Mit einer überragenden ersten Halbzeit und der verdienten 16:13-Pausenführung bringen die Handballer des HC Einheit Plauen den NHV Concordia Delitzsch mächtig ins Wanken. Wieso sich die nun auf den zehnten Platz abgerutschten Füchse bei der knappen 27:30-Niederlage am Ende nicht mit einem Erfolg gegen den Tabellenführer der Regionalliga Mitteldeutschland belohnen konnten.
„Wir tun uns hier immer schwer“, gesteht Concordia-Trainer Jan Jungandreas: „Plauen hat qualitativ eine gute Mannschaft.“ Und das mit einer starken Reaktion nach der bitteren 27:30-Pleite beim SV Oebisfelde am Samstag gegen den amtierenden und neuen Meister gezeigt – nämlich mit einem fast perfekten ersten Durchgang. „Es hat viel geklappt, was wir uns sowohl in der Defensive als auch im Angriff vorgenommen hatten“, schwärmt Einheit-Trainer Mario Schuldes: „Wir waren konzentriert, jeder hat seine Arbeit gemacht und dann machen wir auch ein gutes Spiel.“ Das sogar gleich von Beginn, denn bereits nach gut zwei Minuten führten die Rot-Weißen mit 2:0. „Wir sind gut in die Partie gekommen und haben sowohl in der offensiven als auch defensiven Abwehrformation gut gearbeitet“, lobt Schuldes und erklärt, dass sich die Spitzenstädter an Delitzschs Angriff orientierten: „Es hat funktioniert, was wir wollten, wir haben aktiv die Zweikämpfe geführt – und diese dann auch oftmals gewonnen.“ So konnten die Vogtländer die Führung beim 8:5 nach einer knappen Viertelstunde erstmals auf drei Tore ausbauen – und wenig später beim 10:6 sogar den Vorsprung auf vier Treffer vergrößern. „In der Offensive haben wir die Schwachstellen konsequent angegriffen und die Abschlüsse gut vorbereitet“, strahlt Mario Schuldes und verteilt an Torhüter Jan Misar ein Extralob, der in der ersten Halbzeit acht Paraden hatte – inklusive eines gehaltenen Siebenmeters: „Hans war ein sehr starker Rückhalt.“ Dadurch hielten die Hausherren die Führung bis zum 14:10 konstant. „Wir schafften es nicht so richtig, in den Abwehrverbund zu kommen, weshalb wir zu viele Gegentore kassierten, die wir so nicht haben wollten“, erklärt Jan Jungandreas, der „auch paar Fehlwürfe zu viel“ monierte: „Sicherlich hat uns Plauen auch mit der 3:3-Deckung bisschen überrascht.“ Sehr zur Freude der über 300 Zuschauer in der stimmungsvollen Einheit-Arena, die eine 16:13-Pausenführung lautstark bejubelten. „Plauen hat es gut gemacht, die offensive 3:3-Deckung hat es uns im Angriff schwer gemacht und war eine Herausforderung“, kennt der nun eingewechselte sowie sehr stark auftretende Concordia-Schlussmann Max Neuhäuser die gute Offensive mit dem variablen Angriffsspiel und Wurfbild der Füchse an: „Wir haben zu viele Fehler im Angriff gemacht und dadurch ist Plauen ins Tempospiel gekommen – und das hat schon gereicht, um uns das Leben schwer zu machen.“ Das machten es sich nach dem Seitenwechsel die Rot-Weißen, die allein in den ersten acht Minuten des zweiten Durchgangs vier technische Fehler und vier Fehlwürfe machten – und so nicht nur den Nordsachsen die Bälle schenkten, sondern einen Negativtrend einläuteten. „Wir waren dann einfach nicht da, hatten abgeschaltet und unseren Job nicht mehr gemacht“, ärgert sich Schuldes über nicht gedeckte Einläufer und zu viele Durchbrüche auf den zwei Halbpositionen mit den beiden zehnfachen Torschützen Tom Hanner und Jacob Griehl: „Es gibt dafür eigentlich keinen Grund, aber wir wussten, dass Delitzsch jeden Fehler eiskalt bestrafen wird und dann wird’s schwer.“ Denn mit einem 4:0-Lauf zum 20:18 nach gut 40 Minuten drehten die Vier-Türme-Städter die Begegnung und lagen nun selbst erstmals in Führung. „Es tut dann ungemein weh, wenn wir unsere freien Abschlüsse wie Konter nicht verwerten, die wir uns zuvor hart erarbeiten mussten“, bedauert der Einheit-Trainer überhastete Würfe, oft abgefangene Kreisanspiele und eine mit 0:2 verlorene Überzahl Mitte des zweiten Durchgangs zum 22:26: „Wir haben im Angriff zu unkonzentriert agiert, nicht mehr so konsequent unser Spiel gemacht und zu viele einfache Fehler gemacht.“ Erst der nun eingewechselte Schlussmann Felix Neef ermöglichte den Spitzenstädtern, den Rückstand konstant zu halten und in der spannendenden Schlussphase bis zum 27:29 nach knapp 59 Minuten wieder zu verkürzen. „Nur durch Felix` Paraden kommen wir nochmal zurück ins Spiel, aber dann war Delitzsch zu abgezockt und gewinnt“, stehen für den gebürtigen Plauener fünf gehaltene Bälle und für die Vogtländer insgesamt 20 Fehler (technische Fehler und Fehlwürfe) sowie gegen Jakub Sira ein rote Karte in der Statistik: „Der Wille war über 60 Minuten bei jedem Spieler da, aber 30 Gegentore sind zu viel und die vielen Fehler haben uns unheimlich weh getan – und waren am Ende auch einfach zu viele.“
HC Einheit Plauen: Misar, Brychlec, Neef – Corda, Wokan (1), Janàsek (2), Krüger (1), Linhart (7/5), Kotesovec, Bednarík (3), Kacin (3), Jahn (5), Zbiral (4), Stegner, Sira (1); Trainer Mario Schuldes, Co-Trainer Josef Pour, Mannschaftsverantwortlicher Bernd Grimm, Physio Antonia Weller, Mannschaftsarzt Normann Haßler
NHV Concordia Delitzsch: Neuhäuser, Alpers, Ramos-Schwirtz – Amtsberg, Prautzsch (3), Eckart (2), Birke, Schmidt (1), Oehlrich, Griehl (10/4), Hanner (10), Reinhardt (1), Raab, Schwock (3), Teichert; Trainer Jan Jungandreas, Co-Trainer Sven Griehl und Vincent-Ciano Viehweger, Mannschaftsverantwortlicher Felix Herholc, Physio Katharina Burkhardt
Verwarnungen: 1 für HC Einheit Plauen, keine für NHV Concordia Delitzsch
Zeitstrafen: 3 für HC Einheit Plauen, 5 für NHV Concordia Delitzsch
Siebenmeter: 5 für HC Einheit Plauen, 5 für NHV Concordia Delitzsch
Disqualifikation: 1 für HC Einheit Plauen (ohne Bericht)
Von Florian Wißgott (flow)



