Obwohl die Handballer des HC Einheit Plauen zum Ende der ersten Halbzeit bereits mit zehn Toren zurücklagen, kämpften sich die Füchse zurück und mussten sich schließlich nur ganz knapp mit 35:36 beim HV Rot-Weiß Staßfurt geschlagen geben. Wieso die nun auf den 14. Tabellenplatz der Regionalliga Mitteldeutschland abgerutschten Rot-Weißen die Partie nicht drehen konnten.
Wie unzufrieden Einheit-Trainer Mario Schuldes mit der ersten Halbzeit seiner Mannschaft war, zeigt die Tatsache, dass der Übungsleiter sich bereits nach gut zwei Minuten beim Stand von 0:3 gezwungen sah, die erste Auszeit zu nehmen. „Der Start geht gar nicht, was die Jungs da gemacht haben, war absolut inakzeptabel und in so einer Lage, in der wir sind, kann man so nicht anfangen“, ist Schuldes sauer über zwei Kontertore, die aus einem technischen Fehler und Fehlwurf resultierten: „Diese Fehler können ja passieren, aber was nicht sein kann, ist, dass man nicht zurückrennt und drei Spieler beim Gegentor noch nicht einmal an der Mittellinie sind.“ Doch dieser Beginn sollte nur der Auftakt für ein Fehlerfestival sein, denn die Füchse machten in der ersten Halbzeit insgesamt acht technische Fehler und 13 Fehlwürfe – darunter trafen die Rot-Weißen vier Mal Latte und Pfosten. „Da hatten wir einfach auch Pech, weil die Abpraller nicht bei uns landeten und die Entscheidungen oft richtig, aber die Würfe zu unplatziert waren“, ärgert sich der Einheit-Trainer: „Wir haben im Angriff nicht immer das gemacht, was wir uns vorgenommen hatten, zu zeitig das Kreisanspiel oder den Abschluss gesucht und schlecht geworfen.“ Das führte dazu, dass die Spitzenstädter nach der Auszeit zwar nun schleppend in die Begegnung kamen und den Rückstand bis zum 4:5 nach knapp acht Zeigerumdrehungen verkürzen konnten, aber in der Folge die Hausherren sukzessive wieder wegzogen und beim 19:9 nach gut 26 Minuten erstmals mit zehn Toren führten. „Es wurden haarsträubende Fehler gemacht, die nicht zu erklären sind“, versteht Mario Schuldes nicht, wieso beispielsweise der Ball ohne Bedrängnis direkt in die Hände des Gegners gespielt wurde: „Wir machen zu viele Fehler, die Abwehr hat nicht gut funktioniert, weil sie nicht aktiv genug war und dann bekommen wir 20 Gegentore, was schlichtweg viel zu viele sind.“ Und so ging es mit einem 12:20-Rückstand in die Pause. „Bei Staßfurt hat auch viel funktioniert, aber die Salzländer konnten immer wieder noch den entscheidenden Pass spielen und haben sich freie Würfe erarbeitet – und machen in Summe deutlich weniger Fehler“, bedauert der Übungsleiter: „Staßfurt hat es nicht schlecht gelöst, aber wir haben es den Salzländern auch nicht so schwer gemacht.“ Erst nach dem Seitenwechsel, als den Sachsen-Anhaltern beim 21:12 zwar noch ein glückliches Tor gelang, nachdem Marvin Haeskes erster Abschluss an den Pfosten ging, von dort gegen Jan Misars Rücken prallte und ins Tor kullerte, doch danach legten die Vogtländer einen starken 11:4-Lauf aufs Parkett – der mit dem 23:25 nach 44 Minuten durch Misar gekrönt wurde, der ins leere Tor traf. „Staßfurt hagtte dann mit einem siebten Feldspieler versucht, uns in die defensivere 6:0-Deckung zu drücken, aber die Jungs haben das auch sehr gut gelöst, indem sie immer wieder schnell ins verwaiste Tor getroffen haben“, erklärt Schuldes, der die Verteidigung auf eine sehr offensive 3:2:1-Formation umgestellt hatte: „Die Jungs haben sich diese Aufholjagd mit dem Spiel erarbeitet, wie wir es vor der Partie besprochen hatten und das war in der ersten Halbzeit leider nicht gelungen.“ Denn nun spielten die Füchse nicht nur sehr schnell und waren trotzdem ballsicher, sondern waren auch deutlich effektiver im Torabschluss – und machten im gesamten zweiten Durchgang nur noch drei technische Fehler und zwei Fehlwürfe. „Wir machen über das Tempospiel viele Tore, hatten dann auch bisschen Glück im Positionsspiel und Abschluss, dass mancher Ball doch noch beim Mitspieler oder im Tor landete – da hat bei uns vieles zusammengespielt, das wir wieder rankommen konnten“, erzählt der Einheit-Trainer: „Staßfurt hatte mit der offensiven Abwehr große Probleme und konnte sich kaum noch Tore aus dem Spiel heraus erarbeiten.“ Doch dann hatte immer wieder der zweitligaerfahrene Haeske seinen Moment, der mit seinen Einzelaktionen nach Freiwürfen seiner Auswahl den Sieg rettete – indem er mit Schlag- oder Sprungwürfen fünf seiner insgesamt zehn Tore erzielte. „Da haben unsere Torhüter leider nicht gut gearbeitet“, kritisiert Mario Schuldes, dass die für den verletzten Felix Neef (Finger im Abschlusstraining ausgekugelt) haltenden Schlussmänner Misar sowie Matej Brychlec zu schnell auf eine Ecke spekulierten und so ausgeguckt wurden: „Diese Gegentore waren sehr ärgerlich, weil sie uns so wehgetan haben und wir dadurch einfach nicht rangekommen sind, um den Anschlusstreffer zu erzielen.“ Als die Kräfte dann bei den Rot-Weißen schwanden und die Hausherren nach gut 55 Minuten wieder mit vier Toren beim 34:30 in Führung lagen, schien das Aufeinandertreffen bereits entschieden zu sein, doch dann läutete Brychlec eine dramatische Schlussphase ein, indem er mehrere freie Würfe, einen Konter sowie Siebenmeter parierte – und David Zbiral 79 Sekunden vor Abpfiff den ersehnten 35:36-Anschlusstreffer erzielte. „Wir hätten sogar noch die Chance auf ein Unentschieden gehabt, was uns aber die Schiedsrichter leider nicht gegeben haben“, war der Übungsleiter von der Auslegung des letzten Angriffs der Spitzenstädter sichtlich angefressen: „Der Abwehrspieler war voll in der Bewegung und attackiert im Wurf Machi, deshalb ist die Entscheidung für mich nicht verständlich.“ Denn David Machacek wird zehn Sekunden vor Schluss auf Rechtsaußen von Justus Kluge gefoult, doch die Unparteiischen pfeifen Stürmerfoul statt Siebenmeter aber – zuvor gab es für eine ähnliche Situation noch Strafwurf für Staßfurt. „Es ist sehr schade und es tut mir für die Jungs unheimlich leid, weil sie in der zweiten Halbzeit wirklich alles versucht und wahnsinnig viel investiert haben – und dann am Ende mit leeren Händen dazustehen, ist kein tolles Gefühl“, sagt Schuldes, der mit den Vogtländern mit nun 15:31 Punkten auf den 14. Tabellenplatz der Regionalliga Mitteldeutschland abgerutscht ist: „Die Jungs waren nach dem Spiel sehr, sehr niedergeschlagen und es tut unheimlich weh.“
HC Einheit Plauen: Misar (1), Brychlec – Corda (7), Wokan (8), Janàsek (1), Krüger, Linhart (5/3), Kotesovec, Bednarík (1), Machacek, Kacin (1), Jahn (7), Zbiral (4), Stegner, Sira; Trainer Mario Schuldes, Co-Trainer Josef Pour, Mannschaftsverantwortlicher Bernd Grimm
HV Rot-Weiß Staßfurt: Cieszynski (2), Niklas Danowski (2), Kluge (3), Schliwa, Steffen (6/2), Heinrichs, Geckert (1), Haeske (10), Hähnel (4), Winter, Vehse (4), Osterloh (4), Kleineidam, Danneberg, Standhardt; Trainer Svajunas Kairis, Co-Trainerin Anna Marks, Mannschaftsverantwortlicher Steffen Siebert, Physio Tobias Ortmann
Verwarnungen: keine für HC Einheit Plauen, keine für HV Rot-Weiß Staßfurt
Zeitstrafen: keine für HC Einheit Plauen, 4 für HV Rot-Weiß Staßfurt
Siebenmeter: 3 für HC Einheit Plauen, 3 für HV Rot-Weiß Staßfurt
Von Florian Wißgott (flow)



