Der 1. VfL Potsdam hat am Samstagabend zum Auftakt der neuen Saison in der 2. Handball-Bundesliga einen knappen 31:30 (17:16)-Auswärtssieg beim HSC 2000 Coburg gefeiert. Vor 1.676 Zuschauern in der hitzigen HUK-COBURG arena sicherte sich die junge Mannschaft von Trainer Emir Kurtagic dank einer nervenstarken Mannschaftsleistung und eines überragenden Marvin Siemer (11 Tore) die ersten zwei Punkte der Spielzeit.
Das Spiel startete ohne jede Anlaufzeit mit extrem hohem Tempo auf beiden Seiten. Den ersten Treffer der Partie kassierte Potsdam durch Coburgs Kapitän Jakob Knauer. Die Adler antworteten: Marvin Siemer glich in der zweiten Minute zum 1:1 aus. In der Folge entwickelte sich eine völlig offene Anfangsphase, in der die Führung permanent wechselte (5:5, 7. Minute).
Beim VfL lief offensiv extrem viel über William Reichardt, der mit starken Durchbrüchen den Coburger Innenblock knackte und das Spiel lenkte. Nach zehn Minuten erarbeiteten sich die Hausherren beim Stand von 6:8 erstmals einen Zwei-Tore-Vorsprung. Potsdam blieb jedoch ruhig. Angetrieben von Florian Budde, der per Doppelschlag zum 10:10 ausglich, fing sich der VfL wieder. Die Adler bestraften die zunehmenden technischen Fehler der Coburger eiskalt. Kurz vor der Pause markierte Tim Schröder den Ausgleich zum 16:16, ehe Siemer mit der Pausensirene die knappe 17:16-Halbzeitführung für Potsdam besorgte.
Den Schwung nahm das Team direkt mit in den zweiten Durchgang. Erneut war es Siemer, der einen Siebenmeter im Duell gegen Coburgs Torwart Apfel verwandelte. Nur wenig später legte Markus Mahr zum 19:16 nach (32. Minute) – der VfL lag erstmals mit drei Toren vorn. Coburg stieß in dieser Phase an seine Grenzen, während Potsdam mit spielerischer Leichtigkeit agierte. Die Defensive der Adler stand nun deutlich kompakter als in den ersten 30 Minuten und erzwang wichtige Ballverluste.
Über die Zwischenstände von 21:18 (37.) und 25:22 (44.) behauptete der VfL die Führung souverän. Als ein Coburger Angreifer den Ball verwarf, nutzte Potsdam die Gunst der Stunde: Ausgestattet mit hoher Nervenstärke und gnadenloser Effizienz erhöhten die Adler rund 13 Minuten vor dem Ende per Außen-Dreher auf 28:23. Fünf Tore Vorsprung – die Vorentscheidung schien gefallen zu sein.
Doch das Spiel wurde in den letzten zehn Minuten noch einmal richtig hektisch, auch getrieben von einem lautstarken Heimpublikum. Der HSC mobilisierte die letzten Kräfte. Zudem schaffte es Potsdam im Angriff plötzlich nicht mehr, Kapital aus den Chancen zu schlagen. Coburgs Torhüter Petros Boukovinas lief zur Höchstform auf und entschärfte reihenweise Potsdamer Würfe.
Coburg verkürzte in der 56. Minute auf 27:30 und kam in den Schlusssekunden sogar bis auf ein Tor heran. Die Halle kochte, doch Potsdam rettete den Erfolg über die Ziellinie: Genau 20 Sekunden vor dem Abpfiff machte der VfL mit dem Treffer zum 31:29 den Deckel endgültig drauf. Der anschließende Coburger Treffer zum 31:30 fiel zeitgleich mit der Schlusssirene und war nur noch Ergebniskosmetik.
Marvin Siemer, 1. VfL Potsdam: „Ich glaube, am Ende rettet uns die Zeit, weil wenn es fünf Minuten länger gegangen wäre, hätte es uns schon auf die Füße fallen können. Deswegen bin ich froh, dass wir es geschafft haben, aber es waren die ersten 50 Minuten, die wir sehr stark gespielt haben. Wir hatten eine kompakte Abwehr und sind vorne geduldig geblieben, was auch unser Ziel von Anfang an war und das hat geholfen, gerade in der Arena ist es unangenehm zu spielen. Wir hatten letzte Woche in Vinnhorst schon ein sehr unangenehmes Pokalspiel, wo wir eigentlich lange hinten lagen und es dann noch gedreht haben. Auch hier haben wir wieder Nervenstärke bewiesen, das hilft unserer jungen Mannschaft unfassbar und so wächst sie auch ungemein zusammen. Zuhause gegen Hüttenberg das nächste Spiel wird auch unangenehm werden, weil sie spielen auch echt einen sehr guten Handball und haben das auch schon gegen Großwallstadt bewiesen. Wir müssen im Fokus bleiben und dürfen die nächsten Spiele auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen, weil das ist in dieser Liga vor allem verheerend.“
1. VfL Potsdam: Höler (2 Paraden), Grundmann (6); Budde (3), Siemer (11/5), Reichardt (4), Mahr (5), Paulnsteiner (3), Bulzamini, Günther (1), Hildenbrand, Grüner, Schröder (4), Grundmann L., Romei
HSC 2000 Coburg: Boukovinas, Apfel, Knauer (4), Krone, Bis (3), Kontrec, Valkovskis, Düsterhöft (1), Belbey, Pfänder, Schindler (3), Savvas (7/1), Weßeling (6/3), Röller (3), Kroyan, Lisac (3)




