Die MT Melsungen schlägt am 26. Spieltag der DAIKIN Handball-Bundesliga in einem an Spannung kaum zu überbietenden Match den klar favorisierten THW Kiel mit 30:29 (17:14). Beste Torschützen vor 4.500 Fans in der ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle waren Aaron Mensing (7) für die Hausherren und Bence Imre (8/4) für die Gäste.
Die beiden Kontrahenten lieferten sich einen ebenso hochklassigen wie spannenden Schlagabtausch. Mit dem besseren Ende bei den Nordhessen, die in Aaron Mensing, der von den Fans zurecht zum Man-Of-The-Match gewählt wurde, ihren herausragenden Spieler hatten.
Mit ganz viel Taktik ging’s los in der von Beginn an elektrisierten Halle. Mit ganz viel Respekt voreinander und hüben wie drüben darauf bedacht, die Fehlerquote so dicht gegen Null zu bringen wie nur möglich. Was, aufgrund der beweglichen und vor allem stabilen Abwehrreihen, natürlich nicht gelingen konnte. Kiels Pässe auf Veron Nacinovic kamen zunächst nicht an. Und wenn, dann war Nebojsa Simic auf dem Posten und mit den Fingerspitzen dran. Auf der anderen Seite machte Domagoj Duvnjyk die Räume für Aaron Mensing auf der linken Seite eng, Lücken dahinten waren ebenfalls kaum auszumachen. Ein mageres 2:3 nach elf Minuten, zudem noch mit zwei Siebenmetern von Timo Kastening und Bence Imre dabei, war die logische Folge.
Das Vorlegen der Zebras hielt bis zum 7:8 (17.) von Nikola Bilyk, weil sie etwas variabler spielten. Was dafür bei der MT besser funktionierte, war das schnelle Umschalten nach Ballgewinnen. Insbesondere in der Kombination langer Pass Kastening auf Marti Soler, der zweimal sicher vollendete. Und Olle Forsell Schefvert lief regelrecht heiß. Erst von Nacinovic kurz ausgeknockt, nach seiner Rückkehr aufs Feld kaum noch zu kontrollieren. Die erste Führung der Hausherren durch Kastenings zweiten Strafwurf, diesmal gegen Gonzalo Perez de Vargas, zum 9:8 (19.) war keine Überraschung mehr.
Melsungen im Flow, Kiel bemüht um den Anschluss. Das war schwer, weil Schefvert zwar eine Pause brauchte, Mensing seine Rolle, nur anders interpretiert, aber ohne spielerische Einbußen ausfüllte. Und traf! Erst zum 13:11 (24.), dann sogar zum 15:12 (27.), weil parallel dazu Simic dreimal in Folge spektakulär parierte und eine halbe Ehrenrunde durch die eigene Hälfte drehte. Eine klasse Vorstellung der MT, die gegenüber den Auftritten gegen Magdeburg und Gummersbach überhaupt nicht wiederzuerkennen war und ihre Fans auf den Tribünen voll mitnahm.
Selbst Eric Johanssons Schlagwürfe, eigentlich die einzige Kieler Stärke dieser Phase, führten nicht zu Irritationen. Im Gegenteil, schnappte sich die nach wie vor hochkonzentrierte Abwehr Sekunden vor der Pause erneut das Leder und David Mandic feuerte den Ball kurzentschlossen aus der eigenen Hälfte am völlig überraschten Perez der Vargas vorbei ins Netz zum Pausenstand. Was für ein Spektakel.
Die Nordhessen wollten nach Wiederbeginn nahtlos anknüpfen, hatten aber mit Duvnjaks vorgezogener Position, nun zentral, ihre Problemchen. Die wurden durch den siebten Feldspieler zwar spielerisch gelöst, dafür legte Perez de Vargas zu. Hielt zweimal klasse, traf auch selbst einmal ins verwaiste gegenüberliegende Netz. Dann schnappte sich Duvnjak einen zu riskanten Pass zum Gegenstoß – 20:20 (37.).
Der schöne Vorsprung dahin, Kiel zurück im Geschäft. Thermik kam rein, als Johannsen und Sipos sich im Halbfeld gegenseitig klammerten, aber nur der Melsunger dafür auf die Bank musste. Hendrik Pekeler blieb zwar cool und holte den Zebras die Führung zurück. Aber klar, dass sich der Kieler Schwede fortan Pfiffe von den Rängen abholte. Und Nerven zeigte, das Leder zweimal glatt am Kasten vorbei setzte. Mensing, zurück auf der Platte, drehte das Ding sofort wieder: Dreimal hintereinander gelocht, 24:21 (43.). Volksfest-Stimmung in der Rothenbach-Halle!
Das Attribut Spitzenspiel passte auch im letzten Spielviertel. Simic gegen Reinkind, Peres de Vargas gegen Mandic – beide Keeper waren ebenfalls voll drin. Melsungen wie Kiel im 7-gegen-6. Aber die MT hatte Mensing. Der traf nicht nur wie am Fließband, sondern bediente auch noch mustergültig Dainis Kristopans zum 28:23 (51.). Dennoch keine Vorentscheidung, weil Kiel noch einmal alles mobilisierte. Kristopans und Sipos mussten fast zeitgleich mit Strafen raus, Bence Imre lief den Gegenstoß zum Anschluss, Kastening knallte den Ball an die Latte, Kiels ungarischer Rechtsaußen glich zum 28:28 (56.) aus. Trotzdem reichte es am Ende. Weil Imres Siebenmeter am Pfosten landete und Melsungen die letzte Minute cool runterspielte. Aus, vorbei, Sieg! Und die Rothenbach-Halle ein einziges rot-weißes Tollhaus.
Trainerstimmen
Roberto Garcia Parrondo: Ich bin sehr zufrieden mit diesem Sieg heute, das war ein ganz wichtiges Spiel. Diese Woche war die erste in dieser ganzen Saison, in der wir zumindest dreimal so trainieren konnten, wie wir es wollten. Wir konnten alles ausprobieren und auch mit zwei vollen Mannschaften gegeneinander spielen. So haben wir heute unter anderem davon profitiert, dass mit Erik und Aaron wieder Spieler zurückgekehrt sind, die uns sehr weiterhelfen – auch wenn sie erst bei etwa 70 Prozent ihrer Leistung sind. Besonders hat es mich zudem für unseren Kapitän Timo Kastening gefreut, der ebenfalls ein tolles Spiel gezeigt hat.
Filip Jicha: Herzlichen Glückwunsch Roberto für zwei Punkte. Aus meiner Sicht haben wir ein superintensives Spiel gesehen. Gefallen hat mir die robuste Abwehr von Melsungen. Das war so wie in früheren Jahren, als Roberto und ich noch aktiv gespielt haben. Wir haben unser Momentum trotz Rückstand in der zweiten Halbzeit wiedergefunden, aber dann gab es zwei, drei Situationen, die ich gern anders gehabt hätte. Um ein Spiel so durchzuziehen, braucht man Klasse. Mit einem Tor zu verlieren ist am Ende bitter, aber wir müssen das akzeptieren.
MT Melsungen – THW Kiel 30:29 (17:14)
MT Melsungen: Simic (9 Paraden / 28 Gegentore), Palasics (bei einem Siebenmeter, 0 P. / 1 G.); Marchan 2, Balenciaga, Mandic 3, Sipos 1, Kristopans 3, Ignatow, Stefansson, Kulesh, Arnarsson 2, Soler 3, Forsell Schefvert 4, Mensing 7, Guardiola, Kastening 5/2 – Trainer Roberto Garcia Parrondo.
THW Kiel: Wolff (3 Paraden / 14 Gegentore), Perez de Vargas (1 Tor / 7 P. / 16 G.); Duvnjak 3, Reinkind 2, Jacobsen, Overby 1, Laube, Johansson 5, Ankermann, Dahmke 1, Zerbe, Bilyk 1, Pekeler 4, Ellefsen á Skipagotu 2, Imre 8/4, Nacinovic 1 – Trainer Filip Jicha.
Schiedsrichter: Leonard Bona (Remscheid) / Malte Frank (Radevormwald); Spielaufsicht: Peter Behrens.
Zeitstrafen: 6 – 4 Minuten (Sipos 38:07 53:59, Kristopans 53:19 – Overby 18:48, Duvnjak 48:50)
Strafwürfe: 2/2 – 5/4 (Imre an den Pfosten 58:08)
Zuschauer: 4.500, Rothenbach-Halle, Kassel (ausverkauft)
Spielstände: 0:1 (2.), 1:2 (7.), 2:4 (12.), 5:7 (15.), 9:8 (19.), 13:11 (24.), 15:12 (27.), 17:14 (Halbzeit) – 20:16 (34.), 20:21 (39.), 24:21 (45.), 28:23 (51.), 28:28 (56.), 30:29 (Endstand).
Die nächsten Spiele:
DI, 31.03.26, 20:45 Uhr, HK Fredericia (DEN) – MT Melsungen, Middelfart Sparekasse Arena Fredericia
SA, 04.04.26, 19:00 Uhr, TBV Lemgo Lippe – MT Melsungen, Phoenix Contact Arena Lemgo
DI, 07.04.26, 20:45 Uhr, MT Melsungen – HK Fredericia (DEN)), Rothenbach-Halle Kassel
Text: M. Koch



