„Um in Gummersbach eine Chance zu haben, da muss bei uns alles über 60 Minuten passen“, hatte Eisenachs Linksaußen Vincent Büchner vor der Abfahrt ins Oberbergische erklärt. Nicht nur, dass bei den Wartburgstädtern nicht alles passte, der mit Nationalspielern verschiedener Nationen gespickte VfL Gummersbach präsentierte sich eine Woche nach dem 33:26-Erfolg über die SG Flensburg-Handewitt erneut in Topform, hält mit dem 35:27 (17:13) über den ThSV Eisenach Anschluss im Kampf um die Champions-League-Plätze. Für die Wartburgstädter war es im 31. Punktspiel gegen den VfL Gummersbach die 22. Niederlage.
Beide Mannschaften hatten ihren Anteil an einem temposcharfen und rassigen Handballspiel, beidseits fair geführt. Die sicher amtierenden Schiedsrichter Konrad Grimmler und Jannik Rips verhängten eine einzige Zeitstrafe, die an Eisenachs Tillman Leu.
Die 4.132 Zuschauer in der erneut ausverkauften Schwalbe Arena erlebten eine Miro-Schluroff-Show. Der Rückraumspieler markierte gleich 12 Treffer. Bestens unterstützt von seinem EM-Silbermedaillen-Gewinner-Kollegen Julian Köster (6 Tore), dem niederländischen Auswahlspieler Kay Smits (7) und dem Schweden Ludvig Hallbäck (3). Da bleibt selbst für einen Ausnahmehandballer Kentin Mahe nur die harte Wechselbank. Das Torhüterduell entschied des Gummersbacher Duo Dominik Kuzmanovic/Bertram Obling mit einer Fangquote von 36 Prozent (15 von 42 Bällen). ThSV-Keeper Matija Spikic wehrte 12 von 47 Bällen ab, was einer Fangquote von 26 Prozent entspricht.
Trainerikone Sead Hasanefendic schaute bei zwei Ex-Vereinen zu
Sead Hasanefendic ist eine Trainerikone. Er war mehrfach Trainer beim VfL Gummersbach, sprang bei den Oberbergischen immer wieder ein, drohte der Absturz aus der 1. Liga. Und der drohte mehrfach. (Nach der Saison 18/19 ging es dann für den VfL Gummersbach doch für 3 Jahre in die 2. Liga. Da saß Sead Hasanefendic aber nicht auf der Bank.) Sead Hasanefendic übernahm im Sommer 2018 den ThSV Eisenach nach dessen Abstieg von der 2. in die 3. Liga, führte ihn postwendend in das Unterhaus zurück und schaffte mit ihm den Klassenerhalt. Seine Liebe zu beiden Vereinen führte den inzwischen 77-Jährigen am Donnerstag in die Schwalbe Arena. „Der VfL Gummersbach befindet sich momentan in einer Superform, kann auch alle Spitzenteams der Liga bezwingen, war für diese Partie klar favorisiert. Er brauchte, im Gegensatz zum ThSV Eisenach, am vergangenen Spieltag nicht ran, konnte sich ausruhen. Der Wunsch des ThSV Eisenach, Zählbares mitzunehmen, war spürbar. Ich war vom Auftritt dieser neuen und jungen Eisenacher Mannschaft sehr angenehm überrascht. Ich habe viel Potential gesehen. Der neuverpflichte Dominik Solak ist eine Bereicherung, wird sich weiter integrieren und dem Team helfen. Max Beneke kann sicherlich noch mehr. Die Gummersbacher profitierten von ihrer bärenstarken Rückraumreihe, einem Galaangriff, der den übergroßen Teil der Tore markierte. Eisenach gelangen nur wenige Rückraumtore. Den Gummersbacher Rückraum zu stellen, hätte es einer offensiveren und einsatzstärkeren Abwehr bedurft. Sie war zu reserviert, wodurch dem VfL viele einfache Tore gelangen. Es hätte auch eine besseren Torwartleistung gebraucht. Der Eisenacher Rückraum muss noch torgefährlicher werden. Die Zahl der technischen Fehler war beim ThSV Eisenach zu hoch. Die jungen Leute haben viel Potential. Ich habe sehr gute Flügelspieler ausgemacht. Ich möchte noch einmal unterstreichen, nach den Veränderungen im Sommer des Vorjahres hat sich der ThSV Eisenach unter Leitung von Sebastian Hinze sehr gut entwickelt. Ich verfolge das aus der Ferne und freue mich darüber. Sicher werde ich bald auch mal wieder nach Eisenach kommen, ein Spiel in der Werner-Aßmann-Halle verfolgen. Ich habe während meiner Zeit in Eisenach viele Freundschaften geknüpft, die Bestand haben“, erklärte der im Umkreis Gummersbach wohnende Sead Hasanefendic.
Endergebnis spiegelt den Spielverlauf nicht wieder
„Der ThSV Eisenach ist ein extrem unangenehmer Kontrahent, ich hatte im Vorfeld kein besonders gutes Gefühl“, gab Gudjon Sigurdsson, der Coach des VfL Gummersbach, nach der Partie zu. Da hatte er sicherlich auch noch die 29:32-Niederlage seines Teams beim Hinspiel in Eisenach im Kopf. „In Eisenach fabrizierten wir 15 technische Fehler, heute nur 3“, stellte Gudjon Sigurdsson zufrieden fest. Den Eisenachern unterliefen hingegen bei der Neuauflage 12 technische Fehler. „Ich bin unzufrieden mit dem Ergebnis, über weite Strecken haben wir aber gut gespielt. In den letzten 15 Minuten fand der VfL Gummersbach allerdings bessere Lösungen“, vermerkte Sebastian Hinze, der Coach des ThSV Eisenach. „Wir haben uns mit unserer jungen Mannschaft gut präsentiert, waren dem Favoriten ein unangenehmer Kontrahent. Einsatz und Moral haben gestimmt. Leider unterliefen uns zu viele individuelle Fehler. Das Endergebnis spiegelt den Spielverlauf nicht wieder“, resümierte Eisenachs Geschäftsführer Rene Witte. Volle Konzentration gelte nun dem Heimspiel gegen den HC Erlangen, am Donnerstag, 26. Februar 2026 um 19.00 Uhr. (Tickets sind online erhältlich unter www.thsv-eisenach.de.)
Gummersbach im Tempospiel erfolgreich
„Zu Beginn der Partie hat uns der VfL Gummersbach mit viel Tempo überlaufen. Unser Rückzug klappte nicht. Mitte der ersten Halbzeit lief es bei uns in Angriff und Abwehr besser, wir kamen auch zum Ausgleich, blieben auf Tuchfühlung“, reflektierte Max Benecke. „Anfangs hat uns Gummersbach überrannt“, räumte auch Sebastian Hinze ein. „Über die schnelle Mitte und die zweite Welle waren wir erfolgreich, haben uns im Positionsangriff 6 gegen 6 schwergetan“, konstatierte Gudjon Sigurdsson. Erstmals stand der nach der EM gekommene Dominik Solak beim ThSV Eisenach in der Startformation, gemeinsam mit Regisseur Felix Aellen und Stefan Seitz im Rückraum. Die Außenpositionen besetzten durchgängig Vincent Büchner (li.) und Gian Attenhofer (re.). Beide konnten nicht so auftrumpfen, wie beim 33:31-Heimsieg über den Bergischen HC. Philipp Meyer löste zunächst Gian Attenhofer für Abwehraufgaben ab. Peter Walz orientierte sich anfangs mehr im Rückraum. Beide Teams setzten auf hohes Tempo. Nach nicht einmal 7 Minuten waren 11 Tore zum 6:5 gefallen. Jeder Schluroff-Ball zappelte, zumeist aus dem linken Rückraum, im Netz des Eisenacher Kastens. „Wir hatten ja schon im Vorfeld die individuelle Klasse von Miro Schluroff und Julian Köstner thematisiert. Miro Schluroff erwischte einen Sahnetag, beide waren gut aufgelegt“, erklärte Vincent Büchner. Als Einläufer von Linksaußen versuchte er immer wieder Lücken zu schaffen. Das 7:5 durch Kay Smits beantworteten die Eisenacher durch Treffer von Stefan Seitz und Dominik Solak zum 7:7 (12.). Es war der letzte Gleichstand. „Wir blieben aber dran, haben gut mitgehalten“, befand Eisenachs Abwehrchef Philipp Meyer. VfL-Abwehrspezialist Tom Kiesler nutzte einen eigenen Ballgewinn zum 9:7 (14.). Miro Schluroff versenkte mit seinem 6. Treffer zum 13:9 (18.). Felix Aellen und Vincent Büchner scheiterten an VfL-Keeper Dominik Kuzmanovic, mit Kroatien bei der EM. Dominik Solak traf in Unterzahl (16:12/24.). „Leider lassen wir freie Bälle weg, gestatten dem Gastgeber einen 4-Tore-Vorsprung zur Halbzeitpause“, ärgerte sich Max Beneke.
ThSV Eisenach versuchte es im 7 gegen 6
Eine gute Wurfquote von Julian Köster, Miro Schluroff und Kay Smits registrierte Gudjon Sigurdsson auch für den zweiten Abschnitt. Den Eisenachern gelang es aber, einige Schluroff-Bälle zu blocken. Die Gesamtwurfquote des VfL Gummersbach betrug 66 Prozent (die des ThSV Eisenach 61 Prozent). Von einem „soliden Start in die zweite Halbzeit“ sprach Philipp Meyer. Zu verkürzen, sei aber nicht gelungen. „Unsere Gegenwehr in der Defensive war zu wenig“, räumte Vincent Büchner kritisch an. Der nach einem Wurf unglücklich gefallene Dominik Solak wurde von Oskar Joelsson abgelöst. Stefan Seitz und Max Beneke wechselten sich im rechten Rückraum ab. Die Hausherren setzen auf zwei Angriffs- und Abwehrwechsel. Tom Kiesler, auch kürzlich mit Deutschland EM-Silber erringend, ordnete die Gummersbacher Abwehr. Felix Aellen steuerte immer wieder mit Vehemenz die Nahtstellen der Abwehr der Hausherren an, war auch mit 7 Treffern bester ThSV-Werfer. Die Eisenacher ließen die Oberbergischen zunächst nicht weiter enteilen. Felix Aellen verwandelte einen an Oskar Joelsson verursachten Strafwurf zum 24:19 (40.). „Uns unterliefen dann zu viele technische Fehler, wir mussten abreißen lassen“, bekannte Max Beneke. Der VfL Gummersbach netzte zum 27:19 ein (43.). Die Eisenacher resignierten nicht, setzten nun auf das 7 gegen 6. Vincent Büchner, Stefan Seitz, Oscar Joelsson und Peter Walz überwanden VfL-Schlussmann Dominik Kuzmanovic (30:25 (53.). Dann drehten Miro Schluroff und der leichtfüßige Ludvig Hallbäck noch einmal auf. Den letzten ThSV-Treffer markierte Dominik Solak. Vom Siebenmeter-Strich traf dann Kay Smits zum 35:27-Endstand. Der VfL Gummersbach bejubelte seinen 8. Heimsieg im 11. Heimspiel (bei zwei Remis). Lediglich der SC Magdeburg entführte beide Zähler.
ThSV-Talent Tim Nothum schaute bei seinen Vorbildern vorbei
Der 17-jährige Luxemburger Tim Nothum zählt zu den hoffnungsvollsten Talenten des ThSV Eisenach. Er spielt in der 2. Männermannschaft und in der A-Jugend des ThSV Eisenach, mit der er die Qualifikation zur Jugendbundesliga schaffen will. Der Nachwuchs-Auswahlspieler Luxemburgs nutzte die Winterferien in Thüringen zur einem kurzen Heimatbesuch, machte mit seiner Familie auf der Rückfahrt nach Eisenach Station in Gummersbach, beim Bundesligaspiel in der Schwalbe-Arena, bei seinen Vorbildern, denen er nacheifert. Hier mal aufzulaufen, ist das Ziel von Tim Nothum. Am kommenden Wochenende hat er erst einmal Doppelschicht beim ThSV Eisenach, in der MHV-Regionalliga Männer gegen den HSV Bad Blankenburg (Samstag um 19.30 Uhr in der Werner-Aßmann-Halle) und in der THV-Regionalliga der A-Jugend gegen den VfB TM Mühlhausen (Sonntag um 13.00 Uhr in der Werner-Aßmann-Halle).
Statistik
VfL Gummersbach: Kuzmanovic (14 Paraden), Obling (1 Parade); Vidarsson (2), Rodrin (2), Vujovic, Köster (6), Blohme, Häseler (1), Einarsson, Schluroff (12), Hallbäck (3), Mahe, Horzen (1), Kiesler (1), Smits (7/2), Zeman
ThSV Eisenach: Spikic, Heinevetter; Joelsson (2), Reichmuth, Beneke (1), Attenhofer (3), Walz (2), Ende, Aellen (7/3), Meyer, Solak (4), Antonijevic, Seitz (3), Kurch, Büchner (3), Leu (2)
Siebenmeter: VfL Gummersbach 2/2 – ThSV Eisenach 3/4
Zeitstrafen: VfL Gummersbach 0 – ThSV Eisenach 1 x 2 Min.
Schiedsrichter: Gimmler/Rips
Zuschauer: 4.132 (ausverkauft)
Th. Levknecht



