Befreiungsschlag in Hälfte zwei
Dank 22 Treffern in den zweiten 30 Minuten gewinnt die HSG Wetzlar das so wichtige Spiel bei GWD Minden mit 33:31.
Nach seinem 200. Bundesliga-Spiel riss Jona Schoch die Arme hoch und kam aus dem Grinsen nicht mehr heraus. Der Rückraumspieler der HSG Wetzlar jubelte mit seinen Teamkollegen. Endlich ein Sieg. Endlich ein Ausrufezeichen im Abstiegskampf der Handball-Bundesliga. Die Mittelhessen gewannen am Samstagabend bei GWD Minden mit 33:31 (11:15) und rückten in der Tabelle zumindest für einen Tag auf den vorletzten Platz. Der Rückstand auf den Rang-16. aus Minden beträgt nur noch zwei Zähler.
Der Spielverlauf
Zur Pause sah es aber nicht danach aus, als würde Jona Schoch sein Jubiläumsspiel in guter Erinnerung behalten. Die HSG Wetzlar fand zwar in den ersten Minuten nicht schlecht in die Partie. Doch das im bisherigen Saisonverlauf größte Manko der Domstädter, die kurzfristig auf den verletzten Cyrill Akakpo (Muskelfaserriss im Adduktorenbereich) verzichten mussten, machte sich früh bemerkbar. Wieder einmal scheiterten sie viel zu häufig am gegnerischen Torwart. Malte Semisch, der 2,08 Meter große Schlussmann des zweifachen Deutschen Meisters, parierte etliche Würfe, so dass die Hausherren nach dem 4:4 (8.) auf 11:6 (17.) davonzogen. Immerhin berappelten sich die Wetzlarer in der Folgezeit etwas und kamen auf 10:12 (23.) heran. Doch es war vorerst nur ein Strohfeuer. Auch wenn der eingewechselte Anadin Suljakovic im HSG-Tor nun ebenfalls prächtig parierte, der Rückstand wuchs bis zur Pause wieder auf vier Treffer an. Warum? Weil im Angriff die Fehlerquote einfach zu hoch war. Schlechte Abschlüsse, leichte Ballverluste – das spielte den Mindenern in die Karten, die somit ihre Fans in der ausverkauften Kampa-Halle begeisterten.
Nach Wiederbeginn nahmen die Gäste aber ihr Herz in beide Hände. Dank einer besseren Abwehrarbeit, aber vor allem dank eines deutlich flüssigeren Angriffsspiels kamen die Wetzlarer Tor um Tor heran. Der Rückraum mit Justin Müller, Dominik Mappes und Stefan Cavor überzeugte. Cavor war es, dem beim 20:20 in der 42. Minute der Ausgleich gelang. Es entwickelte sich fortan ein ausgeglichenes Duell. Die Torhüter spielten erst einmal keine Rolle mehr. HSG-Schreck Semisch wurde in der 45. Minute ausgewechselt. Auch Suljakovic machte wieder für Andreas Palicka Platz. Der starke Ahmed Nafea, dem sieben Treffer in acht Versuchen gelang, warf die Gäste nach etwas mehr als 51 Minuten beim 28:27 erstmals nach dem 1:0 wieder in Führung. Die Wetzlarer Fans wurden in der Kampa-Halle immer lauter. Als dann Andreas Palicka mit seiner einigen Parade des Abends einen Wurf von Alexander Weck entschärfte, im Gegenzug Niklas Theiß von der für ihn ungewohnten Rechtsaußen-Position auf 31:29 erhöhte und schließlich Suljakovic exakt 134 Sekunden vor dem Ende gegen Weck einen Siebenmeter hielt, waren die Wetzlarer endgültig obenauf – zumal Nafea den mittlerweile wieder zwischen die Pfosten gerückten Semisch ein weiteres Mal narrte und zum 32:29 einnetzte. Das war eineinhalb Minuten vor dem Ende die Entscheidung. Dank der starken zweiten Hälfte jubelte die HSG Wetzlar verdientermaßen und schöpft Hoffnung im Abstiegskampf.
Das sagt Trainer Rúnar Sigtryggsson
„Ich bin natürlich sehr froh über die zwei Punkte. Bei einer Niederläge hätte sich schon eine große Lücke zum rettenden Ufer aufgetan. Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen. Unsere 5:1-Deckung hat nicht funktioniert. Erst mit der Einwechslung von Anadin Suljakovic kamen wir wieder ins Spiel. In der zweiten Hälfte hat sich unsere Abwehr etwas stabilisiert, aber vorne haben wir dann sehr gut gespielt. Und zwar auf ganzer Linie. Auch die Chancenverwertung von den Außenpositionen, was in der ersten Halbzeit noch eines unserer Probleme war, hat gestimmt. Wir haben 22 Tore im zweiten Durchgang geworfen. Das ist einfach überragend.“
Der Ausblick
Es steht nun eine Länderspielpause an. Für die HSG Wetzlar geht es in der Bundesliga am 28. März (18 Uhr) mit einem Auswärtsspiel bei den Rhein-Neckar Löwen weiter. Der nächste Auftritt in der Buderus Arena steht für Gründonnerstag (2. April) auf dem Programm. Dann empfangen die Mittelhessen den TVB Stuttgart. Für diese Partie gibt es nur noch Stehplatzkarten. Die sind online unter tickets.hsg-wetzlar.de oder auf der HSG-Geschäftsstelle in der Buderus Arena erhältlich.
Das Stenogramm
Minden: Semisch (11 Paraden), Ivanisevic (46. bis 53.) – Pedersen (3), Diekmann (n.e.), Antanavicius (3), Jensen, Korte (2), Weber (5), Sajenev, Vorlicek (5), Heitkamp (1), Staar (5), Bergner (1), Donker, Weck (7/2).
Wetzlar: Suljakovic (17. bis 45. und bei einem Siebenmeter/8 Paraden), Palicka (1 Parade), Hendawy (n.e.) – Vistorop (n.e.), Kirschner (3/1), Mappes (10/5), Theiß (2), Simic (3), Ahouansou, Schoch, Weimer (n.e.), Müller (3), Spandau (n.e.), Löwen, Cavor (5), Nafea (7).
Schiedsrichter: Hurst/Krag (Berlin/Frankfurt) – Zuschauer: 3703 (ausverkauft) – Zeitstrafen: 10:4 Minuten.



