Ratlose, niedergeschlagene Gesichter bei den Handballern des HC Einheit Plauen nach der bitteren 27:30-Niederlage beim SV Oebisfelde. Wieso der Auftritt beim bisherigen Tabellenvorletzten ein Warnsignal für die Füchse war, die nun weiter um den Klassenerhalt in der Regionalliga Mitteldeutschland zittern müssen.
Noch Minuten nach dem Abpfiff tigerte Einheit-Trainer Mario Schuldes am Sonntag über das Parkett, tauschte sich mit Co-Trainer Josef Pour aus, bevor er sich dann auf die Auswechselbank setzte und tief in sich gekehrt die Hand an die Stirn legte – und erst einmal die vergangenen 60 Minuten verarbeiten musste. „Wir wussten, wie wichtig das Spiel ist und dass wir einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt hätten machen können, aber wir haben keine gute Leistung gezeigt“, so Schuldes: „Wir haben sowohl in der Abwehr als auch im Angriff zu viele Fehler und wirklich ein schlechtes Spiel gemacht.“ Schon in den ersten zwei Minuten machten die Rot-Weißen drei technische Fehler und luden Oebisfelde zu Kontertoren ein, die so schnell mit 3:0 führten. „Was mich sehr nachdenklich macht, sind die ersten beiden Phasen der zwei Halbzeiten, in denen wir so viele Fehler machen“, ärgert sich der Übungsleiter über einfache Abspielfehler, schlechte Wurfentscheidungen und freie Fehlwürfe: „Den schlechten Beginn kann ich mir nicht erklären und auch nicht nachvollziehen, was wir da machen.“ Zwar fingen sich dann die Spitzenstädter, kämpften sich auf 3:4 nach gut sechs Zeigerumdrehungen heran und hielten nun den Rückstand konstant bei nur einem Tor, doch bis Mitte des ersten Durchgangs gelang es den Sachsen-Anhaltern, sich beim 10:6 wieder klar abzusetzen – auch weil die Hausherren clever Pässe abfingen. „Wir wussten, dass das Oebisfelde macht und dann schenken wir einfache Bälle her, was das Ärgerliche ist“, war Mario Schuldes bedient: „Oebisfelde agierte wie erwartet und hatte nichts Überraschendes gemacht.“ Das zeigte sich dann auch nach der ersten Auszeit, als die Vogtländer nach knapp 22 Minuten beim Stand von 11:11 erstmals den Ausgleich mit ihren mitgereisten Fans bejubeln konnten. „Hanso brachte uns ins Spiel zurück“, bekam der eingewechselte Torhüter Jan Misar ein Extralob vom Einheit-Trainer: „Aber wenn wir im Angriff nicht treffen, dann können wir nicht erfolgreich sein.“ Und so legten die Bördestädter wieder mit einem 3:0-Lauf zum 14:11 vor, bevor die Füchse diesen Vorsprung in der Folge wieder egalisieren konnten – und kurz vor der Pause doppeltes Pech hatten, als erst der Wurf von Kreisläufer Florian Wokan vom starken Schlussmann Manuel Weis pariert wurde, bevor Petr Jahns Abpraller an den Pfosten ging. „Wir haben den Torhüter angeworfen und dann können wir die Abschlüsse noch so gut herausspielen, wenn wir dann nicht treffen, kann man nicht gewinnen“, hat Schuldes keine Erklärung für die unterirdische Trefferquote, die auch zum 14:15-Halbzeitrückstand führte: „Wir hatten zu viele spielerischen Ausfälle, mussten fast permanent einem Rückstand hinterherrennen und durch Spielerwechsel kam auch keine Besserung.“
Denn auch nach dem Seitenwechsel machten die Rot-Weißen genau die gleichen Fehler wieder und erzielten in den nächsten zwölf Minuten so lediglich zwei Tore – und Oebisfelde konnte beim 20:15 durch den achtfachen Torschützen Justin Kalupke sowie beim 21:16 durch den ehemaligen Einheit-Kreisläufer Martin Danowski (ebenfalls acht Treffer) die Führung auf fünf Tore ausbauen. „Das lag nicht daran, dass wir schlecht gespielt haben, sondern dass wir das Tor nicht getroffen haben“, ergänzt der Übungsleiter: „Die Vielzahl der freien Würfe zeigt ja, dass wir das phasenweise gut gelöst und die Schwachpunkte angegriffen haben.“ Doch erst durch einen nun überragenden Jan Misar gelang den Spitzenstädtern binnen sechs Zeigerumdrehungen ein 4:0-Lauf und der 20:21-Anschlusstreffer. „Wenn Hanso nicht so gut hält, dann wären wir nicht einmal in Reichweite eines Sieges gewesen“, weiß auch Mario Schuldes um die spielentscheidende Phase bis zum 24:25 nach knapp 54 Minuten: „Da hätten wir das Spiel drehen können und dann wären die Köpfe bei Oebisfelde runtergegangen, denn die Sachsen-Anhalter hatten keine Kraft mehr.“ Allerdings konnten die Vogtländer nicht erneut ausgleichen und versäumten so den Lucky Punch – auch weil sie nun in Unterzahl nach einer Zeitstrafe gegen Jakub Sira agieren mussten. „Wir hatten genügend Möglichkeiten, selbst mal in Führung zu gehen, aber die haben wir kläglich liegen gelassen“, sprach der Einheit-Trainer von einem „verdienten Sieg“ für die Hausherren: „Uns ist es auch nicht gelungen, das Tempo über die 60 Minuten hoch zu halten, um mehr Druck ausüben zu können.“ Auch, weil es dem Rückraum viel zu selten gelang, Torgefahr auszustrahlen und mit Distanzwürfen für Raum für den Kreisläufer zu sorgen. „Wir wollten über 60 Minuten Gas geben und wir haben auch Druck gemacht, aber nicht so, wie wir es hätten machen können – und gerade in der zweiten Welle haben wir oft auch kopflos agiert“, bedauert Schuldes, dass öfter die freie rechte Seite übersehen und stattdessen in Verteidigung reingerannt wurde: „So haben wir es Oebisfelde auch einfach gemacht, weil wir es immer wieder schlecht gelöst haben und diese einfachen Tore fehlten, was uns unheimlich wehtat.“ Mit 21:31 Punkten stehen die Füchse zwar weiterhin auf dem neunten Tabellenplatz, haben aber nur noch drei Zähler Vorsprung auf Oebisfelde und die Abstiegszone der Regionalliga Mitteldeutschland. „Mit insgesamt 31 Fehlern in der Offensive gewinnt man kein Spiel und dass in so einem wichtigen Duell, ist sehr enttäuschend“, resümiert der Übungsleiter: „Es waren nicht alle mit dem Kopf voll dabei und so schenken wir die zwei Punkte zu leicht her.“
HC Einheit Plauen: Misar, Brychlec – Corda, Wokan (2), Janàsek (5), Krüger (1), Linhart (7/3), Kotesovec, Bednarík (1), Kacin (4), Jahn (2), Zbiral (2), Stegner (2), Sira (1); Trainer Mario Schuldes, Co-Trainer Josef Pour, Mannschaftsverantwortlicher Bernd Grimm
SV Oebisfelde: Koitek (5), Perl, Alexander Vogel (2), Andreas Kalupke, Johnson (1), Drese, Sven Vogel, Weis, Justin Kalupke (8), Kleist (1), Breiteneder (3), Wanzek (2), Danowski (8), Meichsner, Kohlhas; Trainer Christian Herrmann, Mannschaftsverantwortlicher Bernd Schulze
Verwarnungen: 1 für HC Einheit Plauen, 1 für SV Oebisfelde
Zeitstrafen: 4 für HC Einheit Plauen, 3 für SV Oebisfelde
Siebenmeter: 3 für HC Einheit Plauen, keine für SV Oebisfelde
Von Florian Wißgott (flow)



