Kevin Lux: „Hinten Bollwerk, vorne Feuerwerk!“
Oranienburger HC – HSG Eider Harde 32:24 (18:10). Die Konstanz, die der Oranienburger HC in diesem Herbst an den Tag legt, ist beeindruckend: Das bekam am Samstagabend auch die HSG Eider Harde zu spüren. Im Spiel der 3. Liga Nord-Ost hatten die Norddeutschen keine reelle Siegchance. Von der ersten Minute an übte der Gastgeber einen enormen Druck auf die jungen Gäste aus, führte nach elf Minuten bereits 9:3. Zu diesem Zeitpunkt war fast jeder Wurf ein Treffer. Rückraumshooter Malte Dederding versenkte den Ball in den ersten zehn Minuten bereits sechsmal. In der Abwehr stibitzte der OHC der HSG die Bälle – so, wie er es seit Wochen mit seinen Gegnern in einer clever-robusten Art tut. „Was wir da in 7-gegen-6 oder 6-gegen-6 wegverteidigt haben, war schon sehr hohes Niveau“, freute sich Oranienburgs Trainer Darius Krai.
Die Abwehr entpuppt sich immer mehr als Prunkstück. Dabei helfen auch die sich stetig steigernden Torhüter, die im Spiel der Oranienburger ein echter Faktor geworden sind. Explodierte vor drei Wochen gegen die Füchse Berlin II Paul-Janis Twarz, hielt in Rostock und jetzt gegen Eider Harde Paul Porath den Kasten dicht; aber nicht allein. Am Samstag drang auch Justin Dehne in diese Phalanx ein. Der Keeper der Zweiten feierte sein überraschendes Debüt in der ersten Mannschaft – und was für eins! Nachdem er ganz kurzfristig in die Mannschaft rutschte, parierte er in den letzten Minuten nicht nur drei Bälle aus dem Spiel heraus, sondern auch noch einen Siebenmeter. „In so einer Situation wünscht man sich natürlich, dass man nicht ohne einen Erfolg aus dem Spiel geht. Das hat geklappt“, sagte er freudestrahlend. Obendrein erzielte er sogar noch ein Tor mit seinem Wurf ins verwaiste Gäste-Gehäuse.
Das passt im Moment ins Bild, es funktioniert sehr viel beim Tabellenvierten. Ebenfalls eine momentane Stärke ist der Angriff, der natürlich von der Abwehrarbeit profitiert. Mittelblocker Kevin Lux beschrieb es so „Hinten Bollwerk, vorne Feuerwerk!“
Zur Pause führte der OHC schon mit 18:10. Der ehemalige OHC-Torwart Ivan Szabo, der mal wieder unter den Zuschauern weilte, sagte zu dem Zeitpunkt: „Ich bin eigentlich hier, weil ich ein spannendes Spiel sehen wollte. Das war dann wohl nichts.“
Trotz des klaren Rückstandes ihres Teams feuerten die vielen mitgereisten Gästefans ihre Männer unaufhörlich und lautstark an. Doch an diesem Tag war gegen den Gastgeber kein Kraut gewachsen. Der hielt mit einer atemberaubenden Souveränität den Vorsprung, baute ihn zwischenzeitlich auf zehn Tore aus (20:10, 24:14, 28:18). Die Oranienburger Fans unter den 847 Zuschauern sahen einmal mehr ein Spektakel ihrer Mannschaft. Malte Dederding machte seinem Ruf als bester erfolgreichster „Feldtorschütze“ der Liga alle Ehre. Er überwand die HSG-Torwarte zwölfmal und kommt jetzt auf insgesamt 65 Treffer (alle aus dem Spiel heraus).
Die meisten Angriffe gegen die sehr variabel verteidigenden Gäste inszenierten Aaron Krai und Alexander Williams, die, wie Trainer Darius Kai sagt, so ziemlich das beste Rückraumduo der Liga sind – und damit Garanten für den Supersaisonstart.
Gästetrainer Matthias Hinrichsen sagt: „Dieser Sieg ist mehr als verdient. Wir hätten heute noch Stunden spielen können – gewonnen hätten wir nie.“
Oranienburg: P. Porath (1), Dehne (1) – Gerntke (1), Krai (3), Schmöker (6/3), Barten (1), Hase (2), Jantzen, Lux (1), Danowski (1), Fritz (1), Dederding (12), J. Porath, Williams (2)
Eider Harde: Suhr, Glumm (5), J. Oettershagen, Hamann, Hartwich (1), Scgmidt, Thomsen (1), Ketelsen, Atamann, Dau (2), Schneider (2), Kock (3), H. Oettershagen (5), Bies (1), Heckel (2), Rohwer (2)

