Es ist Highlightspiel und Herkulesaufgabe in einem, wenn die Handballer des HC Oppenweiler/Backnang am Sonntag (17 Uhr) den HBW Balingen-Weilstetten zum württembergischen Duell in der Backnanger MURRTAL-ARENA empfangen. Der Aufsteiger ist klarer Außenseiter gegen das Topteam und geht das Match ein wenig im Stile eines Pokalspiels an.
Es ist ein Duell der Gegensätze. Der Zweitliga-Neuling bestreitet erst sein neuntes Spiel in dieser Liga. Der HBW ist etabliert und spielt seit seinem erstmaligen Aufstieg im Jahr 2003 seine 23. Saison in einer der beiden höchsten Spielklassen. Die Zielsetzungen könnten nicht unterschiedlicher sein. Der HCOB will als Neuling drinbleiben, der HBW den Aufstieg in die erste Liga schaffen. Und wie sieht die aktuelle tabellarische Lage aus? Auch sie ist gegensätzlich. Während der HCOB auf den ersten Sieg wartet, hat sich der HBW mit 12:4 Punkten vorne in Position gebracht.
Trotz aller Unterschiede ist das Württemberg-Duell auch ein Vergleich zwischen alten Bekannten. Schon vor über 40 Jahren standen sich die Clubs aus dem Murrtal und von der Zollernalb auf Stammvereinsebene gegenüber. Der TV Oppenweiler maß sich mit den „Lochenfüchsen” vom TV Weilstetten. 1983 spielten beide Vereine im Rohrbachtal um die württembergische Meisterschaft auf dem Großfeld, dann gab es die ersten Duelle in der Halle. Der heutige HCOB-Kassierer Thomas Bühler warf sein Team 1986 in der altehrwürdigen Längenfeldhalle zu einem richtungsweisenden Auswärtssieg. Einige Wochen später stieg er mit seinem Team in die Regionalliga auf. Die Weilstettener folgten. Über ein Jahrzehnt lang stand das Duell regelmäßig auf der Agenda. 2003 trennten sich die Wege, nun kommt es zum Wiedersehen. Es ist, ganz ungeachtet der sportlichen Lage, eines der Highlightspiele für den HC Oppenweiler/Backnang.
Ausgeblendet werden kann diese natürlich nicht. Dafür waren die Ergebnisse zuletzt zu enttäuschend. Gegen die gut eingespielten und zudem im Flow befindlichen Teams aus Hagen und Großwallstadt war für die HCOB-Handballer nichts zu holen. Besonders deutlich wurde, dass das Team in Punkto Dynamik und Intensität derzeit nicht auf dem Level anderer Zweitligamannschaften ist. Zu Beginn der Runde sahen die Ergebnisse etwas besser aus, weil auch die anderen Mannschaften erst in die Saison finden mussten. Zuletzt war das schmale Buch der taktischen Varianz von den Trainern der anderen Zweitligisten weitestgehend dechiffriert.
Diese Defizite sind erkannt, sie sind im Mannschaftskreis angesprochen, und es wird mittlerweile an ihnen gearbeitet. Aber klar ist auch: einige Schwachpunkte sind grundlegender Art und vermutlich nicht in wenigen Tagen und Wochen aufzuholen. Die neuen Coaches Tobias Klisch und Volker Blumenschein müssen daher einen Spagat zwischen der Arbeit an Grundlagen und der konkreten Vorbereitung auf die jeweils nächsten Spiele finden.
Dass in den Begegnungen der kommenden Wochen ein Überraschungssieg gelingt, ist nicht ausgeschlossen. Klar ist aber auch: die Handballer aus dem Murrtal werden regelmäßig als Außenseiter antreten. Sie werden – einem Pokalspiel ähnlich – über sich hinauswachsen müssen, um Spiele so zu gestalteten, dass sich die Chance auf Punkte auftut. Gegen ein Topteam wie den HBW gilt das in besonderer Weise. Zugleich ist das Ziel klar definiert: Es soll fortan Woche für Woche mehr deutlich werden, dass im Training gut und zielstrebig gearbeitet wird. Und im Spiel muss zu erkennen sein, dass Leidenschaft und Wille zu keiner Zeit fehlen – dann wird das auch von den treuen Zuschauern honoriert.
Was das Match am Sonntag angeht, so hat HCOB-Coach Volker Blumenschein neben vielen anderen Aspekten vor allem das starke Umschaltspiel des Rivalen im Blick. Der HBW versuche bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Gegenstoß anzusetzen. „Wir benötigen deshalb im Angriff das richtige Maß aus Geduld und Intensität für gute Abschlussmöglichkeiten.“ Auch nach erfolgreichen Angriffen sei ein sehr guter Rückzug wichtig, „weil der HBW nach einem Gegentor immer zur schnellen Mitte ansetzt.“
Rund ums Spiel
Das Duell der beiden württembergischen Teams lockt viele Zuschauer an, auch aus Balingen reisen einige Schlachtenbummler an. Die Sitzplätze sind ausverkauft. Allerdings gibt es noch Stehplatzkarten, sowohl online unter www.hcob.de/tickets wie auch an der Tageskasse der MURRTAL-ARENA.
HCOB-Handballer Niklas Diebel hat schon für den HBW gespielt. Unter der Woche war der Rückraumspieler angeschlagen, aber die Chancen auf einen Einsatz am Sonntag stehen gut. Bei Valentin Abt sieht es nicht so gut aus, die Gefahr eines Ausfalls ist recht hoch. Dafür ist Außenspieler Cedric Mayer wieder fit und zurück im Kader.
Beim HBW gibt es keinen Akteur mit Vergangenheit beim sonntäglichen Heimteam, aber zumindest einen Sportler, dessen handballerische Wurzeln im Rems-Murr-Kreis liegen: Till Wente machte erste handballerische Schritte beim SV Fellbach.
Einen Livestream der Begegnung gibt es auf DYN.
HBW-Handballer haben den Erstliga-Aufstieg im Visier
Gemeinsam mit der SG BBM Bietigheim zählt die Mannschaft von HBW Balingen-Weilstetten zu den am häufigsten genannten Kandidaten für den Aufstieg in die erste Bundesliga. Die Mannschaft von der Zollernalb ist diesen Vorschusslorbeeren bislang gerecht geworden. Sie hat sich in der Spitzengruppe der Liga etabliert. Am vergangenen Wochenende gewann sie das Heimspiel gegen den TuS Ferndorf mit 35:31. Mit dem schnellen Außenspieler Sascha Pfattheicher hat der HBW den erfolgreichsten Torschützen der laufenden Saison in seinen Reihen. Er wurde zuletzt als Spieler des Monats September der zweiten Handball-Bundesliga ausgezeichnet.
Der HBW ist eine Spielgemeinschaft aus dem TV Weilstetten und der TSG Balingen, die seit 2002 besteht. Bereits im ersten gemeinsamen Jahr schaffte der Verein den Sprung in die zweite Bundesliga, die damals noch in zwei Gruppen aufgeteilt war, in der er sich schnell etablierte. Nur drei Jahre später gelang dem Club der erstmalige Aufstieg in die erste Bundesliga, in der er sich viele Jahre wacker hielt. Zuletzt spielte der Verein in der Saison 2023/2024 in der höchsten Liga. Im vergangenen Jahr verpasste die Mannschaft die Rückkehr als Vierter knapp, nun unternimmt der Club einen neuen Anlauf. Dafür hat er seinen Kader geschickt mit Spielern ergänzt, die in der Vergangenheit bei anderen Vereinen dieser Liga wichtige Leistungsträger waren. Außerdem gelingt es dem HBW immer wieder, Spieler aus der eigenen Jugendarbeit sowie aus der zweiten Mannschaft in den Bundesligakader zu entwickeln.



