Nach Clara Woltering (2019) und Anna Loerper (2021) ist Karolina Kudlacz-Gloc die dritte Spielerin, die den 2019 ins Leben gerufenen HBF-Award für ihre herausragende Karriere erhält. 19 Jahre spielte die gebürtige Polin in der Handball Bundesliga Frauen, gewann mit dem HC Leipzig, der SG BBM Bietigheim und HB Ludwigsburg so viele Titel wie keine andere Spielerin zuvor und hat sogar mehr DHB-Pokalsiege eingefahren als der erfolgreichste Mann. Bei der Gala am Vorabend des Haushahn Final4 2026 in Stuttgart zeichnet Andreas Thiel, Vorsitzender der Alsco HBF, die 41-Jährige aus.
Acht Pokalsiege, sieben Meistertitel, sieben Mal den Supercup gewonnen – keine Handballerin war in Deutschland erfolgreicher als diese Polin: Karolina Kudłacz Gloc kam als 21-jähriges Talent nach Deutschland, eigentlich nur um zu studieren und nebenbei Handball zu spielen. 19 Jahre später beendete sie in der Alsco HBF ihre Karriere, allerdings anders als geplant. Nach ihrer Babypause wollte sie noch ein Jahr Profihandballerin sein, doch diesen Wunsch beendete die Insolvenz ihres Clubs HB Ludwigsburg. Bereits bei ihrem ersten deutschen Club, dem HC Leipzig, hatte sie 2017 ein finanzielles Aus erlebt, damals war sie schwanger, 2025 hatte sie gerade ihren zweiten Sohn geboren.
Nach fünf Jahren in Danzig, wo sie polnische Meisterin und Pokalsiegerin sowie Nationalspielerin geworden war, holte sie 2006 der damalige Leipziger Morten Arvidsson zum HCL. Die Rückraumspielerin und Abwehrspezialistin wurde schnell zur Führungsspielerin und war noch schneller ein Publikumsliebling in Leipzig. Zweimal (2009 und 2010) wurde Kudlacz-Gloc deutsche Meisterin mit Leipzig, hinzu kamen vier Pokalsiege (2007, 2008, 2014, 2016). Außerdem spielte sie mit dem Verein regelmäßig in der Champions League. Parallel zu ihrer erfolgreichen Handballkarriere beendete sie in Leipzig ihr Psychologiestudium und wurde erstmals Mutter.
Mit Sohn und Diplom wechselte sie 2017 zur SG BBM Bietigheim, den damaligen Trainer Martin Albertsen kannte sie noch aus ihrer Zeit in Leipzig. Mit der SG ging ihre Titeljagd weiter: Kudlacz-Gloc wurde viermal deutsche Meisterin (2019, 2022, 2023, 2024), dreimal Pokalsiegerin (2021, 2022, 2023) und gewann fünfmal den Super Cup (2017, 2019, 2021, 2022, 2023). Auch international feierte sie ihre größten Erfolge mit Bietigheim: 2022 gewann sie mit den Schwaben die European League und stand 2024 im Champions League-Finale; in dieser Saison sicherte sich Kudlacz- Gloc das Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Super Cup.
In der Spielzeit 2024/25 stand sie wegen ihrer Schwangerschaft nur wenig auf dem Feld. Beim Haushahn Final4 in Stuttgart war die damals 40-Jährige jedoch wieder bereit und stellte mit dem Finalsieg gegen die HSG Blomberg-Lippe einen deutschen Handball-Rekord auf: Nach dem Triumph von 2025 ist die gebürtige Polin nun achtfache DHB-Pokalsiegerin. Damit überholte sie sogar Christian Zeitz, den Rekordhalter im Männer-DHB-Pokal, der sieben Titel mit dem THW Kiel gewann. Mit dem Ludwigsburger Aus endete auch die herausragende Karriere der erfolgreichsten und zugleich einer der beliebtesten HBF-Spielerinnen aller Zeiten.
International war Kudłacz-Gloc ebenfalls eine Schlüsselspielerin für die polnische Nationalmannschaft. In 197 Länderspielen bis 2021 erzielte sie 983 Treffer und setzte auch dort eine Rekordmarke: Beim 35:33-Sieg gegen Mazedonien bei der EHF EURO 2006 erzielte sie 17 Treffer, die höchste Zahl, die eine Spielerin jemals in einem EM-Spiel erreichte, seit 2018 teilt sie sich Platz 1 mit der Schwedin Nathalie Hagman, die 17-mal gegen Russland traf. Größte Erfolge mit dem polnischen Nationalteam waren die beiden WM-Halbfinals 2013 und 2015 – die besten Ergebnisse der polnischen Frauen-Nationalmannschaft aller Zeiten.
Karolina Kudlacz-Gloc
Vereine: Słupia Słupsk (Polen, 1999-2001), AZS-AWFiS Danzig (Polen, 2001-2006), HC Leipzig (2006-2017), SG BBM Bietigheim/HB Ludwigsburg (2017-2025)
Deutsche Meisterin: 2009, 2010 (mit Leipzig), 2019, 2022, 2023, 2024, 2025
DHB-Pokalsiegerin 2007, 2008, 2014, 2016, 2021, 2022, 2023, 2025
Super-Cup-Gewinnerin 2008, 2017, 2019, 2021, 2022, 2023, 2024
Siegerin European League: 2022
Champions League-Finalistin: 2024
197 Spiele für die polnische Nationalmannschaft


