gut und dadurch konnten wir uns absetzen, machen dann aber wieder den ein oder anderen einfachen Fehler, weshalb Bad Blankenburg mit Tempotoren wieder rankommen konnte“, erklärt Mario Schuldes die kleine Schwächephase bis zur Halbzeit: „Wenn wir noch konzentrierter agiert hätten, dann hätten wir uns noch deutlich absetzen können.“ Dazu kam, dass Jakub Sira nach knapp 29 Minuten die rote Karte gesehen hatte, nachdem er in der Verteidigung hoch sprang und seinen Gegenspieler unbeabsichtigt mit dem Ellenbogen im Gesicht traf. „Das war eine weitere deutliche Schwächung“, kommentiert der Einheit-Trainer die für ihn unberechtigte Disqualifikation. „Wir waren aber voll im Spiel, haben gut agiert und wollten auch nach der Pause vor allem in der Deckung mit Vaclav so aktiv bleiben“, lobt Schuldes den für Sira eingewechselten Kotesovec und das gegenseitige Aushelfen sowie die damit einhergehende Unterbrechung des Spielflusses der Thüringer – dank einiger Stoppfouls und des ballorientiertem Zuschiebens, das die Porzellanstädter immer wieder zwang, das harzige Leder weiterzuspielen: „Wir haben unsere sehr gut herausgespielten Chancen auch sehr gut genutzt, weil wir nicht auf den Halbpositionen abgebrochen und trotz schwer werdender Beine alles reingehauen haben, wodurch wir das Spiel gut kontrollierten.“ Zwar kamen die Spitzenstädter aufgrund der schwindenden Kräfte kaum noch ins Tempospiel, konnten aber bis in die Schlussphase den Vorsprung immer bei mindestens zwei Toren halten – erst in der 53. Minute kamen die Lavendelstädter nach einem 3:0-Lauf binnen drei Zeigerumdrehungen beim 25:25 zum erstmaligen Ausgleich. „Joel hatte sich zuvor schwer am Fuß verletzt, musste ins Krankenhaus und das hat den Jungs zugesetzt“, musste ab Mitte der zweiten Halbzeit der Übungsleiter auch noch auf Mittelmann Stegner verzichten: „Wir hatten dann eigentlich gar keine Optionen mehr, David musste Abwehr und Angriff spielen.“ Doch nicht nur Zbiral hatte dann keine Pausen mehr, auch die restlichen einsatzfähigen Vogtländer mussten nun durchspielen, was zu einigen technischen Fehlern und einer Auszeit führte. „Danach konnten wir wieder die Abwehr kompakt halten, im Angriff bei den Bad Blankenburgern einige Zeitstrafen erzwingen und das war schon der Schlüssel zum Sieg, weil wir so in der Offensive viel in Überzahl waren, wodurch wir zu freien Würfen kamen“, gesteht Mario Schuldes, der die rote Karte (55.) an Bad Blankenburgs Quentin Graefe nach einem Foul an Zbiral nicht gegeben hätte: „Sicherlich haben uns auch die Zeitstrafen in die Karten gespielt, aber die Jungs haben es gut gemacht und die Schwachstellen angegriffen.“ So ließen die Füchse bis zum Abpfiff nur noch ein Tor der Hausherren zu, während sie selbst noch fünf Mal in den gegnerischen Maschen einnetzten – und damit auch das so wichtige Torhüterduell gewannen. „Hanso hatte 17 Paraden, auch in Unterzahl gut gehalten und genau das war der Rückhalt, den wir brauchten, um so ein Auswärtsspiel zu gewinnen“, erhält der angeschlagene Schlussmann Misar ein Extralob: „Ich kann vor der Mannschaft nur den Hut ziehen, wir hatten eine sehr hohe Wurfeffektivität und in der entscheidenden Phase auch endlich mal das Quäntchen Glück, das es gebracht hat, denn die Jungs haben sich die zwei Punkte hart erarbeitet.“
HC Einheit Plauen: Misar, Brychlec, Neef – Corda (10), Wokan (3), Janàsek, Krüger (2), Linhart, Kotesovec, Machacek (6), Kacin, Jahn (8/4), Zbiral (1), Stegner, Sira; Trainer Mario Schuldes, Co-Trainer Josef Pour, Mannschaftsverantwortlicher Bernd Grimm
HSV Bad Blankenburg: Scherer (1), Bogatzki (1), Kyvala (1), Remke (5), Vaicekauskas, Graefe (2), Doskar, Scherer (4), Ustymenko, Jonas (1), Konárik (3), Hermanovsky, Standhardt, Geci, Uhrinak (8/3), Lutz; Trainer Petr Hazl, Co-Trainer Ivo Havel und Vaclav Kovar, Mannschaftsverantwortlicher Martin Hanl, Physio Tomás Zeman
Verwarnungen: 2 für HC Einheit Plauen, 1 für HSV Bad Blankenburg
Zeitstrafen: 5 für HC Einheit Plauen, 7 für HSV Bad Blankenburg
Siebenmeter: 5 für HC Einheit Plauen, 3 für HSV Bad Blankenburg
Disqualifikation: 1 für HC Einheit Plauen (ohne Bericht), 1 für HSV Bad Blankenburg (ohne Bericht)
Von Florian Wißgott (flow)


