Erstmals in der Geschichte des Super Cups der Alsco Handball Bundesliga Frauen musste ein Siebenmeterwerfen die Entscheidung bringen: Beim Rexel Super Cup 2026 hatte Meister HSG Blomberg-Lippe die besseren Nerven vom Punkt und gewann erstmals den ersten Titel der Saison im Duell mit DHB-Pokalsieger Borussia Dortmund. Nach 60 dramatischen, wenn auch torarmen, Minuten, hatte es 22:22 gestanden.
In den ersten zehn Spielminuten standen vor allem die beiden Torfrauen im Fokus: Sarah Wachter (Dortmund) und Nicole Roth (Blomberg-Lippe) machten ihre Läden dicht und standen phasenweise bei über 60 Prozent gehaltenen Würfen. Diese überragenden Torhüterleistungen waren ein Grund für die torarme Anfangsphase: nach 15 Minuten hatten beide Teams zusammen erst fünf Tore erzielt – und die HSG führte mit 4:1, nachdem Blombergs Isländerin Diana Dögg Magnusdottir den ersten Treffer des Rexel Super Cups 2026 erzielt hatte.
Aber eine Auszeit von Kay Rothenpieler in seinem ersten Pflichtspiel als BVB-Trainer brachte dann die Wende: Weil der Pokalsieger nun deutlich effizienter im Angriff agierte und sich dafür Blomberg mehr Fehler leistete, kippte die Partie. Mit dem 6:5 sorgte Malieke van Maurik für die erste (und bis zum Pausenpfiff auch einzige Führung der Dortmunderinnen. Mit einem 9:9 ging es in die Kabinen – und beide Torfrauen standen bei 42 Prozent gehaltenen Bällen.
Beide Halbzeitansprachen zeigten dann Wirkung: sowohl der BVB als auch die HSG kamen mit mehr Tempo und Torgefahr aus den Kabinen. Die Partie blieb absolut ausgeglichen, keine Mannschaft konnte sich absetzen, auch weil beide Abwehrreihen gut arbeiteten sowie Roth und Wachter weiter stark hielten. Als Blombergs Kapitänin Laura Rüffieux 13 Minuten vor dem Ende zum 16:14 traf, war dies die erste Zwei-Tore-Führung in der zweiten Hälfte. Die hatte allerdings nicht lange Bestand, denn mit einem 3:0-Lauf (zweimal Guro Nestaker, einmal Kelly Vollebregt) drehte Dortmund den Rückstand. U20-Weltmeisterin Lara Egeling erhöhte sogar auf 19:17. Just als der Pokalsieger Oberwasser zu bekommen schien, erhöhte sich die Fehlerquote beim BVB wieder.
Mit einem 21:21 und nach der letzten Auszeit von Blombergs Trainer Steffen Birkner ging es in die letzte Spielminute. 40 Sekunden vor Schluss traf Nieke Kühne zum 22:21, doch durch Egelings vierten Treffer drei Sekunden vor dem Buzzer rettete sich Dortmund ins Siebenmeterwerfen. Während alle Blombergerinnen trafen, verwarfen Vegue und Nestaker – Dortmunds Traum vom Super-Cup-Titel war geplatzt, die HSG tanzte jubelnd übers Feld.
Als DKB Spielerin des Spiels wurde Blombergs Torfrau Nicole Roth gewählt, die neben zahlreichen Bällen im laufenden Spiel gegen ihre letztjährige Mannschaftskamaradin Vegue den vorentscheidenden Strafwurf parierte.
Für die HSG war es nach der Meisterschaft der zweite Titel der Vereinsgeschichte – und die Revanche für die Super-Cup-Niederlage gegen den Thüringer HC an gleicher Stelle im Vorjahr.
Vor der Partie waren bereits zwei HSG-Spielerinnen ausgezeichnet worden: Farrelle Njinkeu als Alsco Rookie der Saison 2025/26 und Nieke Kühne als MVP der Vorsaison. In der Halbzeitpause wurde zudem Lisa Fuchs (SG Nürtingen-Zizishausen) als beste Spielerin der Saison 2025/26 in der 2. Alsco HBF geehrt.
Nicole Roth: „Der Titel bringt Leichtigkeit“ – die Stimmen zum Rexel Super Cup
Steffen Birkner, Trainer HSG Blomberg-Lippe: „Ich bin froh und glücklich über den Titel, denn die Vorzeichen waren nicht so gut. Weil wir einige Ausfälle hatten, mussten wir uns Gedanken machen, wie wir Spielzeit verteilen um nicht ins offene Messer zu laufen. Wir haben 60 Minuten gut in der Deckung gestanden, im Angriff aber vermeidbare Fehler gemacht oder sind an Sarah Wachter gescheitert. Ich bin froh über den Titel, aber noch zufriedener mit unserer Leistung, denn unser Gegner hat Breite und Qualität im Kader. Dagegen haben wir gute Lösungen gefunden. Ein Siebenmeterwerfen ist immer Glück, aber auch das ist uns heute gut gelungen.“
Laura Rüffieux, Kapitänin HSG Blomberg-Lippe: „Es war ein hart umkämpftes Spiel, das wir mit ein bisschen Glück am Ende gewonnen haben. Beide Teams müssen sich noch finden. Ich bin superhappy, dass wir den ersten Titel mit nach Hause nehmen.“
Nicole Roth, Torfrau HSG Blomberg-Lippe und DKB Spielerin des Spiels: „Natürlich sind wir froh über diesen Titel. Die Vorbereitung ist vorbei und wir haben sie mit einem Titel beendet. Es lief noch nicht alles 100 Prozent bei uns, siehe die neun Tore in der ersten Hälfte. Wir haben vieles falsch gemacht, aber auch einiges richtig. Der Titel fühlt sich schön an und der Titel bringt Leichtigkeit. Jetzt startet die Saison, wir sind die Gejagten, aber wir werden die Rolle annehmen. Ich habe mich heute gut gefühlt, das konnte ich auch auf dem Feld zeigen.“
Alexia Hauf, Spielerin HSG Blomberg-Lippe: „Das war ein echt hart umkämpftes Spiel vor einer großen Kulisse, in der beide Mannschaften noch Luft nach oben hatten. Für eine Standortbestimmung war es noch zu früh, aber wir sind natürlich happy über den Titel, den wir gewonnen haben. In der Saison wird noch viel passieren, aber wir haben schonmal einen Titel gewonnen.“
Kay Rothenpieler, Trainer Borussia Dortmund: „Wir sind enttäuscht und vor allem mit unserem Angriffsspiel nicht zufrieden. In der ersten Halbzeit hatten wir Probleme, die richtige Formation zu finden, es hat nicht so funktioniert, daher haben wir früh gewechselt. Die richtigen Abläufe haben wir noch nicht gefunden, wir hatten nicht genug Bewegung im Angriff und nicht die nötige Tiefe. Sarah und die Abwehr standen sehr gut. Und als wir in der zweiten Hälfte dachten, der Knoten wäre geplatzt, kamen zu viele Fehler. Blomberg hat das gut gemacht, nicht aufgegeben und unsere Fehler sofort bestraft. Für uns heißt das jetzt: Mund abwischen, weiter arbeiten, wir haben noch ein bisschen was zu tun.“
Alina Grijseels, Kapitänin Borussia Dortmund: „Ich bin enttäuscht, dass wir nicht gewinnen konnten. Die Abwehr war ok, Sarah Wachter hat gut gehalten, aber vorne haben wir nicht die Lösungen gefunden. Man hat gesehen, dass wir einige Neuzugänge und einen neuen Trainer haben, das hat alles nicht so reibungslos funktioniert. Aber das ist normal, im Laufe der Saison wird sich das entwickeln und wir werden besser spielen mit dem neuen Kader.“
Mareike Thomaier, Spielerin Borussia Dortmund: „Da lief noch nicht viel zusammen, wir haben uns zu viele technische Fehler geleistet, beide Teams waren definitiv noch nicht perfekt. Zumindest waren wir in Sachen Fehlern auf einer Wellenlänge – und im Optimalfall spielen wir ja noch sieben, acht Mal gegen Blomberg. Wir haben unseren Rhythmus nicht gefunden, und wenn wir einen kurzen Lauf hatten, ist es wieder gekippt. Am Ende entscheiden Kleinigkeiten. Wir haben noch einiges an Arbeit.“



