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Einheit verliert erstes Heimspiel seit fast einem Jahr

Nach über elf Monaten mussten sich die Handballer des HC Einheit Plauen mal wieder zu Hause in der Regionalliga Mitteldeutschland geschlagen geben. Was am Samstag zur 27:33-Niederlage gegen die HG 85 Köthen führte und wieso Josef Pour sein Comeback gab.

Als Adam Janàsek in der 35. Minute beim Stand von 16:17 in der Abwehr den Ball gewann und zum gestarteten Jan Kacin passte, hatte der Linksaußen die Möglichkeit zum erstmaligen Ausgleich – doch Kacins völlig unbedrängter Abschluss ging über das Tor. „Wir verwerfen einen Konter, bekommen in der Defensive wenig später zwei dumme Zwei-Minuten-Strafen, die wir vermeiden müssen und deshalb waren es unsere eigenen Fehler, die uns um den Erfolg brachten – auch weil wir nicht clever agierten“, beschreibt Einheit-Trainer Mario Schuldes die spielentscheidende Phase: „Wir hatten es selber in der Hand.“ Denn zuvor erkämpfte sich erst Florian Wokan in der Deckung den Ball und Petr Jahn vollendete erfolgreich zum 15:17, bevor sich der nach 372 Tagen wieder im Tor stehende Josef „Pepe“ Pour mit einer Parade auszeichnete – und Joel Stegner den Anschlusstreffer bejubelte. „Wir kamen gut aus der Kabine, haben die Chance auf das Unentschieden und dann ist das Spiel sehr fahrig sowie hektisch geworden“, ärgert sich Schuldes erst über die Hinausstellung von Jakub Sira sowie nur 38 Sekunden später von Pour. Der Schlussmann kam zwar nach einem misslungenen Rückpass an der Seitenlinie im Bereich der Wechselzone eher an den Ball und vermied dadurch den Köthener Konter, doch bei seiner Rettungsaktion prallte der Tscheche mit seinem Gegenspieler zusammen. So waren die Füchse zum deutlich hörbaren Missfallen der 180 Zuschauer auf den Rängen die nächsten fast eineinhalb Minuten in doppelter Unterzahl, die Sachsen-Anhalter nutzten diese Überlegenheit mit einem 5:0-Lauf zum 22:16 gnadenlos aus und entscheiden bereits nach gut 37 Minuten die Begegnung zu ihren Gunsten.

„Wir können nicht irgendwas außerhalb der Mannschaft beeinflussen, deshalb müssen wir auf uns schauen und das war wieder nicht gut“, kritisiert der Übungsleiter: „Wir haben im ganzen Spiel allein im Angriff 30 Fehler gemacht und wenn man aber nur 27 Tore wirft, dann ist das zu schlecht.“ Diese Defizite zeigten sich bereits im ersten Durchgang, in den die Rot-Weißen nicht gut starteten und nach knapp zwei Minuten mit 0:2 zurücklagen. „In der Verteidigung haben wir wie schon in den beiden ersten Partien wieder nicht den Zugriff bekommen, da standen wir zu passiv und nach einer Umstellung sah das zwar bisschen besser aus, aber 15 Gegentore sind dennoch zu viele“, berichtet Mario Schuldes: „Wir hatten gute Phasen, aber uns fehlte die Konstanz und wir lösen es gerade in der Defensive immer noch nicht gut genug.“ Zwar stabilisierten sich die Spitzenstädter und hielten bis zum 7:9 nach 15 Minuten den Rückstand bei maximal drei Toren, doch in den nächsten über sieben Zeigerumdrehungen gelang den Hausherren kein weiterer Treffer – und da auch Torhüter Matèj Brychlec keine Hand an den Ball bekam, leuchtete ein 7:12 von der Anzeigetafel. „Im Angriff lösen wir es ganz gut, Joel macht es auf der Mitte gut, aber wir lassen fünf freie Abschlüsse liegen und werfen wieder zwei Konter weg, was zu viele eigene Fehler sind“, ist der Einheit-Trainer enttäuscht: „Köthen stellte weder eine super Deckung uns entgegen noch einen überragenden Torhüter, es war einfach schlecht von uns.“ Dass mit dem langzeitverletzten Abwehrchef Lukas Horky, Torhüter Jan Misar (Leistenprobleme), dem Halbrechten Petr Linhart (Wadenprobleme) und Linksaußen Gian-Luca Corda (Grippe) sowie ab Mitte der zweiten Halbzeit mit Janàsek (rote Karte nach einem Gesichtstreffer bei einer Abwehraktion) und Sira (rote Karte nach drei Hinausstellungen) wichtige Spieler fehlten, wollte Schuldes nicht als Erklärung für den schwachen Auftritt gelten lassen. „Die Jungs, die auf dem Parkett stehen, sind gut und wir haben die Qualität, die wir leider aktuell nicht abrufen können, was mein Job ist“, macht sich der Übungsleiter einige Gedanken: „Es funktionieren gewisse Automatismen noch nicht so, wie in der letzten Saison.“ Das offenbarten vor allem Köthens Yasin Noah Jaidi mit zwölf Toren aus dem rechten Rückraum und Benet Fenyö mit drei Treffern, der als Mittelmann geschickt die Offensivbemühungen der Sachsen-Anhalter steuerte. „Uns war klar, dass die beiden Akteure das Spiel machen, ins Eins-gegen-Eins gehen und das Zentrum angreifen, womit wir mit unseren etwas langsameren Kreisläufern Probleme bekommen“, analysiert Mario Schuldes: „Aber wir lösen es auch in der Kooperation nicht gut, weil wir entweder einen Schritt zu spät waren oder keinen richtigen Kontakt auf den Ballführenden hatten.“ Das führte dann dazu, dass Köthen einen sauberen Pass spielen konnte und da auch die Außenspieler nicht die Zuspiele unterbinden konnten, kamen die Bachstädter zu vielen freien Würfen.

„Köthen hatte zu viele Durchbrüche und spielte die schwierigen Pässe auch gut nach Außen, aber wir müssen es besser verteidigen, damit wir es unseren Torhütern auch nicht so schwer machen“, so der Einheit-Trainer, der nur acht Paraden der Schlussmänner zählte, aber viele Abschlüsse aus der Nahwurfzone oder ohne Kontakt aus dem Rückraum: „Wir haben verdient verloren.“ Die 27:33-Niederlage beendete auch die Serie von elf ungeschlagenen Partien in der Einheit-Arena und so verließen die Vogtländer nach über elf Monaten erstmals wieder als Verlierer das heimische Parkett. „Wir hatten keinen guten Start in die Saison, der besonders ärgerlich ist, weil wir nicht gut spielen“, kommentiert Schuldes die 2:4 Punkte und den elften Tabellenplatz: „Wir müssen im Training intensiv an den Defiziten arbeiten und vielleicht auch bisschen härter sein, denn nur so kann es besser werden.“

HC Einheit Plauen: Pour, Brychlec – Thiele, Wokan (3), Janàsek, Krüger (3), Linhart, Kotesovec (3), Bednarík (3), Machacek (1), Kacin (5), Jahn (3), Zbiral, Stegner (6), Sira; Trainer Mario Schuldes, Mannschaftsverantwortlicher Bernd Grimm, Physio Antonia Weller

HG 85 Köthen: Krug (4), Gmirek (1), Hensen, Kanzler, Serfas, Just (8/1), Milkow (2), Jaidi (12/3), Fenyö (3), Kuhl, Brodowski (3); Trainer Martin Lux, Mannschaftsverantwortlicher Rene Nowak

Verwarnungen: 1 für HC Einheit Plauen, keine für HG 85 Köthen

Zeitstrafen: 5 für HC Einheit Plauen, 2 für HG 85 Köthen

Siebenmeter: keinen für HC Einheit Plauen, 5 für HG 85 Köthen

Disqualifikationen: 2 für HC Einheit Plauen (ohne Bericht)

Zuschauer: 180

Von Florian Wißgott (flow)

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