29 Jahre nach dem ersten und letzten Titel greift Borussia Dortmund am Sonntag beim Haushahn Final4 in Stuttgart wieder nach dem DHB-Pokalsieg. Am Samstag setzte sich der BVB im zweiten Halbfinale mit 35:32 (17:15) gegen den Vorjahresfinalisten HSG Blomberg-Lippe durch. Finalgegner der Dortmunder ist die HSG Bensheim/Auerbach, die zuvor den Thüringer HC mit 36:34 nach Siebenmeterwerfen geschlagen hatte. Dortmund erreichte zum fünften Mal nach 1994, 1997, 1998 und 2016 ein DHB-Pokalfinale.
Die 3132 Zuschauer in der Porsche-Arena sahen zwei aggressive Abwehrreihen und ein Duell der Rückraumachsen um Nieke Kühne (HSG/7Tore) auf der einen sowie Alina Grijseels und Deborah Lassource (zusammen 12 Tore für den BVB) auf der anderen Seite.
In einer hart umkämpften ersten Halbzeit hatte Dortmund mehr vom Spiel und lag nach dem 3:3 fast konstant in Führung – ohne sich allerdings absetzen zu können. Beim 12:9 betrug der Vorsprung erstmals drei Treffer, auch dank einer ganz starken Vorstellung von Alina Grijseels, die als Vorbereiterin und Torschützin glänzte. Der Tabellenführer musste allerdings gegen die HSG-Deckung um jeden Zentimeter glänzen. Bitter für Blomberg: bereits vor der Pause hatte Vize-Weltmeisterin Nieke Kühne ihre zweite Zeitstrafe erhalten, kurz nachdem sie zum 15:15-Ausgleich getroffen hatte. Ein Doppelschlag von Deborah Lassource sorgte für die 17:15-Pausenführung des BVB.
Und diesen Vorsprung baute der aktuelle Tabellenführer der Alsco Handball-Bundesliga in den ersten zehn Minuten nach dem Seitenwechsel weiter aus. Ein Faktor war anfangs Torfrau Melinda Szikora, die einige wichtige Blomberger Würfe abwehrte und großen Anteil am 25:20 hatte. Eines der schönsten Tore des Tages von Lisa Antl bescherte Dortmund in der 45. Minute beim 29:23 die erste Sechs-Tore-Führung – der Traum vom Finale wurde greifbarer für den BVB, auch wenn die überragende Nieke Kühne immer wieder eine Lücke fand. Auch Neu-Nationalspielerin Farelle Njinkeu belebte nach dem Seitenwechsel den HSG-Angriff. Als der Vorsprung fünf Minuten vor dem Ende auf 32:29 geschmolzen war, nahm BVB-Trainer Henk Groener seine letzte Auszeit. Als aber Dortmunds Torfrau Sarah Wachter einen Siebenmeter von Ona Vegue abwehrte und im Gegenzug Lassource zum 34:30 traf, war die Partie entschieden.
Nieke Kühne: „Wir haben es nie geschafft, das Spiel zu drehen“ – die Stimmen zum zweiten Halbfinale
Henk Groener, Trainer Borussia Dortmund: „Das ist jetzt nur Freude. Beim Empfang gestern Abend sagte jeder ‚es wird spannend‘, das haben wir heute zweimal gesehen. Unser Spiel war bis zum Schluss hart umkämpft. Wir sind froh, dass wir das hinbekommen haben. Einige Sachen in der Abwehr hätten wir besser machen können. Aber wir haben gegen den Tabellenzweiten gut gekämpft. Herausheben möchte ich Lara Egeling, die hat unglaublich gute Würfe gezeigt. Wir haben vieles umgesetzt, was wir wollten, allerdings ist die Abwehr noch steigerungsfähig, der Angriff war ok.
Alina Grijseels, Spielerin Borussia Dortmund: „Ich bin froh, dass wir den Schritt ins Finale geschafft haben. Das war ein schweres Spiel, Blomberg hat uns alles abverlangt. Die Abwehr geht ein Stück besser, aber am Ende zählt, dass wir ins Finale gekommen sind. Ich bin stolz und glücklich. Wir haben durchgehend geführt und den Sieg über die Zeit gebracht.“
Steffen Birkner, Trainer HSG Blomberg-Lippe: „Wir haben gestern gesagt, dass wir 100 Prozent Leistungsfähigkeit und einen guten Tag brauchen, um den Tabellenführer zu schlagen. Dortmund hatte uns schon in der Liga vor Aufgaben gestellt. Es hat nicht alles über 60 Minuten funktioniert, zudem hat die individuelle Leistungsfähigkeit den Ausschlag gegeben. Da war Dortmund einen Tick besser. Wir hatten dreimal die Chance auszugleichen, aber Dortmund hat das souverän runtergespielt. Kein Vorwurf an meine Mannschaft, aber es waren eben nicht 100 Prozent, sondern 98 Prozent.“
Nieke Kühne, Spielerin HSG Blomberg-Lippe: „Das war ein super-umkämpftes Spiel. Wir waren nahe dran, haben es aber nie geschafft, das Spiel zu drehen und das Momentum zu bekommen. Wir hatten einige entscheidende Fehler kurz vor Schluss, wir haben gekämpft. Nun wollen wir morgen nicht ohne Medaille zurückfahren.



