„Die Zuschauer sind wieder stolz auf das Team“
Die Handballer des HC Oppenweiler/Backnang lieferten dem ambitionierten Zweitligisten HSC 2000 Coburg einen großen Kampf. Sie verloren in der ersten Runde um den DHB-Pokal nach nervenaufreibenden Schlussminuten denkbar knapp mit 29:31. Trainer Rui Silva sah viele positive Erkenntnisse.
„Wir haben ein sehr gutes Spiel gezeigt“, sagte der HCOB-Coach – und dies war auch deshalb hoch einzuschätzen, weil sich HSC-Trainer Anel Mahmutefendic mit der Leistung der Seinen ebenfalls sehr zufrieden zeigte. „Kompliment, wie wir es am Ende durchgezogen haben.“ Zwischendurch roch es in der stimmungsvollen MURRTAL-ARENA stark nach Verlängerung, die Gastgeber waren mehrmals ganz dicht dran.
Dabei lief es zunächst gar nicht gut für die Hausherren. Timm Buck erzielte zwar das schnelle 1:0 für die Hausherren und damit das erste Tor der Handballsaison 2026/2027 in ganz Deutschland. Danach bestimmten aber die Gäste das Geschehen. „Wir haben unseren Matchplan exakt verfolgt“, fand HSC-Coach Anel Mahmutefendic und brachte es mit „gute Abwehr, guter Torwart“ auf den Punkt. An Petros Boukovinas war teilweise kein Vorbeikommen. Dem Coburger Keeper wird Bundesliga-Level attestiert.
Die Gäste warfen sich einen 12:6-Vorsprung heraus, schienen das Geschehen zu bestimmen – und doch neigte sich die Waage nach und nach zugunsten der Gastgeber. Sie fanden in der Abwehr immer mehr Mittel, um die körperlich starken Gegenspieler vom eigenen Tor fernzuhalten. Zudem fügte sich der eingewechselte Keeper Dave Hörnig auf Anhieb gut ein. Timm Buck holte mehrere Siebenmeter für den HCOB heraus. Felix Klingler verwandelte sie nervenstark. Sechs Versuche, sechs Treffer, dazu drei weitere Tore aus dem Spiel heraus, der Rechtsaußen hatte eine makellose Bilanz. Der HCOB blieb nun dran und verhinderte, dass die Gäste weiter davonzogen. Zugang David Soos verkürzte in der Schlussminute des ersten Durchgangs auf 12:17.
Nach dem Seitenwechsel machten die Gastgeber weiter Druck. Sie verteidigten zunehmend besser, und Dave Hörnig wuchs förmlich über sich hinaus. Seine fast schon unglaubliche Quote: 43 Prozent gehaltene Bälle. Mehrmals kamen die Hausherren auf drei Treffer heran. Dass es nicht schon rund um die 40. Minute enger wurde, lag wiederum am griechischen Keeper im Tor der Oberfranken: Petros Boukovinas war für sein Team ein wertvoller Rückhalt.
Aber die HCOB-Handballer bewiesen eine Woche vor dem Rundenstart weiter ihre gute Frühform. Sie hatten Lunte gerochen und bissen sich nun fest. Mit Leidenschaft und viel Einsatzwillen kämpften sie sich heran. Mit Toren durch Konter setzten sie Nadelstiche. Als Lukas Rauh sieben Minuten vor dem Ende vom Kreis auf 26:28 verkürzte, war das Spannungslevel in der MURRTAL-ARENA ganz weit oben.
Coburg behalf sich in dieser Phase im Angriff verstärkt mit einem siebten Feldspieler. Das brachte ihnen eine Überzahl, die sie im Stil einer Zweitliga-Spitzenmannschaft auch geschickt ausnutzten. So wahrten sie ihren kleinen Abstand. Dann scheiterten sie zweimal hintereinander an HCOB-Keeper Dave Hörnig. Auf der Gegenseite sorgten Martin Schmiedt und Louis Mönch für das 28:29.
Coburg stand unter Druck, stellte sich dabei aber clever an. Erst sorgte Martin Lisac für einen neuerlichen Zwei-Tore-Abstand, und nach dem neuerlichen Anschlusstreffer von HCOB-Siebenmeterschütze Felix Klingler tat es ihm Sven Weßeling auf der Gegenseite gleich. Auch er traf von der Strafwurflinie zum 29:31. Der Favorit hatte den Einzug in die zweite Runde auf den letzten Drücker geschafft. HCOB-Coach Rui Silva war dennoch sehr zufrieden und spürte die Stimmung in der Halle: „Die Zuschauer sind wieder stolz auf das Team.“
Stimmen zum Spiel
HCOB-Trainer Rui Silva: „Wir haben ein sehr gutes Spiel gezeigt, und das gegen einen sehr guten Gegner. Wir wollten zeigen, welcher Spirit in der Mannschaft steckt, und das ist uns gelungen. Natürlich ist es einfacher, wenn der Druck hier im Pokalspiel nicht so hoch ist, das wird in der kommenden Woche im ersten Meisterschaftsspiel natürlich anders. Aber es ist wichtig zu sehen: Die Zuschauer sind wieder stolz auf das Team.“
HSC-Trainer Anel Mahmutefendic: „Wir haben unseren Matchplan zu Beginn exakt verfolgt, mit einer guten Abwehr und einem guten Torwart. In der zweiten Halbzeit waren wir mit unseren freien Wurfchancen fahrlässiger, und so kehrte der Glaube bei unserem Gegner zurück. Darum Kompliment, wie wir es am Ende durchgezogen haben.“
Rund ums Spiel
Der HCOB musste kurzfristig auf den angeschlagenen Zugang Lev Szuharev verzichten. Der von den Wölfen Würzburg gekommene Rückraumspieler hatte sich im Training am Rücken verletzt. Da der Punktspielstart in einer Woche bevorsteht, ging man beim HCOB kein Risiko ein – und musste weite Strecken der Begegnung dann ohne Linkshänder im Rückraum absolvieren, weil auch Sacha Koltes angeschlagen vom Feld musste. Die anderen Akteure wechselten sich fortan auf ungewohnter Position ab.
Der HCOB startet nun in die finale Vorbereitungswoche vor dem Punktspielauftakt am Samstag, 29. August (19 Uhr). Zu Gast im Drittligaauftaktspiel ist HBW Balingen-Weilstetten II.
HC Oppenweiler/Backnang – HSC 2000 Coburg 29:31
21. August 2026
18.30 Uhr
MURRTAL-ARENA Backnang
HC Oppenweiler/Backnang:
Dave Hörnig, Dennis Wipf (Tor), Louis Mönch (5), Cedric Mayer, Timm Buck (3), Patrick Kiesewalter, Martin Schmiedt (2), Ruben Sousa (3), Felix Klingler (9/6), Paul Krügele, Lukas Rauh (2), Christos Erifopoulos (2), Sacha Koltes (1), David Soos (2). – Trainer: Rui Silva.
HSC 2000 Coburg:
Petros Boukovinas, Fabian Apfel (Tor), Lars Düsterhöft, Bartlomiej Bis (4), Savvas Savvas (5), Yaacob Belbey, Tin Kontrec (2), Marin Lisac (5), Jannes Krone, Sven Weßeling (7/2), Jakob Knauer (1), Jesper Schartl, Leonards Valkovskis (1), Nils Röller (1), Felix Pfänder, Maximilian Schindler (5). – Trainer: Anel Mahmutefendic.
Schiedsrichter:
Thomas Kern (Bellheim) und Thorsten Kuschel (Kandel).
Zuschauer:
450.
Siebenmeter:
6/6 : 2/3 (Weßeling scheitert an Wipf).
Zeitstrafen:
4:6 Minuten (Schmiedt/zweimal – Schindler, Bis, Savvas).
Spielverlauf:
4:8, 6:12, 12:17 – 17:20, 26:28, 29:31.
Von Alexander Hornauer




