Der Rechtsaußen der HSG Wetzlar hat mit der slowenischen Handball-Nationalmannschaft ein tolles Olympia-Turnier gespielt, eine Medaille aber knapp verpasst. Das wurmt den Linkshänder extrem. Er nimmt aber viele positive Eindrücke aus Paris und Lille mit.
Domen Novak gab noch einmal alles, sprang von Rechtsaußen in den Kreis, um den Ball, der gerade vom spanischen Torwart abgewehrt wurde, doch noch einmal ins Spiel oder vielleicht sogar ins Tor zu bringen. Doch er kam nicht richtig heran. Die letzten Sekunden liefen gnadenlos von der Uhr.
Schließlich stand ein 22:23 auf der Anzeigetafel. Sloweniens Handballer sackten enttäuscht in sich zusammen, die spanischen Spieler tanzten und hüpften vor Freude übers Feld des gigantischen Stade Pierre-Mauroy in Lille. Aus der Traum vom Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen für Domen Novak und Co. Die, die neben dem deutschen Team zu den positiven Überraschungen des Turniers zählten, belohnten sich nicht für ihre starken Leistungen. Weil sie so nah dran waren, ist die Enttäuschung auch Tage nach dem Spiel um Platz drei noch groß. Auch bei Domen Novak, dem Rechtsaußen der HSG Wetzlar.
Domen, das Spiel um Platz drei war am Sonntag. Nun sind ein paar Tage ins Land gegangen. Ist die Enttäuschung über Platz vier immer noch groß?
Domen Novak: Ja, auf jeden Fall. Aber das gehört zum Sport leider dazu. Ich bin aber auch einfach nur stolz auf unsere gesamte Mannschaft. Auf das, was wir während des Turniers geleistet haben.
Wie oft denkst Du noch an dieses Spiel um Platz drei?
Domen Novak: Leider noch oft. Aber nicht nur an dieses Match. Ich denke auch noch oft an das Halbfinale gegen Dänemark, das wir auch nur mit einem Tor verloren haben. Letztlich waren wir so nah dran an einer Medaille, sind am Ende aber auch weit weg davon.
Was hat Euch im Spiel gegen Spanien gefehlt, um zu gewinnen?
Domen Novak: Wir haben das Spiel im Angriff verloren. Das war in der Offensive unsere schlechteste Leistung des Turniers. Die 22 Treffer sprechen ja Bände. Wir waren aber einfach auch noch leer nach der Niederlage im Halbfinale gegen Dänemark, die am Freitagabend um 23 Uhr feststand. Am Sonntag um 9 Uhr mussten wir wieder gegen Spanien ran.
Am Montag seid Ihr wie viele andere slowenische Olympia-Teilnehmer in Ljubljana von tausenden Menschen empfangen und bejubelt worden. Wie sehr Dich der Empfang in der Heimat getröstet?
Domen Novak: Das war natürlich großartig zu sehen, dass uns so viele Leute unterstützt haben. Ich hoffe, dass wir in den kommenden Jahren so etwas noch einmal erleben und dass wir bei dem Empfang dann auch etwas in den Händen haben.
Ab wann hast Du im Turnier gemerkt, dass Ihr weit kommen könnt?
Domen Novak: Wenn ich ehrlich bin: Wir hatten von Beginn an der Vorbereitung auf dieses Turnier große Ziele, aber auch gute Ideen, wie wir das erreichen können. Aber wir haben uns auch gesagt, dass wir nicht laut darüber sprechen wollen.
Was hat Euch so stark gemacht?
Domen Novak: Das Wichtigste ist am Ende die Mannschaft. Die muss funktionieren. Das war bei uns der Fall. Wir haben in all den Wochen immer zusammengehalten und an unseren gemeinsamen Weg geglaubt. Auch nach nicht so guten Ergebnissen bei Test-Spielen in der Vorbereitung. Das war entscheidend.
Wie war das Leben im Olympischen Dorf in Paris, wo Ihr ja in der Vorrunde untergebracht wart? So, wie Du es Dir vorgestellt hattest oder wärst Du lieber im Hotel gewesen?
Domen Novak: Das war ein top Erlebnis. Das Leben im Dorf hat Spaß gemacht, weil man viele andere Athleten aus der ganzen Welt dort trifft und sieht. Aber für uns war auch wichtig, nicht den Fokus auf das Wesentliche zu verlieren. Und das waren für uns die Spiele, die ja alle zwei Tage stattfanden. Das heißt wir sind ganz bewusst nicht so viel durchs Dorf spaziert, sondern wir sind in der freien Zeit meistens in unserem Haus geblieben.
Hast Du andere Sportler getroffen, die Dich besonders beeindruckt haben?
Domen Novak: Ja, das war vor allem Novak Djokovic und auch der Basketballer Franz Wagner, was ja für die deutschen Fans sicherlich interessant ist.
Du kommst am 26. August zurück nach Wetzlar. Wie sehen die kommenden fast zwei Wochen für Dich aus?
Domen Novak: Jetzt geht es für mich darum, mich etwas zu erholen, so dass ich gut vorbereitet bin für die neue Saison.
Freust Du Dich darauf, endlich Deine Kollegen bei der HSG Wetzlar wieder zu sehen?
Domen Novak: Ja, ich freue mich tatsächlich darauf, wieder mit ihnen zusammen zu spielen. Wir sehen uns bald.


