Nach dem 38:40 im Hinspiel gerät auch das Rückspiel zu einem echten Torspektakel. In der Crunchtime merkte man den Essenern die kräftezehrende Woche an.
Handball-Zweitligist TUSEM Essen hat das Derby beim TSV Bayer Dormagen verloren. Die Mannschaft von Cheftrainer Kenji Hövels unterlag den Rheinländern am Samstagabend mit 35:39 (18:17) und verpasste somit den dritten Sieg binnen einer Woche. Finley Werschkull war mit neun Toren bester Essener Torschütze, für Dormagen Florian Boehnert siebenmal erfolgreich.
Nach dem Derbysieg unter der Woche gegen die HSG Krefeld Niederrhein (40:32) wollte der TUSEM den Schwung in das zweite Derby binnen weniger Tage mitnehmen. Und das gelang zu Beginn prächtig: Die Deckung zeigte sich höchst aufmerksam, vorne nutzte die Hövels-Sieben ihre Chancen effizient. Eine 6:2-Führung war die Folge, TSV-Coach Julian Bauer buzzerte früh zum ersten Timeout. Dieses sollte dann schnell seine gewüschte Wirkung entfalten: Dormagen drehte mit einem 7:2-Lauf das Spiel, dem TuSEM entschwand in dieser Phase die Leichtigkeit der Anfangsminuten (8:9, 17. Minute). Im gebundenen Angriff hatten beide Mannschaften bisweilen ihre Schwierigkeiten, sodass das jeweilige Tempospiel oft Trumpf war. Das Spiel kippte allerdings schnell wieder zugunsten der Essener, was auch daran lag, dass Torhüterparade hüben wie drüben eine recht untergeordnete Rolle spielten. So führte der TuSEM mit 16:13 respektive 18:15, legte aber unkonzentrierte Schlusssekunden auf das Parkett, sodass der TSV zur Pause auf ein Tor verkürzen konnte (18:17).
Durchgang zwei startete ausgeglichen, der TUSEM verteidigte zunächst seinen knappen Vorsprung. In Minute 39 brachte Luca Krist Dormagen dann mal wieder in Führung, der 20-Jährige profitierte von einem Werschkull-Fehlwurf in Essener Überzahl. Von nun an musste der TuSEM hinterherlaufen, was angesichts der kräftezehrenden englischen Woche eine unliebsame Aufgabe war. Ein Außen-Doppelpack seitens Werschkull und Eißing binnen 38 Sekunden brachte elf Minuten vor Schluss das 30:30 – die Essener waren trotz defensiver Schwächen weiterhin voll in der Verlosung. An alter Wirkungsstätte war es dann erneut Werschkull, der die mitgereisten Fans jubeln ließ – sein Treffer zum 34:35 sollte allerdings der vorletzte Essener Torerfolg an diesem Abend sein. Hinten bekam der TuSEM in der Crunchtime keinen Zugriff mehr, während vorne spür- und sichtbar die Kräfte ausgingen. Dormagen hingegen blieb cool und erzielte dreizehn Sekunden vor Schluss den 39:35-Endstand. Damit warten die Essener weiterhin seit 2018 auf einen Sieg im TSV-Bayer-Sportcenter.
Rückraumspieler Oskar Kostuj zeigte sich im DYN-Interview enttäuscht über die Niederlage, hatte aber auch einen Blick für das große Ganze: „Uns war klar, dass wir hier ein kampfbetontes Spiel erwarten können, was an den Spielweisen beider Mannschaften liegt. Ja, wir hatten viel Belastung in der Woche, das darf aber keine Ausrede sein. Am Ende machen wir ein paar Fehler zu viel. Jetzt gerade sind wir frustriert, aber wir haben in dieser Woche vier wichtige Punkte geholt.“
In der Tabelle ist Dormagen wieder an den Essenern vorbeigezogen, die momentan Platz 16 belegen. Für den TUSEM steht nun wieder ein Heimspiel auf dem Programm. Am kommenden Freitagabend (6. März) ist der VfL Eintracht Hagen in der Arena „Am Hallo“ zu Gast. Anwurf ist um 19:30 Uhr.
TSV Bayer Dormagen – TuSEM Essen 39:35 (17:18)
TSV Bayer Dormagen: Oberosler (drei Paraden, 16%-Quote), Simonsen (sieben Paraden, 28%-Quote) – Krist (6), Bertl, Leis, Boehnert (7), Kriescher (5), Böckenholt (3/3), Schroven (6), Strosack (3/2), M. Schmidt (1), J. Schmidt (1), Pauli (5), Sondermann, Hein (2)
TUSEM Essen: Knaack (sechs Paraden, 17%-Quote), Plaue (eine Parade, 10%-Quote) – Becker, Mart (5/2), Willner (5), Wolfram, Homscheid (2), Reimer, Eißing (6), Buschhaus, Wolf, Neuhaus (4), Kostuj (3), Hejny (1), Mast, Werschkull (9)
Schiedsrichter: Felix Henker und Stefan Schirmacher
Zeitstrafen: 2 – 2
Siebenmeter: 5 – 2



