„In einem Derby kann alles passieren“
Wenn die HSG Wetzlar und die MT Melsungen aufeinandertreffen, braucht es selten zusätzliche Geschichten. Das Hessenderby der Handball-Bundesliga hat traditionell seine eigene Dramaturgie. Doch an diesem Sonntag (16.30 Uhr, Buderus Arena) gibt es eine besondere Personalie: Michael Allendorf.
Der neue Geschäftsführer Sport der HSG Wetzlar kennt beide Seiten dieses Duells wie kaum ein Zweiter. Vier Jahre spielte der Linksaußen für die Mittelhessen, anschließend zwölf Jahre für die MT Melsungen. Nach seiner aktiven Karriere arbeitete er bei den Nordhessen zunächst als Sportdirektor und später als Vorstand Sport – bis sich im Oktober 2025 die Wege trennten.
Seit zweieinhalb Wochen ist der 39-Jährige nun zurück in Wetzlar. Und ausgerechnet im Derby gegen seinen ehemaligen Club steht er zum zweiten Mal bei einem Heimspiel in der Buderus Arena in neuer Verantwortung.
Für Allendorf ein besonderes Spiel. Für beide Mannschaften ein enorm wichtiges.
Die Lage bei der HSG Wetzlar
Durch den Sieg des Bergischen HC am vergangenen Wochenende in Leipzig sowie das Unentschieden von GWD Minden gegen den TVB Stuttgart ist der Rückstand der Grün-Weißen auf das rettende Ufer auf vier Punkte angewachsen. Noch sind elf Begegnungen zu spielen – rechnerisch ist also weiterhin vieles möglich. Klar ist aber auch: Um den Anschluss nicht zu verlieren, muss der Tabellenletzte Spiele gewinnen.
Die jüngsten Auftritte geben durchaus Anlass zur Zuversicht. Bei der knappen Niederlage in Flensburg (31:35) zeigte die Mannschaft eine gute Leistung, im hoch emotionalen und bedeutsamen Heimspiel gegen Leipzig (26:26) bewies sie Moral, überwand mehrere Widerstände und sicherte sich zumindest einen Punkt. Einsatz, Wille und Widerstandsfähigkeit waren deutlich erkennbar.
„Wir haben uns in einigen Bereichen positiv stabilisiert“, sagt Trainer Rúnar Sigtryggsson und ergänzt mit einem Seufzer: „Leider haben wir uns in einem Bereich auch negativ stabilisiert. In den letzten drei Spielen hat der gegnerische Torwart immer mindestens 17 Bälle pariert. Das ist einfach zu viel.“
Die Chancenverwertung ist seit längerem ein großes Manko der Mittelhessen. Trotzdem sagt der Coach: „Wir rechnen uns etwas aus.“
Der Gegner: MT Melsungen
Die MT Melsungen erlebt nach der historischen Vorsaison – Platz drei und damit die beste Platzierung der Vereinsgeschichte in der Handball-Bundesliga – eine wechselhafte Spielzeit. Große Verletzungssorgen warfen die Nordhessen immer wieder zurück, im Kampf um die internationalen Plätze liegt das Team aktuell bereits sieben Punkte hinter Rang sechs, den der VfL Gummersbach belegt.
International hingegen ist die MT – trotz der jüngsten 30:31-Niederlage in Kristianstad – weiterhin gut im Rennen und besitzt gute Chancen auf das Erreichen der K.-o.-Runde in der European League.
Unabhängig davon steht außer Frage: Die individuelle Qualität im Kader ist hoch. Zuletzt lichtete sich zudem das Lazarett etwas, sodass die Melsunger mit einer deutlich stabileren Besetzung ins Derby gehen dürften. Vor allem die Rückkehr der lange Zeit schmerzlich vermissten Nebojsa Simic (Tor) und Eric Balenciaga (Rückraum Mitte) tut dem Team sichtlich gut. Der Spanier feierte in Kristianstad sein Saisondebüt. „Er verändert das Angriffsspiel der Melsunger sofort“, weiß Sigtryggsson.
Die Ticketsituation
Die Sitzplatzkarten sind bereits seit Längerem vergriffen. Am Freitagmittag waren noch rund 400 Stehplatztickets verfügbar. Diese können entweder online unter tickets.hsg-wetzlar.de oder an der Tageskasse ab 15 Uhr erworben werden.
Das sagt Michael Allendorf, Geschäftsführer Sport der HSG Wetzlar
„Mir ist es nicht recht, vor diesem Spiel so sehr im Mittelpunkt zu stehen. Es geht vielmehr um die beiden Mannschaften. Natürlich ist dieses Derby etwas Besonderes für mich. Wahrscheinlich hat niemand dieses Duell so oft gespielt wie ich. Deshalb kann ich sagen: In einem Spiel zwischen Wetzlar und Melsungen kann alles passieren. Die MT geht natürlich als Favorit in die Partie, aber wir werden unsere Chance bekommen.“
So kann man das Spiel sehen
Wer es am Sonntag nicht in die Buderus Arena schafft, kann das Hessenderby live und auf Abruf beim Streamingdienst Dyn verfolgen. Kommentiert wird die Begegnung von Florian Naß. Die Übertragung beginnt um 16.15 Uhr und kann hier gebucht werden: https://www.dyn.sport/event/HSG_Wetzlar_MT_Melsungen_100696


