TSV Nord Harrislee – SV Todesfelde 25:35 (10:16)
Die Handballerinnen des TSV Nord Harrislee mussten den Tabellenführer SV Todesfelde am Ende doch in der Holmberghalle jubeln lassen. Mit 25:35 (10:16) hatten die Nordfrauen gegen den frischgebackenen Meister, der den Titel in der 3. Liga Nord somit in Harrislee holte, nach sechzig Minuten klar das Nachsehen. Bis Mitte der zweiten Halbzeit boten die Gastgeberinnen trotz kleinem Kader aber kämpferisch eine ansprechende Partie. Am Ende entschied die Mehrzahl der Optionen beim SV Todesfelde und deren brutale Effektivität aber klar das Schleswig-Holstein Derby. „Wir haben es nun zulassen müssen, dass Todesfelde die Meisterschaft in unserer Halle feiert. Der Plan heute war natürlich anders. Aber Glückwunsch natürlich an den SV Todesfelde. Sie haben es über die ganze Saison hinweg absolut verdient und sind durch die Liga marschiert. Die Meisterschaft kommt bei den Leistungen nicht von ungefähr“, sagte Nord-Trainer Hendryk Jänicke nach der Partie fair. „Kämpferisch kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, obwohl wir das Spiel zu Hause auch nicht mit zehn Toren verlieren müssen“, ergänzte Jänicke.
Nordfrauen mit wachem Start
Dabei hatte sein Team in der Startphase überzeugt. So zeigten die Nordfrauen den vom Trainer geforderten „Derbymodus“. Die Deckung stand gut und hatte zunächst sogar Todesfeldes Ausnahmespielerin Franziska Haupt im Griff. Nach sieben Minuten stand durch einen verwandelten Strafwurf von Liah Wiederhöft eine verdiente 4:3 Führung für die Nordfrauen. Doch bis zum nächsten Torerfolg für die Gastgeberinnen, der 5:4 Führung durch Leonie Mettner, dauerte es schon fünf weitere Minuten. Denn die Vielzahl an technischen Fehlern und zu kraftlosen Abschlüssen erhöhte sich drastisch. Mitte der ersten Halbzeit konnte Fina Walluks zwar zum 6:6 ausgleichen, doch danach spulte der SV Todesfelde sein Programm herunter. Zuvor alles andere als souverän auftretend, nutzten sie die Harrisleer Fehler und spielten nun besonnen ihre Angriffe zu Ende. Ein 0:3 Lauf aus Sicht des TSV Nord, sorgte für einen 6:9 Rückstand. Als Fina Walluks über die zweite Welle und vollendeten Tempogegenstoß auf 10:12 verkürzte, keimte im ersten Durchgang noch einmal Hoffnung auf. Doch die Durchschlagskraft im Angriff fehlte beim Jänicke-Team völlig und sie mündete weiter in überflüssigen Ballverlusten. So legten die Gäste per Umschaltspiel immer wieder nach und waren gnadenlos effektiv. In den letzten vier Minuten vor der Pause traf der SV Todesfelde noch vier Mal und so ging es mit einem ernüchternden 10:16 Rückstand aus Sicht der Nordfrauen in die Kabinen der Holmberghalle.
Im zweiten Durchgang mit Moral die Hoffnung auf die Wende
Kurz nach Wiederanpfiff erzielte Todesfeldes Lisa Hübner sogar das 10:17 und es schienen die Weichen auf Auswärtssieg für den designierten Meister schnell gestellt. Doch die Nordfrauen warfen noch einmal alles in die Waagschale. Sie rackerten in der Deckung mit starkem Zusammenhalt und zwangen so die Gäste zu überhasteten Abschlüssen und technischen Fehlern. Zudem zeigte Nord-Torhüterin Ina Petersen-Kröger tolle und wichtige Paraden. Fina Walluks und Sandra Nickel trafen zum 12:17 und auch durch das 12:18 von Rieka Thal, ließen sich die Nordfrauen nicht aus dem Konzept bringen. Mit viel Ruhe, aber vor allem Energie in Abwehr und Angriff wurde nun agiert. Tabea Schleemann schweißte einen Wurf mit Wucht in den linken Torwinkel, Liah Wiederhöft legte das 14:18 nach. Franziska Haupt schraubte mit dem 15:20 wieder auf einen Fünf-Tore-Vorsprung für den 3. Liga Primus (38.). Doch die Nordfrauen hatten nun einen Flow und kämpften sich noch näher heran. Kassandra Vogler verwandelte einen mustergültigen Pass der überragenden Nord-Spielmacherin Leonie Mettner an den Kreis zum 20:22 Anschluss (42.). Der SV Todesfelde zog die Notbremse in Form einer Auszeit, doch nach dieser eroberten die Nordfrauen erneut den Ball. Doch einem Wurf von Sandra Nickel fehlte die nötige Wucht, um zum 21:22 Anschlusstreffer im Todesfelder Netz zu landen. „Bei Sandras Schulterproblematik ist der Druck hinter dem Ball auch sehr schwer für sie zu erzeugen“, nahm Hendryk Jänicke seine Rückraumschützin zurecht in Schutz. Denn sie hatte an der starken Harrisleer Phase mit guten Ballpassagen ihren Anteil. Allerdings zeigte die Todesfelder Auszeit ihre Wirkung. Sie standen nun aggressiver in der Deckung und zudem hatten sie die Breite im Kader, der entscheidend war.
Todesfelde nach Balleroberungen brutal effektiv
Denn ihre Torhüterin Victoria Nigbur wurde nun immer stärker und zeigte viele Paraden. Vor allem aus der Nahwurfzone „kaufte“ sie den Nordfrauen beste Torchancen ab. Im Angriff übernahm nun die ehemalige Junioren-Nationalspielerin Franziska Haupt, mit ihrer Erfahrung aus der Bundesliga und 2. Bundesliga in Buxtehude und Travemünde das Heft des Handelns. Sie erzielte zwei der folgenden drei Gästetreffer zum 20:25 Mitte der zweiten Halbzeit. Dieser Fünf-Tore-Rückstand hatte knapp zehn Minuten vor Spielende beim 23:28 noch Bestand. Statt aber ein gutes Ergebnis zu erzielen, gingen die Köpfe bei den Nordfrauen zusehends nach unten. Zudem schaltete der SV Todesfelde noch einmal zwei Gänge höher. Franziska Haupt und Co., eroberten viele Bälle und trafen nach Belieben. Sie waren brutal effektiv. Binnen sieben Minuten rannten sie die Holmberghalle mit sieben Toren in Folge in Grund und Boden. Erst beim 23:35, ließ der feststehende Meister nach und neben dem Spielfeld wurden schon zweieinhalb Minuten vor Schluss die Titeltänze vollführt. So konnte der TSV Nord Harrislee zum 25:35 Endstand verkürzen. „Bis auf die letzten fünf Minuten spielen sie mit vier Rückraumspielerinnen durch und sind über die schnelle Mitte und zweite Welle erfolgreich gewesen. Das hat uns heute sportlich das Genick gebrochen“, sagte Harrislees Trainer Hendryk Jänicke abschließend über den Unterschied in der Partie. Jörn Saemann
TSV Nord Harrislee: Petersen-Kröger – Styrbæk (2), Wolff, Wiederhöft (3/2), Vogler (2), Mettner (7), Sandra Nickel (3), Falge (1), Walluks (3), Frauenschuh (1), Schleemann (2), Nele Nickel (1).
SV Todesfelde: Dumke, Nigbur – Wulf (3), Röhrig (6), Kardel (2), Kaps (1), Hübner (1), Asmussen (4), Schüller, Haupt (9), Ruge, Thal (6), Müller (1), Rose, Eggeling (2), Stübinger.
Schiedsrichter: Argav/Frankholz

