Vanessa Fehr und Amelie Berger waren die umjubelten Heldinnen der HSG Bensheim/Auerbach. Fehrs Parade gegen Csenge Kuzcora und Bergers letzter Treffer im Siebenmeterwerfen sorgte für unglaubliche Jubelstürme bei den rund 400 Flames-Fans in der Porsche Arena. 36:34 hieß es im dramatischen ersten Halbfinale des Haushahn Final4 2026 gegen den Thüringer HC. Zum vierten Mal nach 1975, 1977 und 2023 zogen die Flames in ein Pokalfinale ein, Gegner ist der Sieger der Partie Borussia Dortmund gegen die HSG Blomberg-Lippe. Der THC spielt am Sonntag um Platz drei.
Beide Teams erhielten von Beginn an und über 60 Minuten eine lautstarke Unterstützung aus den zwei roten Blöcken – mit zahlenmäßiger Überlegenheit aus Bensheim und Auerbach. Die HSG hatte auch den besseren Start, nicht nur weil Kreisläuferin Meike Schmelzer das erste Turniertor 2026 erzielte. Das Team von Ilka Fickinger lag 7:4 vorne, drei der sieben Treffer gingen auf das Konto von Amelie Berger. Doch dann drehte der Thüringer HC auf: Csenge Kuzcora und Johanna Reichert im Angriff sowie Laura Kuske im Tor waren die Schlüssel für einen 5:1-Lauf zum 9:8, in dieser Phase gelang Bensheim kein Feldtor, und auch danach waren es vorwiegend die Siebenmetertore von Nina Engel, die den Abstand bis zur Pause (16:14) nicht anwachsen ließen.
Nach dem Seitenwechsel wendete sich das Blatt erneut: Weil sich der THC zu viele Fehlwürfe leistete, gingen die Flames durch das erste Feldtor von Nina Engel beim 21:20 wieder in Führung. Gegen die bewegliche HSG-Abwehr gab es in der Folge kaum noch ein Durchkommen für die Thüringer – und wenn, stand ihnen HSG-Torfrau Vanessa Fehr im Weg. 14 Minuten vor dem Ende lagen die Flames beim 25:21 erstmals mit vier Treffern Differenz vorne – nun war auch Engel nicht mehr zu stoppen.
Entschieden war das erste Halbfinale des Haushahn Final4 2026 aber noch lange nicht – denn plötzlich hatte der Thüringer HC wieder Oberwasser, glich durch Rikke Hofland beim 26:26 neun Minuten vor dem Ende wieder aus – und liegt 80 Sekunden vor dem Ende sogar 31:29 vorne. Doch mit großer Moral gelingt der HSG wieder das Remis, durch einen Engel-Strafwurf sieben Sekunden vor dem Schluss. Den letzten THC-Angriff fängt Berger ab – Siebenmeterwerfen. Und nachdem die ersten vier Werferinnen beider Seiten getroffen hatten, sorgten Fehr und Berger für die Entscheidung.
Amelie Berger: „Ich hatte den dankbarsten Wurf“ – die Stimmen zum ersten Halbfinale
Ilka Fickinger, Trainerin HSG Bensheim/Auerbach: Spannender geht es kaum, das war für unsere Seite glücklicher, für den THC unglücklicher. Das war das angekündigte Spiel auf Augenhöhe, es gab immer wieder deutliche Führung und deutliche Rückstände. Als wir mit vier Toren führenhaben wir die Nerven verloren und haben dem THC die Chacne gegeben, ranzukommen. Wir hätten es unspannender über die Bühne kriegen können, aber das spricht für die Qualität beider Mannschaften. Ich bin absolut happy über Finaleinzug und die mentale Leistung von uns, das war der Schlüssel zum Erfolg. Ich hatte seit zwei Wochen und auch beim Siebenmeterwerfen ein supergutes Gefühl.“
Amelie Berger, Spielerin HSG Bensheim/Auerbach: „Ich hatte den dankbarsten Wurf, ich hab‘s dann mit links gemacht – und ich bin überglücklich. Wir hatten viele Höhen und Tiefen in der Saison, jetzt ist es ein Megagefühl. Wir sind immer enger zusammengerückt auf der Platte. Letzte Wochen nach dem Training haben wir Siebenmeterwerfen trainiert. Wir haben nach Abpfiff fin die Runde gefragt, wer traut sich das – und die haben es dann gemacht.“
Herbert Müller, Trainer Thüringer HC: „Es war ein knapper und verdienter Sieg, das war vielleicht eine mentale Geschichte mit Glück und Unglück im Siebenmeterwerfen. Das war spannend ohne Ende, mit viel Tempo, ein absolutes Topspiel und ganz ausgeglichen wie erwartet. Im Endeffekt müssen wir gratulieren und auf die eignen Fehler schauen. Wir sind noch in zwei Wettbewerben, und die sind noch schwerer zu gewinnen, da darfst du bestimmte Fehler nicht machen. Beide Teams hatten keine Konstanz, wir haben sehr viele freie Chancen liegengelassen. Wir sind beim 31:30 in Ballbesitz und verwerfen, das sind die Situationen, in denen mentale Stärke entscheidet. Ich bin mit dem kämpferischen Einsatz sehr zufrieden, wir sind immer wieder zurückgekommen und haben das Spiel teilweise dominiert.“
Laura Kuske, Torfrau Thüringer HC: „Wir haben heute gesehen, wie brutal Sport sein kann. Es gab unglaublich viele Wellen im Spiel, kein Team hat der Partie den Stempel aufgedrückt. Und ein Siebenmeterwerfen wird auch durch Glück entschieden, das war heute nicht auf unserer Seite.“



