Zwei Jahre lang trug Juan Castro Alvarez das Trikot der Kadetten Schaffhausen. Einen Supercup-Titel, einen Erfolg im Mobiliar Handball Cup und eine Meisterschaft konnte er in dieser Zeit feiern. Nun zieht es den Spielmacher zurück zu seinem Heimatverein Ademar Leon nach Spanien, bei dem sein Bruder in der Organisation arbeitet.
Im Interview spricht der 35-Jährige über grosse Erfolge, Enttäuschungen und seine emotionale Rückkehr zu jenem Verein, bei dem er gross wurde und Legendenstatus besitzt. Ausserdem spricht der Spanier über seinen Erfolgshunger, künftige Ziele und was er den Kadetten zutraut.
Juan, wie geht es dir? Konntet ihr euch schon in Leon einrichten?
Die letzten Wochen mit viel Umzugsstress waren schon sehr anstrengend und es gab viel Arbeit. Aber nun ist alles erledigt und wir können es etwas geniessen.
Wie gross war deine Enttäuschung über das Saisonende mit den Kadetten – einer 0:3 verlorenen Playoff-Finalserie?
Für mich hat die Enttäuschung zwei Seiten. Die erste ist, dass es sehr hart war, den Final auf diese Weise zu verlieren. Es war einfach zu leicht für Kriens. Wenn wir ehrlich sind, hatten wir keine Chance. Für mich persönlich kommt die Enttäuschung dazu, dass ich dem Team gerne mehr geholfen hätte. In den direkten Duellen zuvor konnte ich gegen Kriens immer gut performen. Sie haben ein gutes Team und ich hatte immer Spass daran, gegen sie zu spielen. Das hätte ich auch in den letzten Duellen gerne wieder getan.
Was ist deine Erklärung dafür, dass ihr nach zwei Erfolgen in der regulären Saison gegen Kriens und sieben Punkten Vorsprung in der Abschlusstabelle so deutlich den Kürzeren zogt?
Der Gegner hatte eine grosse Motivation und gute Energie, ein starkes Momentum auf seiner Seite. Dazu eine klare Idee, wie sie gegen uns spielen wollten. Kriens hat einen guten Job gemacht, wir konnten leider in allen Bereichen nicht unsere beste Leistung zeigen.
Dennoch gab es viele gemeinsame Erfolge. Was waren deine persönlichen Highlights in den zwei Spielzeiten im orangen Trikot?
Titel zu gewinnen ist immer schön. In dieser Hinsicht waren die letzten zwei Jahre okay bis gut. Der Meistertitel in der letzten Saison war sehr besonders, auch der Cup-Sieg kurz nach Weihnachten. In Europa hätten wir gerne noch mehr magische Abende zusammen mit unseren Fans zelebriert – leider ist uns der Einzug in die K.o.-Spiele nicht gelungen. Es wäre vielleicht insgesamt etwas mehr drin gewesen. Wir hatten ein sehr gutes Team. Meine Einstellung und Mentalität sind so, dass ich immer alles erreichen möchte und nie genug habe.
Gibt es etwas Besonderes, was du aus deiner Zeit in Schaffhausen mitnehmen wirst?
Die sportlichen Erfolge sind immer wichtig. Das ist meine Profession. Aber darüber hinaus gab es noch so viel mehr. Für mich sind immer die Menschen das Wichtigste. Hier hatte ich das Glück, viele für mich sehr wichtige Personen im Team und Club kennenlernen zu dürfen. Auch für meine Familie war die Zeit hier in Schaffhausen sehr wichtig und wertvoll. Wir konnten die Zeit sehr geniessen, eine andere Kultur kennenlernen und neue Erfahrungen machen. Ich werde viele gute Menschen weiter im Herzen tragen.
Nun kehrst du zurück in deine Heimatstadt Leon, zu deinem Heimatclub Ademar. Du hattest dort zwar schon ein paar Comebacks. Ist es nun, mit 35, dennoch noch einmal etwas ganz Spezielles? Du giltst als Legende bei Ademar Leon und erhieltst beim Spiel der Kadetten in Leon den mit Abstand lautesten Applaus von allen Spielern – lauter als für die aktuellen Ademar-Spieler.
Man weiss nie, was die Zukunft bringt. Es könnte aber sein, dass es mein letzter Vertrag als Handball-Profi ist. Mein letztes Comeback liegt nun schon 16, 17 Jahre zurück. Auch wenn es meine vierte Rückkehr sein wird, ich denke schon, dass diese nun eine ganz besondere ist. Ich bin glücklich, zurück zu sein und viele gute Freunde wiederzusehen. Ich würde über mich selbst nicht sagen, eine Legende zu sein, aber wenn andere es so empfinden, freut mich das natürlich. Ich fühle die Liebe der Fans, werde in den Strassen oft angesprochen und spüre dabei die Freude bei den Menschen über meine Rückkehr.
Welche Ziele hast du die für die Zukunft gesetzt?
Den Handball zu geniessen, alle Schritte bewusst zu geniessen. Ich bin bereit und motiviert, mit Ademar Leon in einer starken Liga um die Rückkehr auf die internationale Bühne zu kämpfen. Dabei möchte ich dem Club helfen. Selbst möchte ich hierbei immer im Moment bleiben, nicht an die Zukunft oder andere Dinge denken. Sondern alles bewusst wahrnehmen und aufsaugen.
Zurück zu den Kadetten. Traust du ihnen in der nächsten Saison den Sprung nach ganz oben wieder zu?
Ich hoffe es. Ich wünsche meinen ehemaligen Mitspielern und dem Club das Allerbeste. Allerdings wird es ein harter Kampf mit Kriens werden. Die Kadetten sind jedoch der Club mit einer grossen Historie, dem Wissen und den Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Es war mir eine Ehre und ein Vergnügen, in den letzten zwei Jahren das Trikot dieses grossen Vereins tragen zu dürfen. Das war wichtig für mich, aber auch meine Familie hat sich hier immer sehr wohl gefühlt. Es war eine Freude, mit vielen guten Spielern in einer tollen Arena anzutreten. Ich habe diese zwei Jahre sehr genossen und möchte einfach nur danke sagen. Danke für alles. Das ist mir wichtig.




