Als Petr Jahn im Sommer 2022 zum HC Einheit Plauen in die fünftklassige Sachsenliga gewechselt ist, galt der Tscheche als junger Spieler mit großem Talent, der die Füchse nur als Sprungbrett in seiner sportlichen Entwicklung sieht – doch auch am Samstag will der Halblinke mit den Rot-Weißen im Heimspiel ab 17 Uhr das unmögliche möglich machen und den Tabellenführer NHV Concordia Delitzsch besiegen. Wieso der 25-Jährige seit dieser Saison sogar in Plauen lebt und dennoch der Traum von der Dritten Liga lebt.
Obwohl Petr Jahn mit aktuell 121 Treffern aus den bisher 26 absolvierten Saisonspielen der beste Werfer der Spitzenstädter ist, steht der Tscheche nur auf Platz 23 der Torschützenliste der Regionalliga Mitteldeutschland. „Ehrlich gesagt habe ich darüber bisher nicht groß nachgedacht, aber ich war nie der typische Torjäger“, gesteht der 25-Jährige, der erst Fußball gespielt hatte, bevor er über seinen Vater und Bruder zum Handball kam: „Wichtiger ist für mich, dass die Mannschaft erfolgreich ist und die Tore sind dann eher ein schöner Bonus.“ Auch, weil der Halblinke nicht der klassische Rückraumwerfer ist, sondern lieber ins Eins-gegen-Eins geht. „Ich bin nicht der größte Spieler und weil ich ursprünglich auf Rückraum Mitte gespielt habe, liegt mir das Eins-gegen-Eins mehr – und deshalb habe ich mich auch immer über einen schönen Assist gefreut“, erklärt Jahn, der vor dem Spiel gern Musik über Kopfhörer hört und sich so seine eigene kleine Blase zur mentalen Vorbereitung schafft: „Gleichzeitig arbeite ich aber immer weiter daran, auch meinen Wurf aus der Distanz zu verbessern, aber ich denke, dass es vor allem wichtig ist, eine gewisse Konstanz in den Leistungen zu haben.“ Dabei hilft dem Tschechen, dass er der wahrscheinlich der fitteste Einheit-Spieler ist. „Ich arbeite ständig an mir, halte mich fit und mache im Bereich der körperlichen Fitness sogar noch extra etwas dazu“, weiß der 25-Jährige, dass ihm diese Fitness auch in seinem Spiel hilft, mehr Minuten auf dem gleichen Niveau und mit hoher Intensität spielen zu können: „Ich versuche, möglichst vielseitig zu spielen und nicht nur in einer Sache berechenbar zu sein, um der Mannschaft in möglichst vielen Spielsituationen zu helfen.“
Selbst eine längere Verletzung am Sprunggelenk hinderte den Tschechen nicht daran, der in jeder Partie trotzdem zum Einsatz kam und nur im Heimspiel gegen den USV Halle kein Tor erziele konnte. „Das war für mich ziemlich unangenehm, weil es mich lange beschäftigt hat und es mein Absprungbein ist, weshalb ich längere Zeit weder richtig springen noch laufen konnte“, beschreibt Petr Jahn die schwierige Situation, dessen Vorbilder sein Bruder und der Welthandballer Mathias Gidsel sind: „Außerdem habe ich über einen langen Zeitraum mit Schmerzmitteln gespielt.“ Doch mittlerweile spielt die Verletzung keine Rolle mehr. „Das hat sich inzwischen ganz gut eingependelt, auch wenn ich ab und zu es noch spüre, aber nicht so stark, dass es mich wirklich deutlich einschränkt“, erzählt der 25-Jährige, dem am Handball begeistert, dass sich dieser Sport ständig weiterentwickelt: „Es wird immer schneller, auf dem Spielfeld passiert ständig etwas und keine Situation ist wie die andere – man muss sich immer wieder anpassen.“ Das musste sich auch der Tscheche an die neue sportliche Situation, der nach der letztjährigen so erfolgreichen Saison seinen Vertrag gleich um zwei Jahre verlängert hatte. „Das lag vor allem daran, dass ich mein Studium abgeschlossen hatte und das Leben außerhalb der Tschechischen Republik ausprobieren wollte“, verrät Jahn, der Sport und Sportwissenschaft im Bachelor sowie Sport und Gesundheit im Master studiert hat: „Ich habe mich hier wohlgefühlt und gleichzeitig die Möglichkeit bekommen, auch hierher zuziehen, deshalb habe ich das als den nächsten Schritt in meiner Karriere gesehen, den ich gehen wollte.“ Obwohl sich die Spitzenstädter in dieser Spielzeit im Abstiegskampf befinden, bereut der Tscheche nicht diesen Schritt. „Ich würde nicht direkt von einer Enttäuschung sprechen, eher hatte ich mir von dieser Saison etwas anderes erwartet, denn letztes Jahr sind wir Vierter geworden und in dieser Saison hatten wir viele verletzte Spieler, was unsere Wechselmöglichkeiten deutlich erschwert hat“, gibt der 25-Jährige zu, der seit dieser Saison in Plauen wohnt und im Injoy-Fitnessstudio in Syrau arbeitet: „Ich denke, dass ich mich spielerisch weiterentwickelt habe und dabei hat mir sehr geholfen, dass ich hier viel Spielzeit bekommen habe, denn genau das kann man durch Training nicht ersetzen – und dadurch habe ich mehr Selbstvertrauen gewonnen, was mich spielerisch auf jeden Fall weitergebracht hat.“ Lebt also noch der Traum, Profihandballer zu werden? „Auf jeden Fall, ich möchte mich immer noch weiter nach oben arbeiten und mal sehen, wie es weitergeht“, sagt Petr Jahn, dessen Schwäche ist, dass er manchmal noch zu überhastet agiert sowie seine Stärken die Schnelligkeit und das Eins-gegen-Eins sind: „Ich möchte mich auf jeden Fall weiter verbessern, mich im Bereich Sport ständig weiterbilden und wenn auch das nötige Quäntchen Glück dazukommt, würde ich gern irgendwann auch eine höhere Liga spielen.“ Das möchte auch mit dem Tabellenführer NHV Concordia Delitzsch der nächste Gegner der Vogtländer, die mit einem Sieg den Aufstieg in die dritte Liga bejubeln würden – um nicht der Gastgeber der Meisterschaftsfeier zu werden und selbst mit einem Erfolg in der Einheit-Arena mit den Fans den Klassenerhalt in der Regionalliga Mitteldeutschland feiern zu können, brauchen die Füchse am Samstag ab 17 Uhr auch wieder einen treffsicheren Petr Jahn.
Von Florian Wißgott (flow)



