Es ist angerichtet: Der Auftakt des Saisonfinales mit noch drei ausstehenden Spielen könnte nicht brisanter, nicht emotionaler und nicht prestigeträchtiger sein. Oranienburger HC gegen Füchse Berlin II. Das einzige Brandenburg-Berlin-Derby für den Gastgeber in dieser Saison. Das Spiel, in dem der OHC aus zweierlei Gründen auf die Revanche brennt: Erstens gilt es, die Schmach von der 24:32-Pleite aus dem Hinspiel auszumerzen. Viel pikanter ist der Kracher jedoch, weil er aus Oranienburger Sicht den Stempel „Überlebensspiel“ trägt. „Wir reden ausschließlich über zwei Punkte, die wir brauchen und deshalb holen müssen. Über nichts anderes“, so Trainer Tim Fröhlich, dessen Team sich nach wie vor im Abstiegsstrudel befindet. Nicht weniger als sieben Spieler des OHC trugen einst das Füchse-Trikot – das gibt dem einzigen Spiel der Oststaffel an diesem Wochenende einen besonderen Drive. Es wird so oder so ein Kräftemessen für die Geschichtsbücher: Zum ersten Mal seit dem Corona-Ausbruch ist ein Heimspiel des OHC ausverkauft. 856 Zuschauer werden in der MBS-Arena sein.
„Das ist unser Revier, das werden wir mit allen Mitteln verteidigen“, kündigt der Coach an. Auch wenn er aktuell selbst einen Bezug zum Hauptstadtklub hat – sein Sohn Jona spielt dort – und er ein gutes Verhältnis zu Spielern und Nachwuchstrainern pflegt, „bin ich mir sicher, dass es keine Schützenhilfe geben wird“. Woanders scheine das anders zu sein, stellte er fest, in diesem Duell aber nicht. Dazu sei die Rivalität zu groß.
Die Bundesliga-Reserve aus Berlin (20 Punkte) hat mit dem Sieg in Bernburg am vergangenen Wochenende den direkten Abstieg verhindert. Auf den Relegationsplatz (Rang 11) hat die Mannschaft von Trainer Aaron Ziercke fünf Punkte Vorsprung, ist also quasi durch. Anders der OHC. Mit drei von sechs möglichen Punkten wäre der direkte Abstieg verhindert, mit vier die Klasse praktisch gehalten. „Unser Ziel ist es, die beiden Heimspiele zu gewinnen“, so Tim Fröhlich. Sonntag, 16.30 Uhr, gegen die Füchse Berlin II und am Samstag, 18. März, 18.30 Uhr, gegen den SC DHfK Leipzig II.
Dass es eine Herkulesaufgabe werden wird, ist allen klar. „Aber es ist, wie es ist“, sagt Co-Trainer Patrick Lehmann. Er meint das in Bezug auf die Besetzung der Berliner, die immer einer Überraschung gleicht, und auf die Länderspielpause für das Profiteam, womit das Kaderthema neue Nahrung erhält. Allein aus letzterem Grund könne niemand sagen, ob Spieler „von oben“ in der Zweiten eingesetzt werden. Dem Chefcoach ist klar, dass die Zweite auch allein stark genug sei. Er kennt die Stärken des Mittelmannes Marvin Kix, die der Außen, der “Halben“ und die am Kreis – die Berliner sind also durchweg gut besetzt. „Auch wenn die Spieler jung sind – sie treten wie eine intakte Männermannschaft auf.“
Es gibt jedoch mehrere Dinge, die das Trainergespann zuversichtlich auf den Sonntag schauen lassen. Das solide Spiel in Hildesheim mit sauberer Abwehrarbeit und der starken Torwart-Performance (Paul-Janis Twarz) zum Beispiel. Auch im Angriff gab es trotz der Defizite gelungene Aktionen. Die ausverkaufte Halle sollte ein Faktor werden. Tim Fröhlich: „Ich hoffe, dass uns die Zuschauer so pushen, dass sich alle Spieler hinterher sagen, dass sie diesen Sport genau für solche Spiele betreiben.“ Die Bedeutung dieses Derbys beschreibt Patrick Lehmann mit sechs Worten: „Es ist das Spiel des Jahres!“



