Nordfrauen nach Kraftakt gegen Schwerin zu fehlerhaft in Vechta
Die Handballerinnen des TSV Nord Harrislee mussten zum zweiten Mal binnen drei Wochen einen Doppelspieltag bestreiten. Nach den Siegen im Pokal gegen die HSG Eider/Harde (38:27) und beim TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck (34:33), war sogar der Rhythmus der gleiche. Ein Heimspiel am Freitagabend und 22 Stunden später am Samstag in der Fremde. Und wieder konnten die Nordfrauen in der Holmberghalle einen Erfolg feiern. Denn der Tabellenzweite SV Grün-Weiß Schwerin wurde nach einer fulminanten Aufholjagd mit 30:29 (9:13) bezwungen. In der Gastpartie bei SFN Vechta hatte das Team von Hendryk Jänicke aber mit 28:33 (15:18) das Nachsehen. „Gegen Schwerin haben wir eine große Mentalität gezeigt“, sagte der Nord-Trainer in seinem ersten kurzen Statement nach dem Heimspiel. „In Vechta haben wir zu viele technische Fehler gemacht und den Gegner zu Gegentoren eingeladen“, war die erste knappe Zusammenfassung einen Tag später.
TSV Nord Harrislee – SV Grün-Weiß Schwerin 30:29 (9:13)
Dabei war die Begegnung gegen den SV Grün-Weiß Schwerin zu Beginn von ebenso haarsträubenden Fehlern geprägt, wie beim Gastspiel in Vechta. In den ersten zehn Minuten präsentierten sich die Nordfrauen laut Jänicke „unterirdisch“. Einfachste Pässe wurden unpräzise gespielt und maximal im Nachfassen gesichert. Einige Bälle landeten unbedrängt im Seitenaus und Zuspiele im Schweriner Block. Die Mecklenburgerinnen, die im Positionsspiel im Angriff keine Bäume ausrissen, mussten so nur auf die katastrophalen Harrisleer Fehler lauern. Denn mit Tempogegenstößen kamen sie zum einfachen Erfolg. 1:6 leuchtete es von der Anzeigentafel der Holmberghalle (9.), als Hendryk Jänicke mit seiner ersten Auszeit die Notbremse zog. Die Partie war danach ausgeglichen und umkämpft, die schwache Angriffsleistung konnten die Nordfrauen zumindest durch steigende Präsenz in der Defensive kompensieren. Auch wenn der Rückstand sieben Minuten vor der Pause leicht auf 5:11 anwuchs, war das Jänicke-Team zurück im Spiel. Durch einen Doppelschlag von Tabea Schleemann, einem Treffer der rackernden Leonie Mettner und einem Tor der stark aufspielenden Nele Nickel, waren die Gastgeberinnen beim Wechsel mit 9:13 zumindest in Schlagdistanz. Im zweiten Durchgang ging es hin und her, wobei sich die Gäste oftmals auf zwei weitere Treffer absetzen konnten. Holten die Nordfrauen wieder auf vier Tore Distanz auf, blieb ihnen ein besserer Anschluss durch vergebene Tormöglichkeiten stets versagt. So schienen die Gäste aus der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns dreizehn Minuten vor Ultimo auf der Siegerstraße. Denn die Nordfrauen lagen mit 20:26 im Hintertreffen. Dann zeigte ein kluger Schachzug von Hendryk Jänicke im Angriff Wirkung, zudem agierte die Nord-Deckung gegen den Schweriner Angriff sehr aggressiv. In der eigenen Offensive hatte der Nord-Coach neben Kassandra Vogler auch Caya Uhl an den Kreis beordert. Das Duo band den Innenblock der Gästedeckung derart und riss Lücken für ihre Mitspielerinnen, so dass die Außenpositionen Bälle aus dem Rückraum bekamen. Dabei erzielte Liah Wiederhöft vom linken Flügel drei Treffer. Sie sorgte mit einem Geschoss in den rechten Torwinkel für großen Jubel auf der Tribüne. Denn es war nach einem 6:0 Lauf der 26:26 Ausgleich. Tabea Schleemann gelang sogar die 27:26 Führung von der Rechtsaußenposition. Da die Gäste nach sieben Gegentreffern in Serie auch wieder erfolgreich waren, ging es in vier umkämpfte Schlussminuten. Kassandra Vogler erzielte elf Sekunden vor Ultimo das umjubelte 30:29. Nach der finalen Gästeauszeit bewegte sich die Harrisleer Deckung sehr gut und der letzte Schweriner Wurf sorgte nicht mehr für Torgefahr. So tanzten die Nordfrauen am Ende, nach einem kaum noch erwarteten Heimsieg. „Durch das Spiel mit zwei Kreisläuferinnen haben wir Schwerin geknackt. Es kam in der letzten Viertelstunde noch einmal richtig Energie rein. Chapeau, dass meine Mannschaft das Spiel noch gedreht hat“, sagte der strahlende Hendryk Jänicke nach dem Handballkrimi am Freitagabend.
TSV Nord Harrislee: Petersen-Kröger – Styrbaek (2), Wiederhöft (4/1), Vogler (6), Mettner (4), Uhl (1), Sandra Nickel (2), Falge, Walluks, Frauenschuh (1), Schleemann (5), Nele Nickel (5).
SV Grün-Weiß Schwerin: Ivanytsia, Zoe Lorisch – Anna Schulz, Wichmann (1), Kugler (4), Ava Lorisch (2), Hanna Schulz, Böhmker (3/1), Schwarz (3), Zufelde (6), Jakobsen (6), Rappitsch (2), Kretschmer (2), Nowacki.
Schiedsrichter: Levermann/Rietenberg
Zuschauer: 94
SFN Vechta – TSV Nord Harrislee 33:28 (18:15)
Die Schlussviertelstunde des Heimspiels konnten die Nordfrauen in Vechta nicht konservieren. Dabei war der Start in die Partie durchaus gut. Liah Wiederhöft konterte den ersten Treffer der Gastgeberinnen mit einem Hattrick und der 3:1 Führung der Nordfrauen (6.). Danach geriet aber Sand ins Getriebe des Harrisleer Angriffs. „Wir haben uns zu viele technische Fehler erlaubt, die dann von Vechta bestraft wurden. Außerdem haben wir das Kreisspiel von ihnen überhaupt nicht in den Griff bekommen“, sagte Hendryk Jänicke und musste mit ansehen, wie seine Mannschaft das Spiel aus der Hand gab. Nach zwölf Minuten konnte Liah Wiederhöft zwar per Siebenmeter noch einmal zum 5:5 ausgleichen, dann gerieten die Nordfrauen aber binnen zwei Minuten mit 5:8 ins Hintertreffen. Die Gastgeberinnen agierten danach mit ihrem bekannten Spiel über den Kreis. Aus der Nahwurfzone war Svenja Ruhöfer zumeist erfolgreich. Zudem holte sie einige Strafwürfe heraus. In den gesamten sechzig Minuten verwandelte sie sieben von acht Siebenmetern. So lag SFN Vechta stets mit drei oder vier Treffern in Front. Fünf Minuten vor der Pause konnte Liah Wiederhöft noch einmal für den 13:14 Anschluss sorgen. Doch durch zu viele Fehler, fielen die Gäste von der dänischen Grenze noch bis auf 15:18 zurück. Nach dem Wechsel versuchten die Nordfrauen dem Spiel eine Wende zu geben, agierten dabei aber zu fahrig. „Wir haben ohne Torhüterin und einer Feldspielerin mehr versucht, unsere Angriffe besser zu gestalten. Das ist aber überhaupt nicht gelungen. Wir nehmen uns Halbchancen aus Positionen, wo kein guter Abschluss möglich ist. So kassieren wir in der zweiten Halbzeit völlig unnötig fünf Empty-Goal Gegentore. Dazu war unser Rückzugsverhalten viel zu schlecht“, bemängelte Nord-Trainer Hendryk Jänicke. So gab es einen 0:8 Negativlauf nach dem 17:20 (32.), der in einem desolaten 17:28 Rückstand mündete (44.). Mitte der zweiten Halbzeit kämpften sich die Nordfrauen dann zurück, drei Minuten vor dem Abpfiff war der Rückstand auf 27:31 gemildert. Am Ende stand die 28:33 Niederlage und für Hendryk Jänicke eine bittere Erkenntnis. „Es war nach dem Spiel am Abend zuvor, heute keine Frage der Kraft. Wir haben einfach unfassbar viele technische Fehler gemacht. Und wenn das passiert, knallt es hinten ins eigene Tor. Ohne die hohe Fehlerquote, hätten wir das Spiel wahrscheinlich gewonnen“, ärgerte sich der Nord-Trainer über die durchaus vermeidbare Niederlage.
SC SFN Vechta: Kühling, Guderle – Meyer, Kuhlmann, Hülsmann (1), Veltmann (2), Mehrtens (3), Beermann, Learetta, Ruhöfer (15/7), Post, Piegsa (4), Dudda (3), Esteves, Janßen (4), Schreiber (1).
TSV Nord Harrislee: Petersen-Kröger – Styrbæk, Wiederhöft (11/1), Vogler, Mettner (5), Falge (1), Walluks (3), Frauenschuh, Schleemann (1), Tolksdorf (5), Nele Nickel (2).
Schiedsrichter: Ebel/Otten
Zuschauer: 250
Jörn Saemann


